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Ausstellungen

Jean-Luc Mylayne: Herbst im Paradi

Die Kestnergesellschaft zeigt vom 6. März bis 17. Mai die erste institutionelle Einzelausstellung des französischen Künstlers Jean-Luc Mylayne (*1946, Frankreich) in Deutschland.

Motiv Vögel

Mit einer großen Tournée in Frankreich, der Schweiz, China, Deutschland und den Niederlande wird das Gesamtwerk von Jean-Luc Mylayne erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt. Mylayne konzentriert sich seit über 40 Jahren auf die Begegnung mit Vögeln, die er mit analogen Kamerasystemen, einer Hasselblad-Mittelformatkamera und einer Sinar-Fachkamera, und mit verschiedenartig geschnittenen und geschliffenen Linsen aufnimmt. Für jede Aufnahme investiert er meist mehrere Monate auf die Suche nach der richtigen Komposition. So thematisiert er darüber hinaus zeitliche Aspekte der Entstehung und Wahrnehmung von fotografischen Bildern. Die Ausstellung präsentiert rund 40 großformatige Fotografien, die im Zeitraum von 1979 bis 2008 entstanden.

Gemeinsam mit Mylène Mylayne, seiner Ehefrau und künstlerischer Partnerin, reiste der Fotograf den Vögeln vom ländlichen Südfrankreich bis in die Steppen der südwestlichen USA hinterher. Jean-Luc Mylaynes Fotografien bewegen sich an den Übergängen zwischen unberührter Natur und ruraler Landschaft mit einem Interesse an Licht und Ort, oftmals mit der Betonung des azurblauen Himmels. Neben der dominierenden Natur erscheinen Häuser, Straßen, Zäune und Mauern in der Ferne oder am Bildrand als Spuren menschlicher Zivilisation.

Künstlerischer Ansatz

Mylaynes Fotografien nähern sich den Tieren sehr unterschiedlich: Mal offensichtlich als Portrait, in anderen Bildern muss das Auge der Betrachtenden sich suchend vorantasten, um den gefiederten Protagonisten zu finden. Dabei wird nicht der geografische Kontext der Szenerien oder die spezifischen Merkmale der Vögel fokussiert, sondern die zeitliche Auseinandersetzung mit einem Partner auf Augenhöhe. Mylayne konzentriert sich immer auf einen Vogel als Individuum, nicht auf dessen Zugehörigkeit zu einer bestimmten Art. Seine Bildkompositionen kreiert er aus der präzisen Wahl und Zusammenstellung von Lichtsituation, Wetter, Jahreszeit sowie der Bestimmung der Bildausschnitte und der Platzierung des Vogels. Jedes "Tableau" ist dabei präzise durchdacht.

Was wie eine ornithologische Studie anmutet, offenbart sich als poetische und mit einem malerischen Auge konstruierte Fotografie. Sie ist das Resultat einer monatelangen, manchmal jahrelangen Vorbereitung. In der im Werktitel angegebenen Zeitspanne hat der Künstler die Umgebung erkundet, die Flugbahnen und Rastplätze der Tiere beobachtet und – ohne es zu füttern oder zu zähmen – langsam sein Vertrauen gewonnen. Dieses Vertrauen ist Grundvoraussetzung für eine Beziehung zwischen Fotograf und Motiv – dem Vogel - und somit auch für die Bildentstehung an einem möglichen Ort der Ankunft des Vogels, den der Fotograf mit seiner Kamera schon lange vorausgesehen hat. Jedes der Vogelporträts erzählt damit eine Geschichte, die auf gegenwärtiger Achtsamkeit und Vertrauen beruht. Sie zeugen von einem Moment der Stille, indem Koexistenz, Vertrauen und Neugierde zusammenfallen.

Ebenso einzigartig wie der Moment der Aufnahme ist auch der fotografische Abzug bei Mylayne, seine analogen Bilder sind allesamt Unikate. Mit all seinen Prämissen – der Anwendung der analogen Fotografie, der Herstellung von Unikaten, der Verwendung desselben Motivs über mehrere Jahrzehnte und vor allem der langen Entstehungszeit jedes Werks – schuf Jean-Luc Mylayne ein künstlerisches OEuvre, das gleichermaßen radikal wie poetisch ist. Selbst der Titel der Ausstellung "Herbst im Paradies" basiert auf einem Gedicht des Künstlers.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation Vincent van Gogh, Arles, dem Argauer Kunsthaus, Aarau, dem Long Museum, Shanghai und dem Huis Marseille, Museum for Photography, Amsterdam. Arbeiten von Jean-Luc Mylayne werden in Amsterdam auch im Van Gogh Museum und im Museum De Pont zu sehen sein. 

Über den Künstler

Jean-Luc Mylayne ist 1946 in Frankreich geboren. Seine Werke waren in zahlreichen Einzelausstellungen vertreten, unter anderem im Art Institute of Chicago, The Arts Club of Chicago, Lurie Garden, Millenium Park, Chicago (2015); dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2010); im Musée d'Art contemporain de Lyon (2009); dem Parrish Art Museum, Southampton, New York(2007-2009); in der Lannan Foundation, Santa Fe, New Mexico (2004, 2005, 2010); im Musée des Arts contemporains, Grand-Hornu, Belgien (2004); dem Musée d'Art moderne de la Ville de Paris / ARC, Paris (1995). Zudem waren Mylaynes Werke in Gruppenausstellungen im S.M.A.K., Gent (2017); der 54. Biennale von Venedig (2011); dem Neuen Museum Weserburg, Bremen (1998); der 10. Biennale von Sydney (1996); und dem Kunsthaus Zürich (1995), zu sehen.

Termin(e): 06.03.2020 bis 09.04.2020
dienstags  mittwochs  freitags  samstags  sonntags 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
06.03.2020 bis 09.04.2020
donnerstags 
von 11:00 bis 20:00 Uhr
10.04.2020 bis 13.04.2020
von 11:00 bis 18:00 Uhr
14.04.2020 bis 17.05.2020
dienstags  mittwochs  freitags  samstags  sonntags 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
14.04.2020 bis 17.05.2020
donnerstags 
von 11:00 bis 20:00 Uhr
Ort

Kestnergesellschaft

  • Goseriede 11
  • 30159 Hannover
Preise:
Eintritt 7,00 Euro
ermäßigt 5,00 Euro
Freitag frei