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Ausstellungen

90 Jahre Hanomag-Kommissbrot

Deutschlands erster Kleinwagen aus Hannover: Mit einer Ausstellung im Hannoverschen Straßenbahn-Museum (HSM) in Sehnde-Wehmingen blicken die Hanomag-Freunde vom 12. August bis zum 7. Oktober 2018 zurück auf 90 Jahre Kleinwagenbau in Hannover-Linden.

Die "Chausseewanze", wie der erste Personenwagen der Hanomag, das berühmte Kommissbrot, auch genannt wurde, hat bis heute nicht seine Kuriosität eingebüßt. Schon die äußere Form regt Jung und Alt zum Schmunzeln an, der markante Ein-Zylinder-Motor unterstreicht die persönliche Note. Neben der 25 Meter langen Rekonstruktion der Fließfertigung sind weitere Besonderheiten in der Ausstellung ein Kommissbrot-Taxi von 1927 aus Hamburg, ein Kommissbrot-Tretauto aus Holz von 1929 und ein Korb-Rennwagen von 1927 des Sammlers und Restaurators Maciek Peda aus Poznan / Polen.

Vorbild Henry Ford

Der Ende 1924 auf der Automobilausstellung in Berlin vorgestellte Hanomag Typ 2/10 war der erste in Europa am Fließband produzierte Kleinwagen. Die Hanomag in Hannover hatte 1926, wie vorher bereits Citroen und Opel, die Fertigungsmethoden von Henry Ford in Amerika übernommen und damit eine für damalige Zeiten rationelle Herstellung auch in Europa ermöglicht.

Kommissbrot

Beim "kleinen Hanomag", wie das Kommissbrot in werksseitigen Druckschriften angepriesen wurde, saß das Steuer – analog zum Kutscher – mangels einer Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung noch auf der rechten Seite. Da ein elektrischer Anlasser fehlte, blieb nur der zwischen den beiden Sitzen liegende Handhebel, um den robusten, im Heck sitzenden 500ccm-Ein-Zylinder-Motor anzuwerfen. Dabei waren Linkshänder klar im Vorteil, denn sie konnten das Auto am besten in Gang setzen.

Verkaufsschlager

Die Konstrukteure dieses Kleinwagens, die Ingenieure Carl Pollich und Fidelius Böhler, waren schon 1926 in der Lage, den ersten deutschen Kleinwagen am Band zu fertigen. Der Lokomotivenhersteller Hanomag hatte die beiden Schwaben auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern Ende 1924 kurzerhand mit ihrem Prototyp in Berlin, wo sie studiert hatten, eingekauft. Das kuriose Auto mauserte sich zum Verkaufsschlager und wurde bis zur Produktionseinstellung 1928 insgesamt 15.775 Exemplaren in Hannover-Linden gefertigt.

Blechgarage und Ratenkauf

Auch wenn ein gelernter Arbeiter bei einem Wochenlohn von 50 RM über 13 Monate arbeiten musste, um sich einen Hanomag 2/10 für zunächst 2.650,- RM leisten zu können, so sprach das Auto doch Käuferschichten wie Landärzte oder Handelsreisende an, die ein günstiges, nur 4 Liter auf 100 Kilometer verbrauchendes Fortbewegungsmittel erwerben konnten. Neben einer Blechgarage wurde bereits ein Ratenkauf angeboten.

Verschiedene Modelle

Die Fertigung in Hannover-Linden war – nach dem Vorbild von Henry Ford in Detroit – bereits über mehrere Stockwerke in der eigens dafür errichteten Halle 32 gut durchorganisiert, auch wenn ein Tagesproduktion von 80 Fahrzeugen aus heutiger Sicht eher unbedeutend erscheinen mag. Neben einem Cabriolet und einer Limousine mit nur einer Tür auf der Beifahrerseite gab es noch einen Roadster mit Einstiegen. Zusätzlich wurden ein offenes Fahrzeug mit abnehmbarem, festen Verdeck, quasi einem Hardtop, sowie ein Werkstattwagen angeboten, ein Klein-Lkw folgte kurze Zeit später.

Sammlerstücke

Noch heute sind rund 100 Fahrzeuge in Sammlerhand bekannt, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, denn das kleine Auto wurde von keiner Armee eingezogen oder stand anderweitig im Wege, so dass verhältnismäßig viele Einzelteile und komplette Autos überleben konnten.

Termin(e): 12.08.2018 bis 07.10.2018
sonntags 
von 11:00 bis 17:00 Uhr
03.10.2018 
von 11:00 bis 17:00 Uhr
Ort

Hannoversches Straßenbahn Museum

  • Hohenfelser Straße 16
  • 31319 Sehnde