Kunstverein Hannover

Agnieszka Kurant: Uncomputables

Der Kunstverein Hannover zeigt bis 16. Juli die erste institutionelle Einzelausstellung der polnischen Künstlerin in Deutschland.

Agnieszka Kurant, Chemical Garden, 2021

In ihrer künstlerischen Praxis untersucht die in New York lebende Konzeptkünstlerin Agnieszka Kurant das Phänomen der kollektiven Intelligenz, nicht-menschlicher Intelligenzen (etwa von Bakterien und Schleimpilzen bis hin zur Künstlichen Intelligenz), die Zukunft von Arbeit und Kreativität sowie die extraktivistische Ökonomie des digitalen Überwachungskapitalismus.

Kurant greift frühere Arbeiten auf (zuerst präsentiert im Guggenheim Museum in New York und im Castello di Rivoli in Turin, in denen sie sich mit den Auswirkungen der Technologie auf die Vorstellungen von Individualität und Authentizität auseinandersetzt und die plurale Subjektivität erforscht: das „Selbst“ als eine Vielzahl von Stimmen, eine Polyphonie, die Mineralien, Mikroben, Viren und Algorithmen umfasst. Identitäten sind hier von zentraler Bedeutung — eine Serie von Arbeiten beschäftigt sich mit der Idee der fortwährenden Pluralität des menschlichen Ichs: vor dem Hintergrund der institutionellen Identität eines Vereins besonders interessant. Wie viel „Wir“ steckt eigentlich im „Ich“ in Realitäten postpandemischer Vereinzelung und der Fetischisierung des Individualismus?

Kurant schafft Bedingungen, unter denen unvorhersehbare, instabile Formen, Assemblagen und Amalgamierungen entstehen oder sich aus einem komplexen System herauskristallisieren: Millionen von Molekülen, eine Kolonie von Bakterien oder Termiten, eine soziale Bewegung oder eine Schar digitaler Ghostworker. Kurants neue Projekte sind geprägt von der Geschichte der Kybernetik, der Automatisierung, der Biosemiotik, des Perpetuum Mobile, des Losverfahrens und der Alchemie. Viele von Kurants Arbeiten erforschen die Zukunft als spekulative
Größe. Die postdigitale Ökonomie behandelt jeden möglichen zukünftigen Zustand der Natur als quantifizierbare, berechenbare und konfigurierbare Ressource.

Hannovers Identität als „Expo“-Stadt, die techno-soziale Visionen bei der Weltausstellung im Jahr 2000 greifbar machen wollte, verkörpert perfekt die technologisch-optimistischen Annahmen des vormillennialen Denkens. Die Ausstellung führt neue Aspekte von Kurants Praxis im Lichte der veralteten Projektionen dieser Nekro-Zukünfte zusammen — einstige fiktive und utopische Sprünge, die schnell zu steilen Abhängen in neoliberale Abgründe wurden. 

Termine

14.05.2023 bis 16.07.2023 ab 12:00 bis 19:00 Uhr
dienstags mittwochs donnerstags freitags samstags

14.05.2023 bis 16.07.2023 ab 11:00 bis 19:00 Uhr
sonntags

Ort

Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159 Hannover