Lesungen & Vorträge

Rassismus bei Arendt?

"Ein aktueller Blick auf Widersprüche im Urteilen": Hannah Arendt und ihr Werk sind so populär wie nie. Das berühmte Interview mit Günter Gaus, "Zur Person" (1964), wurde im Netz mehr als eine Million Mal angeklickt. Die in Hannover-Linden geborene Politiktheoretikerin (1906-1975) scheint uns heute noch viel sagen zu können.

Rassismus bei Arendt?

Doch es gibt irritierende Widersprüche in ihrem Werk, die in der Arendt-Forschung seit längerem kontrovers diskutiert werden. So findet sich in ihrer Studie "Elemente und
Ursprünge totaler Herrschaft" (1951) eine eurozentrisch verzerrende Sichtweise auf den afrikanischen Kontinent. Ihr Aufsatz "Reflections on Little Rock" (1959) erntete Kritik, vor allem wegen Arendts skeptischer Einschätzung des gemeinsamen Schulbesuchs von Schwarzen und weißen Kindern in Arkansas (USA).

Im Zuge der aktuellen Black Lives Matter-Bewegung debattiert auch die breite Öffentlichkeit über die 'blinden Flecken' in Arendts Werk. Ihre Einlassungen über den Kolonialismus in Afrika oder über die gesetzlichen Maßnahmen zur politischen Gleichberechtigung in den USA wirken umso problematischer vor dem Hintergrund, dass Arendts Schriften zeitlebens eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Imperialismus darstellten.

Wie kann es sein, dass Arendt, die als Jüdin selbst Ausgrenzung und Diskriminierung im nationalsozialistischen Deutschland erfahren hat, zu diesen Urteilen kommt? Was sagt es über uns aus, wie wir heute mit den Widersprüchen ihres Werks umgehen? Und wie wollen wir Arendt in Zukunft lesen?

Anmeldung

Es handelt sich hierbei um eine Online-Veranstaltung, für die eine Anmeldung zwingend erforderlich ist. Dafür bitte einfach bis zum 22. März eine E-Mail an hat@hannover-stadt.de schicken.

Referent*innen

Priya Basil ist Schriftstellerin und Aktivistin. Ihre Essays erscheinen z. B. in Lettre International, Die Zeit und The Guardian. In ihrem Buch "Gastfreundschaft" (Insel, 2019) verbindet
sie Geschichten über die indisch-kenianischen Traditionen ihrer Familie, ihr britisches Erbe und das Leben in Deutschland zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Gastfreundschaft in Europa. Sie ist Mitbegründerin vielfältiger Initiativen, u. a. von Authors for Peace, und sitzt im Beirat des European Centre for Constitutional and Human Rights. Ihr Film-Essay "Eingeschlossen / Ausgeschlossen" über Staatsbürgerschaft, Kolonialismus und Erinnerungskultur hatte im Dezember 2020 bei der digitalen Eröffnung des Humboldt-Forums Premiere. Aktuelle Publikation: "Im Wir und Jetzt: Feministin werden" (Suhrkamp, 2021).

Dr. Felix Axster ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin sowie am dezentralen bundesweiten Forschungsinstitut Gesellschaftlicher
Zusammenhalt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Geschichte des Kolonialismus, des Rassismus und Antisemitismus, der Arbeit, der Medien sowie Erinnerungskultur und -politik. Er hat mit einer Arbeit zu kolonialen Bildpostkarten an der Universität zu Köln promoviert und forscht derzeit zur Erinnerung an die Wende- und Nachwendezeit. Aktuelle Publikation: "Inspiration und Irritation. Hannah Arendts Analyse des Imperialismus", in Blume/Boll/Gross (Hg.), "Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert" (Piper, 2020).

Moderation

René Aguigah leitet das Ressort Literatur von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. Zuvor war er Redakteur beim Büchermagazin "Literaturen" und bei WDR 3. Aguigah studierte Geschichte, Philosophie und Journalistik. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Termine

Die Veranstaltung liegt in der Vergangenheit

Dies ist eine Veranstaltung mit freiem Eintritt