HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Sigmund Freud (Bruno Ganz) mit Patientin

© Petro Domenigg/TOBIS Film GmbH

Nikolaus Leytner, Österreich/Deutschland 2018, 113 Minuten

mit Simon Morzé, Bruno Ganz, Johannes Krisch, Emma Drogunova, Regina Fritsch, Karoline Eichhorn, Michael Fitz

Anschließend Referat und Diskussion mit Dipl.-Psych. Christa Marahrens-Schuerg und Dr. phil. Sabine Sonntag

Trafikant Otto steht auf Krücken gestützt vor seiner Trafik. Auf Mauer und Scheibe steht "Hier kauft der Jud!" © Petro Domenigg/TOBIS Film GmbH

Trafikant Otto (Johannes Krisch)

Eine „Trafik“ nennt man in Österreich jenen Kiosk mit einem großen „T“ als Logo, wo Zeitungen, Tabakwaren und, zumindest früher, auch Billetts für die Tram verkauft werden. Solch eine Trafik wird in Robert Seethalers Roman (2012) zum Mikrokosmos für das Wien von 1938. Hier, im Zentrum der Ohn-Macht sozusagen, erlebt der 17-jährige Franz Huchel aus dem Salzkammergut, was eine multikulturelle Weltstadt ist, und wie diese innerhalb weniger Wochen zerstört wird. Von seinem Hocker in der Trafik aus sieht er, wie Juden, darunter sein alter Chef Otto, verhöhnt und schließlich „abgeholt“ werden. Der Abholung zuvor kommt sein ungewöhnlicher Freund Professor Sigmund Freud. Der gehört zu den Stammkunden der Trafik und nimmt sich der Nöte des jungen, frisch verliebten Franz an. So wird Freud zum beratenden Begleiter der Initiation des jungen Franz, der sich in ein böhmisches Mädchen mit Zahnlücke verliebt hat. Aber jenes Mädchen wendet sich schnell von Franz ab und lässt sich mit einem Zuhälter und dann mit einem SS-Offizier ein. Freud gibt dem Franz Ratschläge, wird ein bisschen zum Vaterersatz und erhält dafür die besten Zigarren der Welt. Kurz bevor Freud nach England emigriert, darf Franz die berühmte Couch in der Berggasse sehen.

Franz wird nicht nur zum Mann in diesen Wochen, sondern er reift in seiner politischen und ethischen Haltung. Gespiegelt wird sein Entwicklungsprozess an dem der Mutter in der Seen- und Bergwelt, der er jede Woche eine Postkarte schreibt, und die ihn wiederum nabelschnurgleich mit Briefen versorgt. Bei alldem folgt der österreichisch-deutsche Spielfilm von Nikolaus Leytner aus dem Jahre 2018 sehr genau der Romanvorlage von Robert Seethaler. Lediglich die Mutterszenen und zwischengeschaltete Träume von Franz sind frei interpretierende Filmzutat. Das Geschehen spielt sich in einer bewusst künstlich gehaltenen Kulissenwelt ab, die gar nicht erst behauptet, das reale Wien von 1938 zu sein, sondern die in einer Art Bühnendistanz die Ereignisse für den Filmbesucher filtert. Das größte Glück des Films ist zweifellos Bruno Ganz in einer seiner letzten Rollen, dessen Freud aus einer großen Anzahl von über 80 filmischen Freud-Verkörperungen heraussticht und vielleicht die anrührendste überhaupt ist.

Termin(e): 06.01.2020 ab 19:30 Uhr
Ort

Kino im Künstlerhaus Hannover

  • Sophienstraße 2
  • 30159 Hannover
Preise:
7,50 Euro / 5,50 Euro ermäßigt
Schüler, Studenten, Auszubildende, Sozialhilfeempfänger und Schwerbehinderte erhalten bei Vorlage eines entsprechenden Ausweises eine Eintrittskarte zum ermäßigten Preis.
Hannover-Aktiv-Pass-Inhabern gewährt das Koki freien Eintritt.

Kartenreservierung und -vorverkauf:
0511/168-45522
KokiKasse@Hannover-Stadt.de
Montag - Freitag 12.00 bis 18.00 Uhr und an der Abendkasse. Die Kinokasse öffnet jeweils 30 Minuten vor Spielbeginn.