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Wissenschaft & Wirtschaft

Reiselust und Bücherschau

Die Hannoversche Hofsbibliothek ist Thema dieser neuen Vortragsreihe in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.

Alte Stadtansicht, Druck in einem Buch © GWLB

Reiselust Hannover

Als Zentrum des barocken welfischen Kosmos’ war Hannover immer wieder Ziel von Reisen und die "Königliche und Churfürstlich Öffentliche Bibliothek" – Wirkungsstätte von Gottfried Wilhelm Leibniz – war sozusagen ein Hotspot des Sightseeings. In der Bibliothek wurde gesammelt und gezeigt, was dem herrschenden Haus "zur Zierde und zum Ruhm" gereichte. Überlieferte Reiseberichte und -journale des 18. und 19. Jahrhunderts gewähren private, oft komische, bisweilen poetische, immer aber kritisch zu bewertende Einblicke in einen Raum der Repräsentanz und Sammlungspraxis, der heute so nicht mehr existiert. Die Reisenden beschreiben berühmte Kostbarkeiten, aber auch die Bibliothekstechnik und die Hofbeamten. Alle Berichte zeugen von einer aufklärerischen Kultur des Wissenschaftsinteresses und einer barocken Bücherlust.

Drei Kapitel

Die Vorträge von Matthias Wehry, Leiter der Abteilung Handschriften und Alte Drucke, ergänzt durch Lesungen aus den Quellen von Ines Schindler, Mitarbeiterin im Veranstaltungsmanagement, setzen sich in drei Kapiteln – die Reisenden, das Personal und der Bestand – mit überlieferten Reise- und Bibliotheksberichten diskursiv auseinander. Zudem werden aus dem Kontext der Bibliotheksreisen herausragende Stücke des historischen Bestandes präsentiert.

18. Februar: "… wo ich aber, wegen großer Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen und Mattigkeit, wenig anmerken können …"– die Reisenden, der Bibliotheksbesuch, die Kontexte
Ebenso vielfältig wie die Büchersammlung der hannoverschen Hofbibliothek waren ihre Besucher: Adelige, Herrscher, Diplomaten, Gelehrte aus dem In- und Ausland, junge Männer auf Grand Tour und Zufallsreisende betraten die Bibliothek und ließen sich die Kostbarkeiten zeigen. In ihren Berichten geben sie Einblicke in ihren Bibliotheksbesuch, aber auch in ihre Reiseprogramme und -routen. Der Besuch der Hofbibliothek stand zumeist in einer Reihe mit Besichtigungen anderer hannoverscher Einrichtungen, wie dem Garten von Herrenhausen, der Schlosskirche oder dem Hofmarstall. Der Vortrag, ergänzt durch Lesungen aus den historischen Quellen, untersucht die Motivation der Reisenden, ihre sozialen Hintergründe und Anliegen sowie ihre Lektüren zum Verständnis der Sammlung. Er zeichnet die Reisewege und die Ziele in Hannover nach und sichtet so die Kontexte der in den Reiseberichten niedergeschriebenen Bibliotheksbesuche.

19. März: "… ein nicht gar alter, corpulenter, aber überaus höfflicher und wohlbelebter Man …" – das Personal, der Raum, die Sammlungspraxis
Ein Zettelkatalog, Metallschilder am Buchrücken, vergitterte Schränke – die hannoversche Hofbibliothek des 18. und 19. Jahrhunderts wurde in vielen Reiseberichten detailliert in ihrem Gebäude, ihrer Ausstattung und ihrer Sammlungspraxis beschrieben. Neben Berichten über die diensthabenden Bibliothekare umfassen diese Quellen Erläuterungen zu den Katalogen der Bibliothek, dem Raumkonzept und dem Mobiliar. Dabei wurde bisweilen auch etwas berichtet, was einer kritischen Prüfung nicht standhält. Der Vortrag untersucht die Aussagen über das Personal und die Sammlungspraxis der Bibliothek. Die Bibliothekare waren Wissenschaftler und Nutzer, Historiografen und Fremdenführer zugleich. Außerdem werden die Relikte der bibliothekarischen Einrichtung, wie sie, verfärbt durch die Sichtweisen der Reisenden und Berichtenden, dargestellt werden, thematisiert – wiederum ergänzt durch Lesungen aus den historischen Quellen.

23. April: "… manche Reliquie seiner Handschriften …" – die Repräsentation, die Geschichte, das Objekt
Ein Besuch der hannoverschen Hofbibliothek galt als Sightseeing der Buchgeschichte: Kostbare Handschriften, Drucke und Objekte wurden dem Besucher gezeigt, zur Ehre des regierenden Hauses und zum Vergleich mit anderen höfischen Sammlungen. Die Hofbibliothek war ein Ort der Repräsentation für Auswärtige: Insbesondere während der Abwesenheit des Staatsoberhauptes zu Zeiten der Personalunion erfüllte sie in ihren mit der welfischen Geschichte verbundenen Einzelobjekten und Beständen schon früh die Funktion, den Ruhm des Welfenhauses abzubilden. Zugleich zeugen die Reiseberichte von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Wissenschaftsgeschichte der Hofbibliothek, mit Leibniz, der in materiellen Zeugnissen erfahrbar wurde, und mit Kuriositäten und Devotionalien. Der letzte Vortrag der Reihe folgt den Spuren der Bücher in den Reisejournalen der Vergangenheit.

Termin(e): 18.02.2020 ab 17:00 Uhr
19.03.2020 ab 17:00 Uhr
23.04.2020 ab 17:00 Uhr
Ort

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

  • Waterloostraße 8
  • 30169 Hannover

Eintritt frei