Kunstverein Hannover

Rob Crosse, Richard Sides, Sung Tieu

Der Kunstverein Hannover zeigt vom 26. November bis 16. Januar Werke der drei Gewinner des "ars viva-Preis für Bildende Kunst".

Das Künstlerhaus im Herzen Hannovers ist nicht nur ein wichtiges Baudenkmal, sondern auch ein dynamischer moderner Kulturort.

Seit 1953 vergibt der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. jährlich den renommierten ars viva-Preis für Bildende Kunst an herausragende, in Deutschland lebende Künstler unter 35 Jahren. Im Fokus der Jury stehen Arbeiten, die eine eigenständige Formensprache und ein Bewusstsein für gegenwärtige Fragestellungen in Bezug zur (Kultur-)Geschichte erkennen lassen. Der Preis beinhaltet neben einem Preisgeld von 5.000 € die Kooperation mit zwei Ausstellungen sowie eine mehrwöchige Künstlerresidenz auf Fogo Island (Kanada) und einen umfangreichen zweisprachigen Katalog. Die erste Präsentation der aktuellen Preisträger fand im Herbst 2020 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main statt.

"Gerade in Krisenzeiten, so scheint es, müssen Akteurinnen und Akteure sowie Institutionen (…) sich verpflichtet fühlen, die Bedeutung von Kunst und Kultur für eine freie und gemeinschaftliche Gesellschaft immer wieder und vor allem für die Öffentlichkeit deutlich sichtbar zu machen.", schreiben Ulrich Sauerwein und Franziska Nentwig vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e. V. im Katalog zum ars viva-Preis 2021.

Über die Preisträger

Die drei ausgewählten Preisträger des diesjährigen ars viva-Preises, Rob Crosse, Sung Tieu und Richard Sides vereint ein Interesse an gesellschaftlichen Fragen, die auf unterschiedliche Art und Weise in den Werken der jungen Künstler verhandelt werden.

Die beeindruckenden filmischen und fotografischen Porträts von Rob Crosse (geb. 1985 in Hertfordshire, GB) sind poetische Aufnahmen von Männern in verschiedenen Lebensaltern in all ihrer Zerbrechlichkeit. Der Betrachter wird durch seine Werke mit dem eigenen Alter und, wenngleich bei Crosse positiv besetzt, dem Verfall des eigenen Körpers konfrontiert – einem Zustand, in dem wir uns eventuell bereits befinden oder der uns erwarten wird. Crosses Interesse an der Welt richtet sich auf die Gruppenaktivitäten, die ältere Menschen organisieren, um einander zu helfen und beizustehen. Egal, ob er ehrenamtlich tätige Signalwärter, Hongkonger Singvogelbesitzer, sogenannte Mall Walker in Nebraska oder homosexuelle Urlauber in den Mittelpunkt stellt, hebt sein audiovisuelles Werk die Besonderheiten verschiedener Freizeitbeschäftigungen im Hinblick auf das Wohlergehen der Personen hervor, von denen sie ausgeübt werden.

Die bereits international bekannte Künstlerin Sung Tieu (geb. 1987 in Hai Duong, Vietnam) holt die Bilder und Ereignisse der Vergangenheit, die zum Teil an ihre eigene vietnamesisch-deutsche Herkunft erinnern, zurück in die Gegenwart, denn nur hier können sie neu bewertet und vielleicht auch ihre Folgen geheilt werden. Filmschnitt, Kamerabewegung, doch vor allem Farbverfremdungen und Sound erzeugen aus den Landschaftsaufnahmen, die in den Wäldern und im Mekongdelta Vietnams entstanden sind, einen ungeheuren Sog der Bilder. Sung Tieu erzählt vom Krieg, allerdings nicht im Duktus des Dokumentarischen, sondern sie stellt eine gleichsam drückende wie fantastische Atmosphäre her, die sich aus Ritual, Magie und körperlicher Erinnerung speist. Ihre beeindruckenden Rauminstallationen bestehen aus kühlen möbelartigen Elementen, die an Filmsets erinnern.

Der Künstler Richard Sides (geb. 1985 in Rotherham, GB) schafft Räume in Räumen: aus einfachen Materialien baut er verschlagartige Installationen, die geradezu wie der Schwittersche Merzbau die Ausstellungsräume "umkrempeln", zu nischenähnlichen temporären Räumen werden lassen oder die an Behausungen erinnern. In seinen Installationen zeigt er auch filmisches Material, das wiederum aus recycelten, selbstproduzierten und gefundenen Quellen besteht. Improvisation ist ein zentraler Bestandteil seiner Werke, die stets ineinander übergleiten und sich zu einem Allover Setting verbinden, in das die Besucher einsteigen können. Öffentliches und vermeintlich Privates verbinden sich in seinen Werken ebenso wie aus dem Alltag Bekanntes.

Inhaltlich berühren Rob Crosse, Richard Sides und Sung Tieu in ihren Werken auf je unverwechselbare Weise die Frage nach dem, wie wir leben und leben werden. Für ihre Ausstellung entwickeln alle drei neue Werke, die in einem Ausstellungsparcours nebeneinander erfahrbar gemacht werden.

Über die Jury

Der diesjährigen Jury des ars viva-Preises unter Vorsitz von Ulrich Sauerwein gehörten neben Mitgliedern des Gremiums Bildende Kunst des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft die Kooperationspartner*innen Grit Weber (Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main), Kathleen Rahn und Sergey Harutoonian (Kunstverein Hannover), Willem de Rooij (Fogo Island Arts), Dr. Franziska Nentwig, Min-young Jeon und Mathilda Legemah (Kulturkreis der deutschen Wirtschaft) sowie Hilke Wagner (Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden) als Fachberaterin an.

Termine

26.11.2021 bis 16.01.2022 ab 12:00 bis 19:00 Uhr
dienstags mittwochs donnerstags freitags samstags

26.10.2021 bis 16.01.2022 ab 11:00 bis 19:00 Uhr
sonntags

Ort

Kunstverein Hannover
Sophienstraße 2
30159 Hannover