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Medizinische Hochschule

Forschungspreise verliehen

Die Förderstiftung MHH plus hat zwei Spitzenforscher der Krebsmedizin mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille und dem Zimmermann-Forschungspreis ausgezeichnet.

Meilensteine im Kampf gegen den Krebs: Den diesjährige Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis hat Professor Dr. Jan-Henning Klusmann, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie I, Universitätsklinikum Halle (Saale), erhalten. Die Johann-Georg-Zimmermann-Medaille ist Professor Dr. Peter Michael Schlag, Gründungsdirektor des Charité Comprehensive Cancer Centers, verliehen worden. Beide Preise gehören zu den höchsten Auszeichnungen für Verdienste in der Krebsforschung in Deutschland. „In diesem Jahr konnten wir wieder herausragende Persönlichkeiten der Krebsforschung geehrt“, betonte Professor Dr. Michael P. Manns, Präsident der MHH und Vorsitzender des Johann-Georg-Zimmermann-Kuratoriums. "Die diesjährige Wahl ermöglicht es auch, die Bedeutung und die großen Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung von Tumorerkrankungen in den Gebieten Kinderonkologie und Viszeralchirurgie hervorzuheben."

Preisverleihung am 27. Januar

Die Preise wurden am 27. Januar in Hannover von Professor Manns und Andreas Rehfus, Vorstand der Deutschen Hypothekenbank, überreicht. Die Deutschen Hypothekenbank (Actien-Gesellschaft) hat die Preise gestiftet, verliehen wurden sie von der Förderstiftung MHH plus.

Wegbereiter der multimodalen Therapie von soliden Tumorerkrankungen

Mit der Johann-Georg-Zimmermann-Medaille 2019 / 2020 ist Professor Dr. Peter Michael Schlag ausgezeichnet worden. Professor Schlag war bis 2013 Lehrstuhlinhaber für Chirurgische Onkologie (Tumorchirurgie) an der Charité in Berlin und Gründungsdirektor des Charité Comprehensive Cancer Centers. Er ist einer der Wegbereiter der multimodalen Therapie von soliden Tumorerkrankungen und hat als einer der ersten Chirurgen diese heute selbstverständlichen Therapiemöglichkeiten in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Außerdem war er Initiator und Vorsitzender der Sektion für Minimalinvasive, Computer- und Telematik-assistierte Chirurgie (CTAC) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und förderte als ausgewiesener Krebschirurg und -forscher seit Jahren die computerassistierte Chirurgie. Professor Schlag wurde unter anderem mit dem Deutschen Krebspreis, dem Wilhelm-Warner-Preis für Krebsforschung und dem Felix Burda- Award geehrt.

Herausragender wissenschaftlichen Werdegang

Der mit 10.000 Euro dotierte Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis 2019/2020 – gerichtet an junge Krebsforscherinnen und Krebsforscher für ihre aktuelle wissenschaftliche Arbeit – ging in diesem Jahr an Professor Dr. Jan-Henning Klusmann, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie I, Universitätsklinikum Halle (Saale). Der gebürtige Göttinger beeindruckte das Kuratorium durch seinen herausragenden wissenschaftlichen Werdegang und seine exzellenten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der molekularen Mechanismen bei der Entstehung von Leukämien insbesondere zur Entwicklung und Behandlung von Leukämien bei Kindern mit Down-Syndrom. Professor Klusmann konnte zahlreiche wissenschaftliche Projekte initiieren, die eine hochkarätige Förderung erhalten haben – unter anderem durch den Europäischen Forschungsrat (ERC – European Research Council) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) innerhalb der Emmy Noether- und Heisenberg-Programme.

Pionier in Forschung und Therapie – Professor Dr. Peter Michael Schlag

Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie – das war noch vor 20 Jahren der Dreiklang der Behandlungsmodalitäten in der Krebstherapie. Heute sind beispielsweise mit zielgerichteten Medikamenten und Immuntherapien weitere Behandlungsmodalitäten dazugekommen. Professor Dr. Peter M. Schlag war als onkologisch spezialisierter Chirurg in Deutschland einer der Wegbereiter dieser multimodalen Therapien von soliden Tumorerkrankungen.

