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Ausstellungen

Schachteln und Dosen

Schmucke Behältnisse sind vom 19. September bis 17. Oktober Thema der Herbstausstellung in der Handwerksform.

Drei Dosen mit Deckeln © Handwerkform (Quelle)

Behältnisse als Ausstellungsobjekte

Wer Dinge formvollendet verpacken oder aufbewahren möchte, der braucht dazu das richtige Behältnis, Schachteln oder Dosen. In der Herbstausstellung zeigt die Handwerksform Hannover die Arbeiten von 30 Kunsthandwerkern und -innen sowie und Designern und -innen, die zu diesem Thema kleinere oder größere Behältnisse aus Beton, Glas, Holz, Keramik, Papier, Silber und Stein beisteuern.

Glas

Bernd Lichtenstein legt viel Wert auf die besondere Gestaltung der Deckel seiner Glasdosen, denn er ist der Meinung: wenn in einer Dose etwas Wertvolles untergebracht wird, dann kann auch die Dose wertvoll sein. Für die Deckelgestaltung nutzt er die Mosaiktechnik. Dafür werden zuerst Stangen hergestellt, sauber geschliffen, in gleichgroße Stücke geschnitten und wieder geschliffen, so dass jedes Teil gleich groß ist. Das Ganze als Quadrat verschmolzen und danach zu einer runden Scheibe geschliffen und poliert. Durch den Wechsel von farbigem und klarem Glas entsteht eine interessante Dreidimensionalität. 

Farbigkeit ist auch das bestechende Merkmal der Dosen, die in der Nürnberger Werkstatt von Cornelius Reer am Glasschmelzofen entstehen. Kennzeichnend für die Gefäßformen sind die von ihm entwickelte Formensprache, die Funktion, subtile Farbgebung, und entschlossene Formgebung. So entstehen Unikate und Kleinserien, die sich selbst erklären. Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten leben von der unterschiedlichen Farbigkeit, die entsteht, wenn die einzelnen Zylinder ineinander gesteckt und mit einem Deckel verschlossen werden.

Die Arbeiten von Carolin Schwan stehen ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Ihre Gefäße bestehen aus bearbeiteten Weinflaschen, die Deckel bestehen ebenfalls aus recyceltem Glas oder aus nachwachsendem Kork. Für Schwan steht fest, dass Glas besonders gut geeignet ist, um Gegenstände zu umschließen und aufzubewahren. Wenn die Gefäße dann auch noch aus recycelten Materialien bestehen, wird nicht nur der Inhalt, sondern auch unsere Umwelt geschützt.

Silber

Gibt es eine edlere Aufbewahrungsart als Silber? Maike Dahl steuert zur Ausstellung eine Reihe der von ihr entwickelten Dosen bei, die das Silber wieder zurück in den Alltag bringen sollen. Ihr Tafelsilber ist einfach in der Handhabung und spülmaschinenfest. Die Oberflächen sind mit normaler Haushaltsscheuermilch bearbeitet. Das nimmt dem Silber seine Unnahbarkeit und gibt ihm erste Lebensspuren. Niemand muss Angst haben dieses Silber zu benutzen. Es schreit geradezu danach benutzt zu werden. Es gibt dem Alltag eine Prise Spannung und Glanz und gesellt sich gern zu den anderen Dingen auf den Tisch.

Dose kann auch Schmuck sein. Das zeigt Sabine Lang in ihrer Serie, bei der aus einem Ring eine Kette wird. In den Dosen auf den Ringen sind Ketten verborgen. Durch Umstecken kommt die Veränderung. Ring zur Kette – Kette zum Ring. Die Dosen sind von innen mit Kalt-Email gefärbt.

Sham Patwardhan-Joshi greift in seinem Beitrag das Thema der Parfumdosen auf, das ihm aus seiner Heimat Indien sehr vertraut ist. Duft und Behälter sind ein wesentlicher Bestandteil des Orients und der orientalischen Kultur. Seine Arbeiten zeigen eine moderne Umsetzung der alten Idee der Dose als Gebrauchsgegenstand. Die Parfumbehälter sind mit echten Blumenextrakten gefüllt.

