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MHH

"Bedeutung von Kunstherz-OPs steigt"

An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben Chirurgen einem 18-jährigen Patienten das deutschlandweit 1000. Kunstherz des Typs "Heartmate II" implantiert.

Zwei Männer in weißen Kitteln mit einem jungen Mann, der ein Gerät trägt © MHH/Kaiser

Jan-Lukas H. hat in der MHH ein Kunstherz erhalten – hier ist er mit seinen Ärzten Dr. Jan Schmitto (links) und Professor Dr. Axel Haverich (rechts) zu sehen.

Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Herzunterstützungssystem – laut MHH kommt es besonders häufig bei einer Schwächung der linken Herzkammer zum Einsatz. "Heartmate II" wird dann neben dem natürlichen Herz des Patienten implantiert und befördert bis zu zehn Liter Blut pro Minute.

Steuerelektronik außerhalb des Körpers

Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien, die der Patient außerhalb des Körpers in einem Gürtel trägt. "Patienten, die unter schwerer Herzinsuffizienz leiden, fühlen sich mit einem Kunstherz wieder leistungsfähiger und haben eine deutlich höhere Lebensqualität", sagt Dr. Murat Avsar, Oberarzt und Bereichsleiter Herzunterstützungssysteme und Herztransplantation in der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.

Herz hatte Leistung von nur noch 13 Prozent

Jan-Lukas H. aus Papenburg ist  laut MHH der 1000. Patient in Deutschland, dem ein "Heartmate II" implantiert wurde. Seine Herzschwäche machte sich durch Fieber und eine hartnäckige Bronchitis bemerkbar. "Ich hatte Husten, und bei größeren Anstrengungen blieb mir die Luft weg", berichtet der 18-jährige Tiefbaufacharbeiter. Nach längerer erfolgloser Behandlung bei seinem Hausarzt stellten Ärzte in einem Papenburger Krankenhaus schließlich einen Wasserstau in der Lunge, Leberversagen und eine gravierende Herzschwäche fest. Jan-Lukas H.s Herz hatte eine Leistung von nur noch 13 Prozent.

Kunstherz-OP im Januar

Kurz nach Weihnachten wurde der 18-Jährige in die MHH eingeliefert. Am 4. Januar dieses Jahres bekam er ein Kunstherz und knapp zwei Wochen später zusätzlich einen Defibrillator – als Back-up für den Notfall. Danach folgte ein Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Inzwischen ist Jan-Lukas H. wieder zu Hause. "Ich fühle mich noch etwas schwach, aber insgesamt natürlich viel besser als vor der OP", sagt er.

"Herzunterstützungssysteme gewinnen an Bedeutung"

"Vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland viel zu wenig Spenderherzen gibt, gewinnen Herzunterstützungssysteme an Bedeutung", sagt Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie. "Mit dem Einsatz von Kunstherzen können wir in vielen Fällen verhindern, dass Patienten auf der Warteliste sterben."

Zu wenig Spenderherzen

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr insgesamt 345 Herzen transplantiert. Der tatsächliche Bedarf liegt laut MHH aber sehr viel höher. Allein auf der Warteliste der Hochschule waren 2012 mehr als 60 Patienten registriert, aber für nur etwa 20 stand ein Spenderherz zur Verfügung. Im Vergleich dazu implantierten die Herzchirurgen der MHH 2012 insgesamt 80 Kunstherzen.

Ursprünglich für kurze Zeitspannen gedacht

Ursprünglich zur Überbrückung einer kurzen Zeitspanne gedacht, haben sich Kunstherzen laut MHH inzwischen auch in der Dauertherapie bewährt. "Es gibt viele Menschen, die schon sehr lange mit einem Kunstherzen leben", sagt Privatdozent Dr. Jan Schmitto, Oberarzt und Bereichsleiter Herzunterstützungssysteme und Herztransplantation an der MHH-Klinik. Der Chirurg hat mit seinen Kollegen eine eigene minimalinvasive Implantationstechnik für Kunstherzen entwickelt. Er geht davon aus, dass die Implantationszahlen von Kunstherzen in Zukunft noch steigen und sich Lebensqualität und -dauer von Patienten mit Kunstherz weiter verbessern werden.