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Ausstellungen

Beyond the Black Atlantic

Mit der für das Frühjahr 2020 geplanten Gruppenausstellung möchte der Kunstverein Hannover die Vorstellung einer globalen Schwarzen Identität aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst präsentieren – bewusst nicht als historische Annäherung an "Black Atlantic", sondern als Bühne für eine junge Generation schwarzer Künstler, die jenseits von aktuellen musealen Debatten ihren zeitgenössischen Blick auf das Thema richten.

Der brititsche Soziologe Paul Gilroy prägte den Begriff "Black Atlantic" Mitte der 1990er-Jahre; ihm zufolge lässt sich nicht von der einen afrikanischen Kultur im Sinne eines territorial definierten Phänomens sprechen, stattdessen existiert eine Kombination von afrikanischen, amerikanischen, karibischen oder britischen Einflüssen, die ihren Ursprung in den Anrainerstaaten entlang des Atlantiks hat. War die Auseinandersetzung damit bislang von einer historischen Warte aus geprägt, so hat sich in der jüngsten Zeit eine kritische Aktualisierung innerhalb der zeitgenössischen Kunst herauskristallisiert.

Die Thematisierung der westlich-eurozentrischen, oftmals von Vorurteilen behafteten Vorstellung von "Blackness" und einer scheinbar homogenen afrikanischen Kultur hat in den vergangenen Jahren durch weltweit auftretende gesellschaftliche Ereignisse an Aktualität und Brisanz hinzugewonnen. Überwunden geglaubte soziale Konflikte innerhalb westlicher Gesellschaften, wie beispielsweise in den Vereinigten Staaten, haben ein neues Bewusstsein bei den Akteuren der Black Community geweckt und gleichzeitig die Vorstellung eines "Black Atlantic" wieder in den Fokus gerückt. Diese Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe des afrikanischen Kontinents auf der Höhe der Zeit schlägt sich auch im Schaffen einer jungen Künstlergeneration nieder, die sich dieser neuerlichen (Selbst-)Wahrnehmung der Schwarzen annimmt.

Die eingeladenen Künstler Sandra Mujinga (*1989, Goma, DR Kongo), Paulo Nazareth (*1977, Governador Valadares, Brasilien), Tschabalala Self (*1990, New York City, USA) und Kemang Wa Lehulere (*1984, Kapstadt, Südafrika) reflektieren in ihren Arbeiten die nach wie vor diffizile Beschäftigung mit den Aspekten Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und sexuelle Ausrichtung in ihren jeweiligen Heimatländern und sind gleichzeitig qua eigener Herkunft unmittelbare Akteure und Zeugen des steten Wandels hinsichtlich der gesellschaftlichen Betrachtung der Black Community. Die präsentierten Werke werden nicht nur ein komplexes Bild des genanntes Themas abbilden, sondern auch ein breites Spektrum an künstlerischen Medien abdecken, wie Fotografie, Film, Installation, Malerei, (musikalische) Performance und Skulptur. Es ist eine Publikation angedacht, die den Themenkomplex insbesondere im deutschsprachigen Raum stärker in den Fokus rücken soll.

Während der Ausstellungszeit wird der Kunstverein Gastgeber einer von der VolkswagenStiftung geförderten "Summer School" sein. Die einwöchige Konferenz mit dem Titel "Anthropology and Contemporary Visual Arts from the Black Atlantic" wird mit einer hochkarätigen, internationalen Auswahl an Wissenschaftler*innen besetzt sein (u. a. mit Dr. Ugochukwu-Smooth Nzewi, Kurator, Museum of Modern Art, New York/ USA). Die Ausstellung und die Summer School werden zudem von einem Filmprogramm im Kommunalen Kino im Künstlerhaus begleitet. In Form eines Lehrseminars und wissenschaftlicher Vorträge findet eine Kooperation mit dem Studiengang "Atlantic Studies in History, Culture and Society" der Leibniz Universität Hannover statt. Mit dem beschriebenen Konzept und Rahmenprogramm soll der Kunstverein Hannover einmal mehr Spielstätte für einen fruchtbaren interdisziplinären Austausch sein.

Termin(e): 15.02.2020 bis 26.04.2020
dienstags  mittwochs  donnerstags  freitags  samstags 
von 12:00 bis 19:00 Uhr
15.02.2020 bis 26.04.2020
sonntags 
von 11:00 bis 19:00 Uhr
Ort

Kunstverein Hannover

  • Sophienstraße 2
  • 30159 Hannover
Preise:
6,00 Euro ermäßigt 4,00 Euro