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Markus Huemer

Markus Huemer schickt den Betrachter auf eine Achterbahnfahrt durch analoge und digitale Bildwelten, immer nah am Abgrund der Unmöglichkeit von Bildern. Gezeigt werden vier Gemälde und neun Objekte sowie 216 Arbeiten aus der Gruppe der "Thumbnails" vom 27. März bis 30. Juni im Sprengel Museum Hannover.

Markus Huemer (*1968 in Linz) beschäftigt sich in seiner Ausstellung "Ich hätte euch auch die gleiche Ausstellung immer wieder machen können" mit der Frage nach den Möglichkeiten von Malerei im Digitalzeitalter. Er begibt sich in Grenzgebiete, in denen die Referenz auf Bilder die eigentlichen Bilder ablöst und sich Original und Derivat überlagern.

Huemers Farbpalette beschränkt sich beim Malen auf nur wenige Farben. Schwarz, Weiß und Blau sowie Abtönungen wie Grau- oder blasse Blaugrautöne. Wenn Schwarz-Weiß für den Friedhof der mechanischen Bilderzeugung steht, dann steht Blau in Huemers Bildwelt für das Nichtbild in der digitalen Bilderzeugung.

Schon seit vielen Jahren arbeitet er mit dem sogenannten Alphakanalblau, das die Abwesenheit eines Bildes darstellt. Wenn es keine Bildinformation gibt, sendet ein Projektor diese Farbe. Was für den Maler die weiße Leinwand, ist für das projizierte Bild das Alphakanalblau. Farben verwendet Huemer ausschließlich als Zeugen für die Nichtexistenz und die Auslöschung von Bildern. Die Paradoxie des Malens ohne Farben, des Schaffens von Bildern, die es gar nicht gibt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung.

Die 2005 entstandene Werkgruppe "Black Boxes" umfasst einfach gezimmerte Holzkuben unterschiedlicher Formate, die an den Kanten Spuren schwarzer Farbe aufweisen und damit suggerieren, die Box sei im Innern schwarz ausgemalt. Ein Blick in das Innere der Box ist jedoch nicht möglich, die Annahme lässt sich nicht faktisch überprüfen. Nicht nur, dass das Schwarz jede Möglichkeit eines Bildes ausgelöscht hat, selbst dieses Schwarz, diese Nichtexistenz eines Bildes kann nicht gesehen werden.

Die Werke dieser Gruppe verweisen auf die aus dem Flugverkehr bekannte Black Box: eine speziell geschützte Datenarchiv-Box, die im Falle eines Absturzes über verschiedene aufgezeichnete Daten Auskunft über das Szenario gibt, das zum Absturz führte. Die Black Box ist Zeuge und Spiegel von Katastrophe, Zerstörung und Auslöschung. Bei Huemer lässt sich ihr Inhalt nicht mehr auslesen, das Bild der Destruktion bleibt Imagination. So stellt Huemer eine Black Box vor, die keine Rekonstruktion ermöglicht, sondern mit dem unzugänglichen Schwarz im Inneren den Black Out verkörpert, die absolute Nichtexistenz des Bildes.

In seiner Arbeit "Thumbnails", an der Huemer seit 2012 arbeitet, greift er das Motiv der Black Box noch einmal auf. Es handelt sich um kleine Versionen aller seiner Bilder im Format 9 x 13 cm, die aber nicht als flache Bilder gearbeitet sind, sondern als 3 cm tiefe Holzobjekte. Der Begriff der Thumbnails kommt aus der digitalen Welt und bezeichnet eine auf Minimalformat reduzierte Archivversion von Bilddateien, die es ermöglicht, Bilder anzuschauen bzw. zu identifizieren, ohne sie zu öffnen. Ebenso wie bei den "Black Boxes" wird hier der Einblick auf das eigentlich zugrundeliegende Bild verweigert.

Thumbnails sind nicht einfach formatverkleinerte Versionen der originalen Fotodatei, sondern nach einem bestimmten Logarithmus vereinfachte, auf wiedererkennbare Strukturen optimierte Substrate im streng vordefinierten Format. Diese Substrate seiner eigenen Originale malt Huemer auf die kleinen Holzboxen. Versteht man den Bildträger als Black Box, dann verdeckt das Substrat den eigentlichen Bildraum, das eigentliche Bild, obwohl es gleichzeitig einen Eindruck davon wiedergibt.

Huemer dreht die Bildidee des Thumbnails - die Auffindbarkeit von Bilddaten - hier um: Statt Bilder digital zu archivieren, wird das Archivmaterial selbst zum originalen Kunstwerk.

Markus Huemer schickt den Betrachter auf eine Achterbahnfahrt durch analoge und digitale Bildwelten, immer nah am Abgrund der Unmöglichkeit von Bildern.

Gezeigt werden vier Gemälde und neun Objekte sowie 216 Arbeiten aus der Gruppe der "Thumbnails".

Kurator: Reinhard Spieler

Termin(e): 27.03.2019 bis 30.06.2019
mittwochs  donnerstags  freitags  samstags  sonntags 
von 10:00 bis 18:00 Uhr
27.03.2019 bis 30.06.2019
dienstags 
von 10:00 bis 20:00 Uhr
Ort

Sprengel Museum Hannover

  • Kurt-Schwitters-Platz
  • 30169 Hannover
Preise:
Eintritt 07,00 €
Ermäßigt 04,00 €
freitags Eintritt frei

Eröffnung: 26.03.2019, 18:30 Uhr