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Zusammenarbeit

Internetkriminalität gemeinsam bekämpfen

Die Leibniz Universität und die Polizeidirektion Hannover wollen ihre bestehende Zusammenarbeit intensivieren und haben dazu eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die Forschung und polizeiliche Ermittlungen zu digitalen Spuren noch stärker verzahnen soll.

Digitale Spuren gewinnen in der polizeilichen Arbeit immer mehr an Bedeutung. Allein im vergangenen Jahr registrierte die Polizeidirektion Hannover fast 4.300 Straftaten im Internet. Solche auch als Cybercrime bekannten Taten sind inzwischen in vielen Bereichen sichtbar, da nicht mehr nur große Firmen, sondern auch diverse mittelständische Unternehmen und öffentliche Verwaltungen zum Ziel von Cyberangriffen werden. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung ist jeder Mensch und jede Firma potentiell von Cyberattacken betroffen und kann Opfer einer Straftat werden.

Strategische Neuaufstellung bei Cyberkriminalität

Die Aufklärung der Taten stellt die Polizei vor eine Herausforderung. Denn Polizeibeamte sind per se keine IT-Experten. Um die Sachverhalte zu erfassen, rechtlich und technisch korrekt einzuordnen und alle verfahrensrelevanten, digitalen Spuren zu erkennen und zu sichern, muss sich die Polizei stets weiterentwickeln. So hat sich die Polizeidirektion mit Blick auf Cyberkriminalität bereits seit längerem strategisch neu aufgestellt. Eine Spezialdienststelle wurde eingerichtet, den Ermittlungsteams Aus- und Fortbildungen angeboten sowie in innovative Technik investiert, um die Ermittlungseinheit im Zentralen Kriminaldienst mit dem nötigen Werkzeug auszustatten. Zudem wurden im Rahmen von konkreten Projekten bereits im Jahr 2016 erste Kontakte zur Gottfried Wilhelm Leibniz Universität geknüpft und als gezielte taktische Maßnahme externe IT-Experten gewonnen, die die Polizei in ihren Ermittlungen unterstützen.

Zusammenarbeit von externen IT-Fachleuten und Ermittlern intensivieren

Dank der Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität und der Polizeidirektion soll die Zusammenarbeit von externen IT-Fachleuten und Ermittlern künftig intensiviert werden. In der Vergangenheit konnte Kriminaloberrat Alexander Fuhl, der unter anderem den Kriminalitätsbereich "Cybercrime" leitet, bereits mehrfach Studierendengruppen für eigene Softwareprojekte begeistern und Forschungsaufgaben vergeben. Die Ergebnisse dieser Projekte mündeten in die erfolgreiche Programmierung von Softwaretools, die nicht nur durch die Polizeidirektion Hannover, sondern teilweise auch über ihre Grenzen hinaus bekannt geworden sind. Europol stellt eine dieser neu entwickelten Anwendungen bereits heute den Polizeibehörden der Mitgliedsstaaten zur Verfügung.

Software zur lückenlosen Sicherung von strafrechtlich relevanten Webseiten

Es handelt sich um eine Software zur lückenlosen Sicherung von Webseiten, die strafrechtlich relevant sein können, um diese dann rechtssicher in das polizeiliche Ermittlungsverfahren einzubringen. Hierbei entwickelten die Studierenden seinerzeit ein funktionierendes Tool, welches als Grundlage zur Weiterentwicklung durch einen IT-Experten des Zentralen Kriminaldienstes diente. So konnte gemeinsam ein auf die polizeilichen Besonderheiten ausgerichtetes Werkzeug für die Polizeibehörden Deutschlands und der europäischen Mitgliedsstaaten entwickelt werden. Dieses und die anderen Softwaretools unterstützen die Polizei darüber hinaus bei einer Personenrecherche im Internet und bei einer E-Mail-Postfachanalyse. Die strukturierte Aufarbeitung von Massendaten steht bei jeder Anwendung im Vordergrund, denn bei den polizeilichen Ermittlungen müssen immer häufiger verschiedene Datenträger und Datenverarbeitungsgeräte sichergestellt und ausgewertet werden.

Beide Seiten profitieren

Für die Studierenden, die die Software entwickelt haben, gibt es für ihre Arbeit Leistungspunkte, die sie für den erfolgreichen Abschluss ihres Semesters benötigen. Zudem besteht für sie die Möglichkeit, Hospitationen in der Polizeibehörde zu absolvieren. Somit profitieren beide Seiten von der engen Zusammenarbeit: Für die Polizei ist dabei wichtig zu wissen, wo digitale Spuren entstehen, wie sie nutzbar und sichtbar gemacht werden können und welchen Aussagewert diese für das Ermittlungsverfahren haben. Zudem kann die Polizei durch die enge Vernetzung mit der rasanten Entwicklung im Bereich der IT-Forensik mithalten. Auf der anderen Seite sind für die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität die Einblicke in die Polizeiarbeit für die Forschung sehr interessant, da der dort vorhandene praktische Erfahrungsschatz vielfältig und immens ist. Hier können theoretische Erkenntnisse in praktischen Fällen zur Anwendung kommen.

Erkenntnisse teilen

Beide Kooperationspartner agieren hierbei auch weiterhin in ihren eigenen Strukturen und verfolgen ihre eigenen Ziele, lassen aber den jeweils anderen Partner an neuen Erkenntnissen teilhaben, um sich weiterzuentwickeln und den Blickwinkel zu erweitern. Polizeipräsident Volker Kluwe zeigt sich erfreut darüber, dass die bisherige projektorientierte erfolgreiche Zusammenarbeit der Kooperationspartner nunmehr in einer schriftlichen Vereinbarung gemündet ist. Der gegenseitige Informationsaustausch und Wissenstransfer sei im Kontext der "Digitalen Spuren" von beiden Vereinbarungspartnern als effektiv und zielführend erlebt worden und bedürfe einer weiterführenden und intensiveren Fortsetzung.

(Veröffentlicht: 24. Juni 2020)