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Wissenschaftspreis

Prof. Danzmann ausgezeichnet

Der Wissenschaftler der Leibniz Universität Hannover wird für die Entwicklung neuer Messtechnologien für die Gravitationswellen-Detektoren mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2017 ausgezeichnet. Mit den Detektoren wurden 2015 in den USA zum ersten Mal Gravitationswellen direkt nachgewiesen.

Kopf eines Mannes © Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Prof. Dr. Karsten Danzmann, Direktor der Abteilung Laserinterferometrie und Gravitationswellen-Astronomie am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Hannover und Direktor am Institut für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover

Prof. Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut; AEI) in Hannover und Direktor des Instituts für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover, erhält den mit 750.000 € dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft. Die Körber-Stiftung zeichnet damit jährlich herausragende in Europa tätige Wissenschaftler für deren zukunftsträchtige Forschungsarbeiten aus. Mit dem Körber-Preis 2017 würdigt die Stiftung Danzmanns zentrale Rolle bei der Entwicklung der Technologien, mit denen die Advanced-LIGO-Detektoren in den USA im September 2015 erstmals direkt Gravitationswellen nachweisen konnten. Damit wurde eine 100 Jahre alte Vorhersage Albert Einsteins bestätigt und ein neues Zeitalter der Astronomie eingeläutet.

Preisverleihung am 7. September

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2017 wird am 7. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.

Direkter Nachweis von Gravitationswellen ermöglicht

"Karsten Danzmann hat eine neue Tür zum Verständnis des Universums aufgestoßen. Mit den von ihm entwickelten Schlüsseltechnologien, so das einhellige Urteil der Gremien des Körber-Preises, wurde der direkte Nachweis von Gravitationswellen überhaupt erst möglich. Damit verbinden sich nicht nur ungeahnte Möglichkeiten für die Grundlagenforschung in der Astrophysik, sondern auch die direkte Anwendung beispielsweise in Geovermessungssatelliten und in der Datenkommunikation", so Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft bei der Körber-Stiftung. "Karsten Danzmann und sein Team stellen eindrücklich unter Beweis, zu welchen weltweiten Spitzenleistungen der Forschungsraum Europa imstande ist."

Preisgeld fließt in die Weiterentwicklung der Gravitationswellen-Detektoren

"Ich freue mich sehr über diese große Auszeichnung und die Anerkennung meiner Leistung", so Danzmann. "Das Preisgeld fließt in die Weiterentwicklung der Gravitationswellen-Detektoren und kommt so der weltweiten Forschungscommunity zugute."

Technologieschmiede GEO600

In der GEO-Kollaboration, einem Team von Forschenden der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz Universität und aus Großbritannien betreibt Danzmann seit Mitte der 1990er Jahre den Gravitationswellen-Detektor GEO600 südlich von Hannover. GEO600 ist ein Entwicklungszentrum für neuartige und fortschrittliche Technologien in der internationalen Gravitationswellenforscher-Gemeinschaft.

Menschen mit Schutzbrillen mit technischen Großgeräten. © B. Knispel/AEI

Besuch im Herz des Gravitationswellendetektors beim Tag der offenen Tür am 11. Juli 2015.

Viele Schlüsseltechnologien, die die nie zuvor erreichte Empfindlichkeit der LIGO-Observatorien und die bahnbrechenden Entdeckungen ermöglichen, wurden bei GEO600 entwickelt und getestet. AEI-Forschende zusammen mit dem Laser Zentrum Hannover e.V. entwickelten, bauten und installierten die Hochleistungslaser im Herzen der LIGO-Instrumente. Entscheidende Verbesserungen im optischen Messprinzip wie Leistungs- und Signalüberhöhung wurden zuerst bei GEO600 in einem großen Gravitationswellen-Detektor demonstriert.

Quantenmechanische Tricks für die Zukunft der Gravitationswellen-Astronomie

GEO600 ist darüber hinaus derzeit der einzige Gravitationswellen-Detektor weltweit, der sogenanntes Quetschlicht einsetzt, um fundamentales Quantenrauschen zu unterdrücken und die Empfindlichkeit bei hohen Frequenzen zu verbessern. Zukünftig werden alle Gravitationswellen-Detektoren auf der Erde solche Quetschlichtquellen wie die von GEO600 verwenden, um ihre Empfindlichkeit weiter zu steigern.

Mit den Mitteln des Körber-Preises will Danzmann die Messtechnik für die dritte Generation der Gravitationswellen-Detektoren weiter verfeinern. Zum Einsatz kommen dabei quantenmechanisch verschränkte Photonen mittels derer sich das Quantenrauschen noch besser kontrollieren lassen wird.

Mit LISA Gravitationswellen im Weltall aufspüren

Danzmann forscht außerdem seit den frühen 1990er Jahren in führender Rolle an einem geplanten Gravitationswellen-Detektor, der 2034 unter dem Namen LISA (Laser Interferometer Space Antenna) als Mission der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA ins All starten wird. Drei Satelliten spannen dann ein gleichseitiges Dreieck aus Laser-Messarmen mit 2,5 Millionen Kilometer Länge auf und werden niederfrequente Gravitationswellen messen, die sich auf der Erde niemals nachweisen lassen werden. Dass die notwendige Technologie für LISA funktioniert, hat Danzmann in einem internationalen Team mit der überaus erfolgreichen Satellitenmission LISA Pathfinder im Jahr 2016 bewiesen.

Auszeichnungen für Spitzenwissenschaftler

Karsten Danzmann wurde für seine Verdienste bereits mit dem Wissenschaftspreis der Fritz Behrens Stiftung 2016 und dem Wissenschaftspreis Niedersachsen 2016 ausgezeichnet. Zusammen mit Bruce Allen, Direktor am AEI Hannover, und Alessandra Buonanno, Direktorin am AEI Potsdam-Golm, erhielt er den Niedersächsischen Staatspreis 2016. Gemeinsam mit der LIGO Scientific Collaboration wurde er mit dem Special Breakthrough Prize in Fundamental Physics und dem Gruber Cosmology Prize ausgezeichnet.

Körber-Preis

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zeichnet jährlich herausragende in Europa tätige einzelne Wissenschaftler für deren zukunftsträchtige Forschungsarbeiten aus. Mit dem Preisgeld in Höhe von 750.000 € fördert die Körber-Stiftung Forschungsarbeiten in den Life und Physical Sciences. Mit Spitzenwissenschaftlern aus ganz Europa besetzte Auswahlgremien suchen nach geeigneten Preisträgerkandidaten, die sie dem Kuratorium zur Entscheidung vorlegen. Eine Bewerbung ist nicht möglich. Prämiert werden exzellente und innovative Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotenzial auf dem Weg zur Weltgeltung. Nach der Auszeichnung mit dem Körber-Preis erhielten bereits sechs Preisträger den Nobelpreis.

(Veröffentlicht: 31. Mai 2017)