Katja Querfeld steuert zur Ausstellung eine silberne Dose bei, die in ihrer schlichten Kugelform  sowohl Luxusobjekt für das Aufbewahren wertvoller Gegenstände wie auch Alltagsobjekt sein kann. Das Besondere an diesem Objekt:  Im Innern der silbernen Kugel befindet sich eine Kugel aus Emaille, die den Schwerpunkt setzt, so dass die Dose nicht rollt, sondern sich immer wieder auspendelt und zum Stehen kommt

Von Kirsten Wittstruck zeigen wir die Sonnendosen, kleine architektonisch anmutende Gefäßobjekte, die ihren Charakter und ihre Ausstrahlung je nach Lichteinfall verändern. Die zahlreichen – zunächst unauffälligen Facetten auf dem Körper der Gefäße – reflektieren das Licht und lassen intensive Strahlen sichtbar werden. Die Deckelsegmente der Dosen sind konzentrisch und mit Abstand zum Deckelboden montiert, so dass es aussieht, als würden sie sich bewegen oder schweben.

Keramik

 Eine materialgewordene Meditation über die Urform der Dose bringt Saskia Detering in die Ausstellung ein. Die Mehrteiligkeit der Dose - Deckel, Füllkörper, und dazu noch ein Fundament - bietet Anlass zu komplexen Anordnungen. Das ist schon als reine Proportionsstudie sehr reizvoll. Der Übergang von diesem formalen Aspekt zum Symbolcharakter ist im Gestaltungsprozess fließend. Die Urform der Dose ist für Detering die Urne oder der Sarkophag, also Gefäße, die nicht darauf ausgelegt sind häufiger geöffnet zu werden. Ihr „natürlicher“ Zustand ist es verschlossen zu sein. Ihre Dosen sind allerdings durchaus nicht als Bestattungsutensilien gedacht, die Deckel können gelüpft werden. Und dann ….??

Das Titelobjekt auf dem Ausstellungsflyer stammt aus der Werkstatt von Karin Ruske. Es sind Dosen aus Beton. Ihre Gussformen stellt sie mit Hilfe eines von ihr gefertigten Musterstücks selbst her. Auch den Beton mischt sie nach einer eigens von ihr entwickelten Rezeptur. Dabei spielt sie mit unterschiedlichen Beimischungen, etwa mineralischen Farbpigmenten. Das gegossene Betonprodukt härtet je nach Bedarf unterschiedlich lang aus und wird nach dem Ausschalen in Handarbeit geschliffen und poliert. So ist jedes Werkstück ein absolutes Unikat.

In ihrer Werkstatt gestaltet Ulrike Sandner einfache und klar strukturierte Produkte „mit Sinn und für die Sinne“. Sie legt großen Wert auf gut entwickeltes Design, das in seiner Funktion, Funktionalität und in der Materialauswahl dem Nutzer mit seinen Anforderungen und Wünschen entspricht. Darüber hinaus gestaltet sie Produkte, die dem Nutzer zahlreiche sinnesaktivierende Wirkungsmöglichkeiten bieten. Fragen nach Benutzerfreundlichkeit und Alltagserleichterung, nach dem bewussten Leben sowie generationsübergreifendes und ökonomisches Denken spielen für sie als Designerin und Ergotherapeutin eine ebenso große Rolle wie die Freude am Werkstoff Porzellan und seinen vielfältigen Möglichkeiten.

Dosen sind immer ein spannendes Thema. Sowohl formal, technisch und auch in ihrer Funktion. Das steht für Martina Sigmund-Servetti fest. Verschiedene Deckellösungen bieten sich für unterschiedliche Anforderungen an. Ein Deckel kann die Form vervollständigen oder einfach nur aufliegen. Materialkombinationen können ebenfalls spannend sein. Das schönste an einer Dose ist jedoch der spannende Moment in dem man sie öffnet und das Geheimnis lüftet, das sie im Inneren verborgen hält.

Andrea Stopford spielt an der Drehscheibe mit den Formen. Ihre Gefäße sind immer auch Gebrauchsgegenstände des Alltags, trotz der aufwändigen Bemalung, trotz des vielen Goldes, das sie verwendet und das immer mit einem kleinen Augenzwinkern daher kommt. Ihre Dosen sind Einzelstücke, die sich zu Gruppen zusammenfinden können und gute Laune verbreiten wollen. Ihre Gefäße haben vergoldete Füße, Henkel, die sich am Ende zu einer Schnecke aufrollen, Deckel werden nicht von einem schnöden Knopf zum Öffnen geziert: da sitzt auch schon mal ein Hund, ein Fisch auf Beinen, ein kleiner Garten obenauf. Unendliche Variationen, die dennoch ein Ensemble bilden.