Neues Gen identifiziert

Mit seiner Arbeitsgruppe am Max Delbrück Centrum in Berlin Buch konnte der Chirurg ein neues Gen identifizieren (MACC 1), das bei Darmkrebs das Tumorwachstum und die Metastasenbildung fördert. Ist die Aktivität dieses Gens niedrig, haben Patienten mit Darmkrebs eine günstigere Prognose. Darauf aufbauend haben die Forscher einen Bluttest entwickelt, mit dem die Wahrscheinlichkeit, ob ein Tumor zur Metastasenbildung neigt, beurteilt werden kann. Die Forscher konnten zudem zeigen, dass auch bei anderen Krebsarten ein Zusammenhang zwischen der Aktivität des MACC1‐Gens und der Lebenserwartung eines Patienten besteht.

Klinische Methode der Wächterlymphknoten‐Diagnostik bei Tumoren im Magen‐Darm‐Trakt

Außerdem hat Professor Schlag die klinische Methode der Wächterlymphknoten‐Diagnostik bei Tumoren im Magen‐Darm‐Trakt weiterentwickelt. Voraussetzung hierzu bildeten seine Untersuchungen unterschiedlicher Markierungsverfahren zur Tumorvisualisierung. Die exakte Identifikation des Wächterlymphknotens („Sentinel Lymph Node“, SLN) ist wichtig, da zu diesem Lymphknoten die Lymphe aus einem Tumorgebiet primär abfließt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist er damit auch der erste Lymphknoten, in dem sich Tumorzellen ansiedeln. Durch eine gezielte und intensivierte feingewebliche Untersuchung dieses Lymphknotens kann eine bereits vorhandene Metastasierung sicherer erkannt und damit eine hierauf abgestimmte individuelle Behandlung erfolgen.

Pionier computergestützter Operationen in der Onkologie

Weltweit war Professor Schlag einer der ersten Viszeralchirurgen, der die 3D‐Visualisierung von Tumoren auf der Basis bildgebender Diagnostik zur OP‐Planung und Instrumenten‐ Navigation bei der chirurgischen Entfernung von Lebermetastasen entwickelt und erfolgreich eingesetzt hat. Professor Schlag erkannte früh die Bedeutung computergestützter Operationen in der Onkologie, er gründete die Sektion "Computer‐ und Telematik‐assistierte Chirurgie" in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und gab das erste deutschsprachige Lehrbuch zu dieser Thematik heraus.

Leukämien im Fokus – Professor Dr. Jan-Henning Klusmann

Seit seiner Studienzeit beschäftigt sich Jan-Henning Klusmann intensiv mit dem Thema Leukämien. Heute gehören akute lymphatische und myeloische Leukämien sowie Knochenmarkstransplantationen zu seinen beruflichen Schwerpunkten. Der Kinderonkologe forscht zu den unterschiedlichsten Formen der Leukämie, insbesondere bei Säuglingen und bei Kindern mit Trisomie 21. Damals wie heute wolle er verstehen, wie der menschliche Körper funktioniert und Krankheiten entstehen. „Durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse wollen wir die Therapiekonzepte für die Kinder und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung verbessern“. Dabei geht es auch darum, die Langzeitfolgen der Therapien – wie Bestrahlung und Chemotherapie – zu minimieren. Neben der Reduzierung der Folgen von intensiven Krebstherapien steht die Etablierung von Prognosefaktoren im Fokus, um die Therapien zielgenauer und schonender durchführen zu können. „Dabei wollen wir die Therapie nicht an der Erkrankung, sondern am Individuum ausrichten“, sagt der Kinderonkologe. Dazu gehört auch die genetische Diagnostik.

Ehemaliger Oberarzt an der MHH

Der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin war bis Ende 2017 Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und hat das dortige Diagnostiklabor geleitet. Jan-Henning Klusmann hat von 2000 bis 2007 in Lübeck als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes Humanmedizin studiert und mit Bestnote abgeschlossen. Seit 2014 ist er Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Die Grundlage seiner Promotion mit dem Thema "Myeloische Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom: Molekulare Grundlagen der Onkogenese" bildeten Arbeiten, die er am Children’s Hospital Boston, einem Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School, durchführte. 

(Veröffentlicht am 28. Januar 2020)