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Ratgeber

Berufsbild OrthopädiemechanikerIn/ BandagistIn

Die passgenaue Fertigung von orthopädischen Hilfsmitteln, wie Schienen, Rollstühle und künstliche Gliedmaßen, steht im Mittelpunkt der Ausbildung.

Zwei junge Männer, die eine Beinprothese in der Hand halten

Passt, wackelt und hat Luft: Marcus Czekalla (18) und Julian Napp (20) wissen genau, wie das neue Bein sitzen muss.

Guter Draht zum Knochenmann: Wiebke Pflugmacher (19) kennt sich mit der menschlichen Anatomie aus.

Wenn der Arzt nicht mehr weiterhelfen kann, schlägt die Stunde der Orthopädietechniker. Sie stellen all jene Hilfsmittel her, die körperlich beeinträchtigte Menschen benötigen, um im Alltag zurechtzukommen. Dazu gehören Schienen und Stützvorrichtungen, künstliche Gliedmaßen, Rollstühle und Krankenbetten. Für alles gilt: Der Mensch ist das Maß der Dinge. Die orthopädischen Hilfsmittel müssen auf die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt werden, sollen seine Lebensqualität verbessern. Orthopädietechniker arbeiten an der Schnittstelle zwischen Technik und Medizin, zwischen Handwerk und Sozialem. Menschliches Einfühlungsvermögen ist für sie ebenso wichtig, wie technisches Verständnis.

Orthopädietechniker sind die Exoten unter den Handwerkern. In Niedersachsen beginnen nur etwa 15 bis 20 Schüler jedes Jahr die dreieinhalbjährige Ausbildung in den Werkstätten von Sanitätshäusern und Kliniken. Berufsschulstandort ist die Berufsbildende Schule Metalltechnik Elektrotechnik der Region Hannover an der Lavesallee. Ausbildungsbetriebe erwarten meist die Mittlere Reife, in Ausnahmefällen reicht der Hauptschulabschluss. Ein 12-wöchiges Praktikum vor Ausbildungsbeginn ist die Regel. Der praktische Ausbildungsteil findet in den Betrieben und in Kompaktseminaren der IHK statt. In der Berufsschule stehen unter anderem Technisches Zeichnen, Anatomie und Biomechanik auf dem Lehrplan. Auch mit Pneumatiik, Hydraulik und der Verarbeitung von Kunstfasern müssen Orthopädietechniker sich auskennen – das unbewegliche "Holzbein" hat längst ausgedient.

Der soziale Aspekt des Berufs, der Umgang mit kranken und gebrechlichen Menschen, steht dagegen auf keinem Lehrplan. „Das menschliche Einfühlungsvermögen bringt aber jeder mit, der sich für diesen Beruf entscheidet“, meint der Berufsschüler Wolfgang Fitz (28). "Oft ist es sogar schon ein kleines Helfersyndrom", ergänzt Alexander Flath (25).

Obwohl es um die Berufsaussichten für Orthopädietechniker zurzeit weniger gut bestellt ist, stieg die Zahl der Auszubildenden in den letzten Jahren wieder an. Gewerkschaftlich vertreten werden die Orthopädietechiker von der IG Metall, allerdings stagniert das Tarifgehalt seit Jahren. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt bei rund 1.300 Euro brutto.