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Vier Frauen und drei Männer stehen draußen auf einer Rasenfläche in zwei Reihen. © Stahl, Region Hannover

Von Schulgarten bis Mediathek: Das Gelände und die Räumlichkeiten im Überblick.

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Filmdokumente

Videoarchiv

Mit dem bevorstehenden „Aussterben der Zeitzeugen“ von Nationalsozialismus und Holocaust steht die Erinnerungskultur vor einem einschneidenden Wandel. Um die Erinnerungen der Überlebenden vor dem Vergessen zu Bewahren, hat die Gedenkstätte Ahlem in ihrem Archiv mehr als 160 Zeitzeugeninterviews.

Auf einem kleinen Bildschirm im Ausstellungsraum der Gedenkstätte Ahlem ist ein Film mit einer Zeitzeugin zu sehen. © Region Hannover

Filmdokumente: Holocaust-Überlebende im Interview

Auch innerhalb der Dauerausstellung und für die pädagogische Arbeit spielen die Interviews eine entscheidende Rolle. So ermöglichen sie, die Geschichte aus erster Hand zu erfahren und die Schicksale und Lebens- bzw. Überlebensumstände der Menschen darzustellen. Der biografische Zugang für die Vermittlung der besonderen historischen Ereignisse am Ort der ehemaligen israelitischen Gartenbauschule ist ein wichtiger Baustein der Pädagogik. Im Gesamtbestand der Zeitzeugeninterviews finden sich unterschiedliche Lebensgeschichten: ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger, die über die Gartenbauschule Ahlem deportiert wurden, Juden Hannovers, denen in den 1930er Jahren noch die Emigration gelang, ehemalige Gartenbauschüler und Zwangsarbeiter der hannoversche Konzentrationslager.

„All diese Einzelschicksale ermöglichen einen tiefen Einblick in die Gesellschaftsstruktur und das Alltagsleben der von der Verfolgung betroffenen Personen im Nationalsozialismus“, betont Shaun Hermel, stellvertretender Leiter der Gedenkstätte und verantwortlich für das Zeitzeugenarchiv und die Medienkonzeption.

Ziel ist es, in den nächsten Jahren die inhaltliche Erfassung der Zeitzeugeninterviews voranzutreiben und alle Interviews öffentlich zugänglich zu machen. Durch eine Verschlagwortung der Interviews sollen somit zukünftig auch thematische Zugänge zu dieser einmaligen Quelle geschaffen werden. „Unser Archiv soll damit auch Anlaufstelle für externe Forschungsanfragen werden. Interessierte sollen die Interviews als zusätzliche Quelle für bestimmte Fragestellungen nutzen können.“

Unterstützt wird Hermel bei seiner Arbeit mit den Interviews von Ehrenamtlichen, ihre Tätigkeiten werden über den Förderverein der Gedenkstätte Ahlem organisiert. „Wir sind sehr froh, dass wir in diesem Bereich unterstützt werden. Die inhaltliche Erfassung der Interviews ist ein arbeitsintensiver Prozess, der gleichzeitig Sensibilität, aber auch einen quellenkritischen Umgang erfordert. Ohne die Unterstützung der Freiwilligen wäre eine zeitnahe Umsetzung des Videoarchivs nicht denkbar“, macht Hermel deutlich. Dennoch wird die Fertigstellung noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Die sukzessiv erschlossenen Interviews finden allerdings bereits in der Pädagogik Verwendung und können bei Interesse auch vor Ort eingesehen werden.