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Rineke Dijkstra

Mit der niederländischen Fotografin Rineke Dijkstra ehrt die Stiftung Niedersachsen eine der herausragenden Fotografinnen der Gegenwart. Für ihre Ausstellung im Sprengel Museum Hannover hat die Künstlerin erstmals eine Präsentationsform entwickelt, die auf einem Dialog von ausgewählten Werken ihres eigenen OEuvres mit Werken aus der museumseigenen Sammlung aufbaut.

Rineke Dijkstra und die Sammlung des Sprengel Museum Hannover 

Die Auswahl ihrer Porträts, die Dijkstra für die Präsentation im Sprengel Museum Hannover getroffen hat, macht deutlich, wie sehr sich viele der Dargestellten eines Vorgangs des Fotografiert-Werdens bewusst sind.

Das beginnt mit den beiden Jungen in der Fotografie Tamale, Ghana, March 5, 1996, die ihre Knie durchgedrückt haben und nicht wissen, wohin mit ihren Armen. Ihr Ausdruck changiert zwischen dem Unwohl-Sein des Beobachtet-Werdens und gleichzeitigem Stolz.

Diese sichtbare Anspannung setzt sich in der Arbeit Marianna and Sasha, Kingisepp, Russia, November 2, 2014 fort: In der artifiziellen Arm- und Beinhaltung des sitzenden wie auch des stehenden Mädchens artikuliert sich ein beinahe zwanghaftes Bekenntnis zum Tanz.

Eben dies erfüllt sich in nahezu grotesker Form in den Verrenkungen der elf Mädchen, die in der Videoarbeit Gymschool, St. Petersburg, 2014 zu sehen sind. Eine besondere visuelle Spannung baut sich auf, wenn die 8- bis 12-jährigen Mädchen, die sich in der Disziplin der rhythmischen Sportgymnastik üben und dabei zum Teil unnatürliche Haltungen einnehmen, während ihres anstrengenden Trainings, das durchaus Momente des Scheiterns aufweist, jeden Ausdruck von Anstrengung oder von Gefühlsregungen unterdrücken.

In den Fotografien ist es die Spannung zwischen dem Ideal der entspannten Selbstdarstellungund der angespannten Pose, dem Exhibitionismus und der Verdinglichung einer durch die Optik der Kamera bewussten Haltung, die zu dem komplexen Bild eines Individuums wird.

Nach einem Studium an der Gerrit Rietveld Akademie Amsterdam (1981–1986) arbeitete Rineke Dijkstra anfänglich als Porträtfotografin für Modemagazine wie Elle, Avenue oder Elegance. In einer durch einen schweren Fahrradunfall bedingten schwierigen Lebensphase entstand 1991 ein Selbstporträt, das, neben Aufnahmen von unbekannten jungen Mädchen am Strand von Hilton Head Island, SC, USA, als Beginn ihrer freien künstlerischen Arbeit gilt.

Dem Porträt gehört nach wie vor ihr konzentriertes Interesse. Rineke Dijkstra betrachtet die Fotografie als eine Möglichkeit, sich mit grundsätzlichen Fragen menschlicher Existenz auseinanderzusetzen. Die Fotografie ist dabei Beobachtungs- und Erkenntnismittel. Das genaue und detailinteressierte Sehen, das sie in ihren mit Großformat- oder Videokamera entstehenden Bildern zum Nachvollzug anbietet, offenbart die ständige Wandelbarkeit des menschlichen Seins.

Die Auszeichnung mit dem SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen würdigt die stilbildende Kraft dieses OEuvres und die künstlerische Konsequenz, mit der Rineke Dijkstra die Auseinandersetzung mit dem fotografischen Porträt in ihren filmischen Arbeiten fortführt.

Der SPECTRUM Internationaler Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen wird seit 1994 vergeben und schließt einen Geldpreis in Höhe von 15.000 Euro, eine umfangreiche Ausstellung im Sprengel Museum Hannover und die Produktion einer Künstlerpublikation ein.

Termin(e): 27.01.2018 bis 06.05.2018
mittwochs  donnerstags  freitags  samstags  sonntags 
von 10:00 bis 18:00 Uhr
27.01.2018 bis 06.05.2018
dienstags 
von 10:00 bis 20:00 Uhr
Ort

Sprengel Museum Hannover

  • Kurt-Schwitters-Platz
  • 30169 Hannover
Preise:
Sammlung des Museums und Sonderausstellungen 07,00 €
SchülerInnen (ab 13 Jahre), Auszubildende, Studierende, Wehr-/Ersatzdienstleistende, Arbeitslose, Senioren (ab 65 Jahren) 04,00 €
Gruppen ab zehn Personen 05,00 € ermäßigt 03,50 €
Kinder (bis 12 Jahre) frei
Schulklassen frei

Eröffnung und Preisverleihung: Freitag, 26. Januar 2018, 19:00 Uhr