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Ausstellungen

Gustavo Díaz Sosa & Matthäus Thoma

"Welcome to Babylon" lautet der Titel der Doppelausstellung, die die Galerie Robert Drees vom 18. Mai bis 18. August zeigt.

Zeichnung eines großen Gebäudes © Galerie Robert Drees (Quelle)

Gustavo Díaz Sosa, aus der Serie "Huerfanos de Babel"

Zeichnung eines großen Gebäudes © Galerie Robert Drees (Quelle)

Gustavo Díaz Sosa, aus der Serie "Huerfanos de Babel"

Der Ausstellungstitel weckt bei vielen sicherlich die Assoziation zur alttestamentarischen Erzählung des Turmbaus zu Babel. In der Tat nehmen die beiden Künstler der neuen Ausstellung Gustavo Díaz Sosa und Matthäus Thoma Bezug auf die biblische Geschichte des Scheiterns aus Größenwahn und den Ambivalenzen eines steten Weiterdrängens, wenn auch künstlerisch in sehr unterschiedlicher Umsetzung.

Der in Madrid lebende kubanische Künstler Gustavo Díaz Sosa zeigt in seiner zweiten großen Ausstellung in der Galerie Robert Drees neu entstandene Leinwandbilder und filigrane Radierungen, die sich kritisch mit politischer Macht, gesellschaftlicher Ohnmacht und menschlicher Unterwerfung auseinandersetzen. In den zwar offen gestalteten, aber zugleich beklemmend wirkenden ortlosen Räumen mit utopischen Architekturensembles zeigt Díaz Sosa vereinzelt miniaturgroße, menschliche Figuren oder in Warteschlangen formierte Menschenansammlungen. Massiv ragen seine detailliert gezeichneten architektonischen Gebäude aus der Landschaft empor und heben sich von dem plastisch wirkenden, mit Farbflecken versehenen Hintergrund ab. Die angedeuteten Menschen verschwinden fast gänzlich in den Architekturlandschaften. Es scheint, als sei der Einzelne bedeutungslos und allein in seiner Funktion wichtig, die zur Vergrößerung von Ansehen und Macht eines anderen dient. Die so konstruierten Bildwelten erwecken schnell den Eindruck von totalitären Gesellschaftssystemen und lassen über aktuelle globale Macht- und Politikverhältnisse nachdenken. Darüber hinaus eröffnen Díaz Sosas Werke Verknüpfungen zu literarischen Werken von Franz Kafka oder George Orwell, beinhalten Bezüge zur romantischen Malerei wie der von Caspar David Friedrich oder biblischen Themen wie dem bereits erwähnten Turmbau zu Babel. Díaz Sosa bringt in seinen Werken seine Wahrnehmung des Staates, der Macht und des gesellschaftlichen Gefüges zum Ausdruck. Es sind existenzielle Spiegelbilder „…unserer drohenden Zukunft im Lichte der modernen Geschichte“, so Gustavo Díaz Sosa.

Komplementiert werden die Arbeiten von Gustavo Díaz Sosa in der Ausstellung mit Objekten aus Holz des deutschen Bildhauers Matthäus Thoma. Wie Díaz Sosa kommt Thoma aus der Zweidimensionaltät; er studierte Malerei bei Marwan Kassab-Bachi an der Hochschule der Künste in Berlin. Die Zeichnung dient ihm als Ausgangspunkt für seine großformatigen Installationen, die zunächst im Maßstab 1:10 als Modelle entstehen. Zeichnung, Modell und Rauminstallation sind dabei eigenständige Arbeiten, die aufeinander aufbauen. Zumeist aus unbehandelten Holzlatten und Brettern schafft Thoma fast labyrinthartige Objekte, die auf den ersten Blick instabil wirken, keinen Eingang und keinen Ausgang zu erkennen geben, in Bewegung zu sein scheinen und jeden Moment zusammenbrechen könnten. Seine Werke oszillieren zwischen Chaos und Ordnung, Wuchtigkeit und Zerbrechlichkeit, Zielgerichtetheit und Spontaneität, Bewegung und Erstarrung. Dazwischen steckt immer ein Moment von Explosion, Dekonstruktion und Auflösung. Er hinterfragt, wie sich Masse zu Leere, das Innen zum Außen, Statik zu Bewegung und das Material zu sich selbst und dem umgebenden Raum verhält. Lassen sich diese Untersuchungen auch auf gegenwärtiger Gesellschaftssysteme übertragen? Welche Strukturen bzw. Gerüste brauchen sowohl Gesellschaften als auch architektonische Konstruktionen, damit sie funktionieren? In seinen teils monumentalen, scheinbar jeglicher Statik widersetzenden Latten-Clustern schafft Thoma temporäre Erzeugnisse, die oft die räumlichen und architektonischen Formen vor Ort aufnehmen und sich ihnen entgegenstellen. Für die Ausstellung „Welcome to Babylon“ wird Thoma eigens eine Rauminstallation aus Holz errichten, die nicht nur den vorhandenen Raum referiert, sondern die sich auch mit den Bildwerken Díaz Sosa auseinandersetzt und ebenfalls Bezug auf den biblischen Turmbau zu Babel nimmt.

Termin(e): 18.05.2018 bis 18.08.2018
mittwochs  donnerstags  freitags 
von 10:00 bis 18:30 Uhr
18.05.2018 bis 18.08.2018
samstags 
von 11:00 bis 14:00 Uhr
Ort

Galerie Robert Drees

  • Weidendamm 15
  • 30167 Hannover