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Eine Frau in der Mitte, links und rechts ein Mann. Alle tragen weiße Arztkittel über der Kleidung. © MHH/Kaiser

von links: Dr. Johannes Ladwig (Assistenzarzt), Dr. Julia Wilhelm (Privatdozentin) und Professor Dr. Helge Frieling (geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie)

Sprechstunde

Seelische Störungen früh erkennen

Eine neue Spezial­ambulanz an der Medi­zinischen Hoch­schule Hannover hilft jungen Erwachsenen seelische Störungen früh zu erkennen und geeignete Behandlung herauszufinden.

Psychisches Wohlbefinden ist eine wichtige Voraussetzung, um die Herausforderungen des Lebens meistern und individuelle Ziele erreichen zu können. Das gilt besonders für junge Menschen mit ihren Lebensplänen und -wünschen. Seelische Störungen wie beispielsweise Depressionen oder Angsterkrankungen können die Lebensführung erheblich einschränken und damit zu vielfältigen Problemen in Familie, Ausbildung oder Beruf führen. Insbesondere, wenn es sich nicht nur um eine kurze vorübergehende psychische Beeinträchtigung handelt, ist es wichtig, den zugrundeliegenden Ursachen mit professioneller Unterstützung nachzugehen. Vor diesem Hintergrund ist die neue Spezialambulanz zur Früherkennung seelischer Störungen im jungen Erwachsenenalter an der Medizinischen Hochschule Hannover eingerichtet worden. 

"Unser Angebot richtet sich an junge Menschen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, die sich seelisch beeinträchtigt fühlen und deshalb professionelle Hilfe suchen", erklärt Professor Dr. Helge Frieling, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie. Die Spezialambulanz versteht sich hauptsächlich als Diagnostik-Sprechstunde mit Lotsenfunktion. "Nach einer ausführlichen Diagnostik beraten wir die Patienten und deren Angehörige und empfehlen bei Bedarf angemessene Behandlungsmaßnahmen", erläutert Privatdozentin Dr. Julia Wilhelm, ärztliche Leiterin der Spezialambulanz. "Das kann beispielsweise eine psychotherapeutische oder soziotherapeutische Behandlung oder auch ein Medikament sein."

Patienten, die sich in der Spezialambulanz melden, werden zunächst zu einem Vorgespräch eingeladen, um zu klären, ob eine ausführliche Diagnostik in der Ambulanz sinnvoll ist oder ein anderes Angebot hilfreicher sein würde. "Wenn beispielsweise ,nur' eine vorübergehende Krisensituation vorliegt, reicht vielleicht schon eine professionelle Beratung", erklärt Dr. Julia Wilhelm. Die Diagnostik umfasst individuelle und spezialisierte psychiatrische und körperliche Untersuchungen. Schwerpunkt ist dabei das ausführliche Gespräch, zusätzlich kommen verschiedene Fragebögen zum Einsatz, die teilweise mit dem Untersucher zusammen ausgefüllt werden. Um bei Bedarf körperliche Ursachen für die Beschwerden ausschließen zu können, besteht die Möglichkeit, MRT-Aufnahmen des Gehirns sowie Untersuchungen des Blutes und des Nervenwassers durchzuführen.

Psychische Erkrankungen entwickeln sich häufig über einen längeren Zeitraum mit zunächst unspezifischen Symptomen und werden in vielen Fällen erst spät erkannt. So bestehen bei bestimmten Erkrankungen psychische und soziale Beeinträchtigungen im Durchschnitt schon fünf Jahre vor Ausbruch der Erkrankung. "Die Dauer einer unbehandelten psychischen Erkrankung ist häufig noch zu lang, dabei ist bekannt, dass eine frühzeitige angemessene Behandlung den weiteren Verlauf positiv beeinflussen kann", sagt Assistenzarzt Dr. Johannes Ladwig.

Anzeichen für eine beginnende seelische Störung können zum Beispiel ein sozialer Rückzug, ein Leistungsknick in der Schule oder im Beruf, Schlafstörungen, anhaltende Veränderungen der Stimmungslage, anhaltende Ängste oder auch Suizidgedanken sein.

Die Spezialambulanz soll nicht nur die richtige Adresse für junge Erwachsene sein, die sich über einen längeren Zeitraum seelisch beeinträchtigt fühlen, sondern auch für niedergelassene Mediziner wie beispielsweise Hausärzte, die bei jungen Patienten mit Verdacht auf eine seelische Störung eine zweite Meinung einholen wollen.

Zukünftig möchte die MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie die seelischen Störungen im jungen Erwachsenenalter auch erforschen, um die diagnostischen Möglichkeiten in Verbindung mit geeigneten Behandlungsmaßnahmen weiter zu verbessern.

Interessierte erreichen die Spezialambulanz telefonisch unter +49 511 532-3167 oder per E-Mail an psychiatrie.SAFe@mh-hannover.de.