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Lesungen & Vorträge

Die Vollstreckung der Todesstrafe im Wandel

Im dritten Vortrag der neuen Reihe "Verbrechen und Strafe im Königreich Hannover" widmen sich Dr. Anne-Katrin Henkel und Dr. Gerd van den Heuvel am 19. März in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek der Vollstreckung der Todesstrafe: von der Freilichtbühne zum Kammerschauspiel.

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Staaten des Deutschen Bundes wurde im Königreich Hannover die Todesstrafe bis 1859 immer noch in einer penibel choreographierten, religiös umrahmten öffentlichen Hinrichtung auf freiem Feld durch den Scharfrichter mit dem Schwert, anfangs auch durch Strick und Rad vollzogen. Der Übergang zu der mechanisierten Form der Strafvollstreckung durch die Guillotine im abgeschlossenen Gefängnisbereich markiert den späten Bruch mit einer frühneuzeitlichen, im 19. Jahrhundert anachronistisch anmutenden Justizpraxis, welche die Behörden zunehmend vor Probleme gestellt, bis zuletzt aber tausende von Zuschauern angezogen hatte. Der vorerst letzte Vortrag der Reihe  beschreibt vor allem auf Basis der Justizakten, der Hinrichtungsprotokolle und von Augenzeugenberichten die Praxis der Exekutionen und das Bündel von Faktoren, das zwar nicht zur Abschaffung der Todesstrafe, wohl aber 1860 zur Beendigung eines Staat und Bürgertum gleichermaßen "peinlich" gewordenen "Theater des Schreckens" nach den Vorgaben der "Peinlichen Halsgerichtsordnung" von 1532 führte. 

Über die Vortragsreihe und die Vortragenden

Rad, Schwert und Galgen – so lauteten auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Königreich Hannover (1814-1866) die meisten Urteile bei Mord, Totschlag, Brandstiftung oder wiederholtem Diebstahl. Die anachronistische "Peinliche Halsgerichtsordnung" Kaiser Karls V. von 1532 bildete noch immer die Grundlage des Strafrechts. Und auch das neue, nach langer Verzögerung 1840 in Kraft getretene "Criminalgesetzbuch für das Königreich Hannover", galt als eines der rückschrittlichsten unter den deutschen Strafgesetzbüchern.
Vor diesem Hintergrund widmen sich Dr. Anne-Katrin Henkel und Dr. Gerd van den Heuvel in der dreiteiligen Vortragsreihe auf der Basis von ca. 220 Fällen von Schwerkriminalität der konkreten Strafrechtspraxis im Königreich Hannover: von der Täterermittlung über die Gerichtsverfahren bis zur Bestätigung der Urteile durch den König und die Strafvollstreckung in Form von Arbeits-, Zuchthaus und Todesstrafen.

Dr. Anne-Katrin Henkel, Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik an der Universität Hannover. Staatsexamen für den höheren Dienst an wissenschaftlichen Bibliotheken. Stellvertretende Direktorin und Fachreferentin für Geschichtswissenschaft an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Veröffentlichungen u. a. zur Landes- und Regionalgeschichte Niedersachsens.

Dr. Gerd van den Heuvel studierte Geschichte, Germanistik und Politische Wissenschaften und war von 1985 bis 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Leibniz-Archiv der GWLB. Forschungsschwerpunkte: Französische Geschichte des Ancien Régime und der Revolution, Leibniz und seine Zeit, Niedersächsische Landesgeschichte, Agrargeschichte.

Termin(e): 19.03.2019 ab 17:00 Uhr
Ort

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

  • Waterloostraße 8
  • 30169 Hannover

Eintritt frei