Konzerte

collegium musicum: Kontraste

collegium musicum - Sinfonieorchester der Leibniz Universität Hannover

Das "collegium musicum – Sinfonieorchester der Leibniz Universität Hannover" spielt Schuberts Unvollendete sowie die ungarischen Tänze von Brahms und die slawischen Tänze von Dvořák am 16. Juli im Lichthof des Welfenschlosses.

Das Sinfoniekonzert des collegium musicum Hannover am 16. Juli im Lichthof im Welfenschloss widmet sich ganz dem Thema „Kontraste“. Während Schuberts „Unvollendete“ in tiefer Dunkelheit beginnt, setzen die vielen kurzen Tänze diesem Werk kontrastreich Lichter entgegen. Es entstehen abwechslungsreiche Klangwelten, die das Publikum auf eine musikalische Reise schicken.

Das Konzert ist für das collegium musicum insofern bedeutend, dass es nach 2020 erstmals in voller Besetzung spielt und mit dem neuen Dirigenten Marcus Sundermeyer auftritt.

Franz Schubert

Die 7. Sinfonie in h-Moll komponierte Franz Schubert (1797 – 1828) im Jahr 1822. Nachdem er als Jugendlicher sechs Sinfonien im Stil der Wiener Klassik schrieb, orientierte Schubert sich nun stärker an Beethoven und entwickelte seine eigene, romantische Sinfonie, auf dem Weg zur Sinfonischen Dichtung. Den Namen „Die Unvollendete“ bekam die Sinfonie, da sie nur aus 2 Sätzen besteht. Einen 3. Satz, ein Scherzo, begann Schubert, führte ihn aber nie zu Ende.

Heute ist die Unvollendete die bekannteste Sinfonie Schuberts. Die Themen und Melodien lassen erkennen, dass Schubert ein großer Liedkomponist war, der mit Texten und Melodien ausdeutend arbeitete. Die 7. Sinfonie ist zu Lebzeiten Schuberts nicht aufgeführt worden. Erst 1865 fand ein Freund das Notenmaterial in seinem Nachlass und es kam zur Aufführung, die ein großer Erfolg war.

Johannes Brahms

Johannes Brahms war erst zwanzig Jahre alt, als er in seinem Geburtsort Hamburg dem ungarischen Geiger Eduard Reményi begegnete. Dieser war wegen Beteiligung am ungarischen Aufstand 1848/49 während der blutig niedergeschlagenen Revolution nach Amerika emigriert und eben erst nach Europa zurückgekehrt, wo er den drei Jahre jüngeren Johannes bei einem Benefizkonzert kennen lernte. In Hamburg hörte er den jungen Johannes spielen und  freundete sich mit ihm an. Zusammen unternahmen sie eine improvisierte Tournee, die zuerst nach Hannover führte.

Auf dem Programm standen unter anderem „ungarische Lieder“, die Reményi mitgebracht hatte. Brahms war begeistert von der schwungvollen Musik und dem feurigen Spiel seines Partners. Ungarische Volksmusik hat Brahms von früh an gefesselt und viele seiner Kompositionen beeinflusst. Seine ungarischen Tänze Nr. 1 bis 21 schrieb er in den Jahren 1858 bis 1869 für Klavier zu vier Händen.

Die meisten Tänze, besonders die Nummern 1 bis 10, wurden im 19. Jahrhundert wegen ihrer Beliebtheit von verschiedenen Bearbeitern, z. B. auch von Dvorak, orchestriert. Bei den Tänzen 4, 5 und 6 handelt es sich nicht um Brahms‘ originale Gedanken, sondern um Bearbeitungen ungarischer Melodien, die er durch Reményi kennengelernt hatte. Das Hauptthema im Ungarischen Tanz Nr.5 stammt von dem ungarischen Komponisten Béla Kéler.

Im Zuge des erwachsenen Nationalismus wuchs der Einfluss von Volksmusik in Orchesterwerken. Die Tänze machten Brahms in den Kreisen des gebildeten Bürgertums bekannt, denen der Name Brahms bis 1869 nicht geläufig war. So verhalfen die Ungarischen Tänze auch den übrigen Werken und damit dem Komponisten Brahms zum Durchbruch. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die mitreißende Musik auch in Kinofilmen und Serien eingesetzt, so zum Beispiel in Charlie Chaplins „Der große Diktator“ und in „Bugs Bunny“.

Antonín Dvořák

Es waren ausgerechnet zwei Deutsche, die 1877 dem Tschechen Dvorak zum Durchbruch verhalfen: Johannes Brahms und sein Verleger Fritz Simrock. Brahms bewunderte seinen acht Jahre jüngeren Kollegen. Es verschaffte Dvorak ein jährliches Stipendium und empfahl ihn bei seinem Verleger in Berlin mit den Worten: “Dvorak hat schon alles Mögliche geschrieben, Opern, Sinfonien, Quartette, Klaviersachen. Jedenfalls ist er ein talentvoller Mensch. Nebenbei arm! Ich bitte, das zu bedenken!“ Allerdings bezahlte Simrock erst für die Orchesterfassung der ursprünglich für Klavier zu vier Händen geschriebenen Slawischen Tänze ein Honorar von 300 Mark, Dvoraks erstes Komponistenhonorar überhaupt. Im Verlagsprogramm von Simrock hatte zuerst Brahms mit seinen Ungarischen Tänzen der wachsenden Vorliebe für die Musik der Völker Osteuropas Vorschub geleistet.

Dvorak schrieb, anders als Brahms, die Melodien zu seinen Slawischen Tänzen selbst. Während Dvorak in Opus 46 ausschließlich Tanzformen aus seiner böhmischen Heimat verwendete, war Opus 72 wirklich eine Folge von slawischen Tänzen verschiedener Völker. Die Rhythmen stammen aus der Slowakei, aus Polen, der Ukraine, Serbien und Tschechien.

Opus 46 Nr.1 ist ein Furiant, ein feuriger böhmischer Volkstanz mit charakteristischem Taktwechsel ähnlich dem bayrischen Zwiefachen. Nr. 8, auch ein Furiant, ist der meistgespielte der Slawischen Tänze. Opus 78 No.2 ist eine ukrainische Dumka, ein lyrisches Volkslied elegischen Charakters aus der Ukraine, besonders der ukrainischen Kosaken.

collegium musicum - Sinfonieorchester der Leibniz Universität Hannover

Das collegium musicum Hannover ist das Sinfonieorchester der Leibniz Universität. Die etwa 80 Mitglieder sind Studierende, Dozenten, Mitarbeitende und ehemalige Angehörige der Leibniz Universität Hannover, sowie anderer Hochschulen oder interessierte Amateur-Musiker. Sönke Grohmann hat seit April 2014 die Leitung inne

Programm

Franz Schubert
Sinfonie in h-Moll: ‚Die Unvollendete‘

Johannes Brahms
Ungarische Tänze Nr. 4, 5 und 6.

Antonín Dvořák
Slawische Tänze: op. 46 Nr. 1 und 8, op. 72 Nr. 2

Interpreten

collegium musicum – Sinfonieorchester der Leibniz Universität Hannover
Marcus Sundermeyer, Musikalische Leitung

Termine

16.07.2022 ab 19:00 Uhr

Ort

Welfenschloss
Welfengarten 1
30167 Hannover