Im starken Gegensatz dazu stehen die Porzellandosen von Roswitha Winde-Pauls. Die strenge, reduzierte Form ist charakteristisch für ihre Arbeit. Porzellan bietet ihr dafür eine perfekte und neutrale Basis, auf der sie mit Linien, Strukturen und Kontrasten am besten arbeiten kann. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Kombination mit anderen Materialien. Bei den Dosen, die sie in der Herbstausstellung in Hannover zeigt, sind es weiche, bunte und bewegliche Griffe aus Silikonbändern, die die Strenge des Gefäßkörpers brechen.

Holz

Klaus Kirchner will bei seiner Arbeit die natürliche Schönheit des Holzes herausarbeiten. Er nutzt unverleimtes Holz, gern auch Holz mit Fehlern. Die Grundform entsteht an der Drechselbank. Dann folgt die Oberflächenbearbeitung, die je nach Holzart sehr unterschiedlich ausfallen kann: schleifen, schnitzen, bürsten, colorieren, brennen, strukturieren, ölen und wachsen. Am Ende steht das Dosenunikat, das den Betrachter überraschen und neugierig machen soll.

 Die in Berlin lebende und aus Sibirien stammende Designerin Anastasiya Koshcheeva setzt auf Birkenrinde und fertigt daraus Dosen von höchster Qualität. Die Rinde stammt aus den unendlichen Weiten der Taiga. Koshcheeva lässt die natürliche Schönheit des Materials durch eine klare Formensprache, kontrastreiche Details und spielerische Farbgestaltung zur Geltung kommen. Anders als im traditionellen Handwerk arbeitet sie mit der samtartigen Vorderseite bzw. den Zwischenschichten der Rinde, um die einzigartige grafische Maserung hervorzuheben. Gutes Design, das das Leben verbessert, das ist das Credo von Koshcheeva. Die Vorratsdosen aus Birkenrinde sind antibakteriell, isolierend und feuchtigkeitsabweisend. Lebensmittel, die darin aufbewahrt werden,  halten sich sehr lange frisch.

Papier

Adelheid Siegeroth baut Boxen in den unterschiedlichsten Formaten und Ausführungen. Alle Arbeiten erfüllen Gebrauchszwecke, im Mittelpunkt steht aber die Beschäftigung mit den emotionalen Werten von Materialien und Kulturzeugnissen in Bild, Schrift und Ornament. Zur Gebrauchskunst im Allgemeinen und zum Material Papier im Besonderen kam Adelheid Siegeroth durch den Besuch verschiedener Fachschulen für Gestaltung, eine Ausbildung zur Buchbinderin sowie in ihrer Studienzeit an der Kunstakademie Maastricht.

David Siegeroths Arbeit wurde stark inspiriert von klaren, architektonischen Formen und Farben. Sein Interesse, aus den klassischen Formen der buchbinderischen Erzeugnisse auszubrechen und neue Lösungen zu finden, hat zu den Transportboxen für Schmuck geführt. Die Verpackung ist aber auf viele andere Anwendungsgebiete übertragbar.

Für Sigrid Vollmer ist Papier ein Werkstoff mit einer schier endlosen Fülle von Verarbeitungsmöglichkeiten. In ihrer Werkstatt entstehen Schachteln, Dosen und Schatullen in ungewöhnlichen Formen, mit geheimen Fächern, Schüben und Einsätzen als „Bewahrensort“ für persönliche Schätze. Dieser Schatz kann auch zwischen den Seiten eines Buches stecken und so können die Schatullen auch als Stütze und Umhüllung für ein Buch fungieren. Alle buchbinderischen Arbeiten entstehen in Handarbeit, die Objekte sind mit Unikatpapieren aus der eigenen Werkstatt bezogen.

Termin(e): 19.09.2020 bis 17.10.2020
dienstags  mittwochs  donnerstags  freitags 
von 11:00 bis 18:00 Uhr
19.09.2020 bis 17.10.2020
samstags 
von 11:00 bis 14:00 Uhr
Ort

Handwerksform Hannover

  • Berliner Allee 17
  • 30175 Hannover
Die Veranstaltung findet nicht statt am: 03.10.2020

Ausstellungeröffnung; 18.09., 20–22 Uhr, wenn die Corona-Lage dies erlaubt.

Führungen: 24.09., 08.10., 16:30 –17:30 Uhr, wenn die Corona-Lage dies erlaubt.

Aktuelle Hinweise unter www.handwerksform.de