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Albert Oehlen, Carroll Dunham: Bäume, Trees

Albert Oehlen und Carroll Dunham unterziehen die Malerei einer permanenten Evolution und testen die formalen und inhaltlichen Grenzen der subjektiven Darstellung des Baum­Motivs aus. Gerade in der Unterschiedlichkeit ihrer Sichtweisen spannen sie ein weites Feld der Kulturgeschichte vom biblischen Erkenntnisbaum über die Romantik, von Piet Mondrian und Joseph Beuys bis hin zur aktuellen Klimakrise.

Albert Oehlen (*1954, lebt und arbeitet in Köln und Gais, Schweiz) und Carroll Dunham (*1949, lebt und arbeitet in New York, USA) haben ihre künstlerische Prägung in den 1980er-Jahren erfahren und gehören international zu den wegweisenden Impulsgebern für nachfolgende Generationen, die sich durch eine mediale sowie thematische Vielfältigkeit und enorme Produktivität auszeichnen. Erstmals widmet das Sprengel Museum Hannover beiden Künstlern eine gemeinsame Ausstellung mit fast 380 Werken aus verschiedenen Schaffensperioden, darunter mehr als 20 großformatigen Öl- und Acrylmalereien, Zeichnungen, Radierungen und Monotypien sowie einer Installation.

Im Mittelpunkt der Schau steht der Baum als verbindendes, von beiden vielfach bearbeitetes Motiv und Thema. In unterschiedlichsten Varianten durchdekliniert und gestaltet, bringt es die jeweils eigene und markante Bildsprache der beiden Maler besonders zum Vorsehein.

Oehlen begann seine Karriere als Schüler von Sigmar Polke im Umfeld der "Neuen Wilden", unter anderem mit Gemeinschaftsarbeiten mit Martin Kippenberger, und gilt als Protagonist des deutschen Neoexpressionismus. Charakteristisch sind zunächst expressive Pinselführung, in mehreren Schichten aufgetragene nass verlaufene Farben, Farbschlieren, Sprühfarbe und ein stetes Spiel mit der Frage des Motivs. Seine Entwicklung führte ihn vom figurativen "bad painting" in eine eher abstrakte, "post-ungegenständliche" Malerei. Als einer der ersten Künstler überhaupt führte er digitale Strategien und Techniken in seine malerische Praxis ein. Sein Werk ist bis heute von größter Offenheit und immer wieder überraschenden Stilwechseln geprägt. Seine zu Beginn noch klar am Gegenstand orientierten Baum­Bilder entwickelten sich zunehmend zu strukturell-abstrakten Gebilden, die schließlich als Ganzes schwerelos im weißen, mit einzelnen Farbflächen akzentuierten Bild raum schweben.

Gänzlich anders verlief Dunhams Weg. Er entfernte sich von seinen organisch-abstrakten Anfangen hin zu grotesk­surrealen Figuren und Welten, liebäugelte mit Pop Art und Action Painting und ließ deftige Cartoon-Elemente in seine Bilder einfließen. Sein breitgefächertes und experimentierfreudiges Oeuvre umfasst zyklische, langjährige Werkblöcke wie etwa eine Hut tragende Figur mit Phallus-Nase, weibliche Badende mit zum Teil grotesk überzeichneten Geschlechtsorganen oder Wrestler, die in einem ewigen Kampf auf Leben und Tod miteinander gefangen zu sein scheinen. Seit 2005 malt Dunham mit energiegeladenem Pinselstrich Bäume mit schwarzen Konturlinien, dicken Baumstämmen und -kronen - mal mit stark verdünnter Farbe, mal mit opaken Farbschichten, aber stets im saftig leuchtenden Kolorit. Sie werden vom Wind gepeitscht, posieren in schrillbunter Blüte, frisch gefällt oder abgestorben, und sind mit symbolischer und mythologischer Bedeutung aufgeladen.

Beide Künstler verbindet eine große gegenseitige Wertschätzung und ein gewisser Hang zur Provokation, wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Albert Oehlen und Carroll Dunham unterziehen die Malerei einer permanenten Evolution und testen die formalen und inhaltlichen Grenzen der subjektiven Darstellung des Baum­Motivs aus. Gerade in der Unterschiedlichkeit ihrer Sichtweisen spannen sie ein weites Feld der Kulturgeschichte vom biblischen Erkenntnisbaum über die Romantik, von Piet Mondrian und Joseph Beuys bis hin zur aktuellen Klimakrise auf. Am Ende wird der Baum vor allem zum Experimentierfeld künstlerischen Suchens und der unermüdlichen malerischen Erneuerung, so wie es die Natur selbst immer wieder vorgibt.

"Albert Oehlen / Carroll Dunham. Bäume/ Trees" ist in Kooperation mit der Kunsthalle Düsseldorf entstanden, das Sprengel Museum Hannover ist die zweite Station der Ausstellung.

Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Katalog mit Beiträgen von Carroll Dunham, Chrissie Lies, Gregor Jansen, Olga Nevzorova, Albert Oehlen, Reinhard Spieler und Cornelius Tittel erschienen (Walter König Verlag, 176 Seiten, Dt. / Eng 1., 35 Euro)

Kurator*innen in Hannover: Dr. Reinhard Spieler, Olga Nevzorova

Aufgrund der aktuellen Umstände kann leider keine offizielle Eröffnungsfeier stattfinden
Eine Veranstaltung mit beiden Künstlern ist für den 12.09.2020 angesetzt. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld dazu auf unserer Webseite.

Einführungen in die Ausstellung

Fr 12. Juni, 15:00 Uhr ("Silent Opening")

Sa 13. Juni, 11:00 und 14:00 Uhr
mit Olga Nevzorova, Sprengel Museum Hannover

Termin(e): 13.06.2020 bis 18.10.2020
dienstags  mittwochs  donnerstags  samstags 
von 13:00 bis 18:00 Uhr
13.06.2020 bis 18.10.2020
freitags  sonntags 
von 10:00 bis 18:00 Uhr
Ort

Sprengel Museum Hannover

  • Kurt-Schwitters-Platz
  • 30169 Hannover
Weiße Stahlskulptur mit spiralförmigen Elementen vor einem Gebäude. © Hannover.de