Zvi Landsman, Israel 2024, 72 Minuten, Hebräisch/Englisch/Jiddisch/Niederländisch mit deutschen Untertiteln, die Vorstellung findet im Hofsaal statt
Jacob Israël de Haan (1881–1924) war Schriftsteller, Rechtsanwalt, Lehrer, Diplomat, Journalist – und überdies schwuler Pionier und politischer Aktivist. Er wuchs als Sohn eines jüdischen Kantors in den Niederlanden auf und veröffentlichte 1904 den ersten Roman überhaupt in niederländischer Sprache über schwules Leben und Begehren. Einer Rückbesinnung auf die Religion folgte 1919 die Emigration nach Palästina, wo Jacob de Haan sich erst in der zionistischen Bewegung engagierte, dann jedoch Sprecher der orthodoxen Gemeinschaft wurde und für die friedliche jüdisch-arabische Koexistenz eintrat, bis er 1924 einem politisch motivierten Mordanschlag zum Opfer fiel.
Die neue Doku von Regisseur Zvi Landsman taucht wie sein voriger Film The Therapy (lief bei den PERLEN 2022) tief ein ins Spannungsfeld zwischen queerem Lebensentwurf und religiöser Hinwendung, hier unter spannendem historischen Blickwinkel. Die Gedichte und Texte von Jacob de Haan, die teils von brennender Aktualität sind, stehen aktuellen Filmaufnahmen gegenüber, die die gewaltigen Spannungen in der israelischen Gesellschaft illustrieren.
Preis für den Interkulturellen Dialog beim Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg 2025.