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Lyrikpreis

Hölty-Preis 2020 geht an Marion Poschmann

Der zum siebten Mal verliehene "Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover" geht in diesem Jahr an die 1969 in Essen geborene und heute in Berlin lebende Dichterin, Romanautorin und Essayistin Marion Poschmann. Der Hölty-Preis wird am 17. September 2020 im Sprengel Museum Hannover verliehen. Mit 20.000 Euro, die von der Sparkasse Hannover gestiftet werden, ist der Hölty-Preis für Lyrik der höchstdotierte Lyrikpreis im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 2008 im Zwei-Jahres-Rhythmus von der Stadt und der Sparkasse Hannover verliehen.

Portrait einer Frau vor einem blau-grauen Hintergrund © Heike Huslage-Koch - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63385685

Marion Poschmann

Die Jury würdigt damit eine Lyrikerin, deren Œuvre sich in subtiler Konsequenz einer produktiven Neuaneignung der poetischen Tradition verpflichtet weiß. In der Begründung der Jury für die diesjährige Preisträgerin heißt es:

"Marion Poschmanns Dichtung gewinnt seit ihrem Debütband 'Verschlossene Kammern' (2002) ihre Fragestellungen und Motive aus der ästhetischen Auseinandersetzung mit Philosophie und Naturmythologie, aber auch aus der Begegnung mit visuellen Impulsen und bildender Kunst. Bereits in ihren Gedichtbüchern 'Grund zu Schafen' (2004) und 'Geistersehen' (2010) hat Poschmann einen neuen Typus des Naturgedichts entwickelt, der die ästhetische Erfahrung von Landschaft auf neue Fundamente stellte.

In ihrem neuen, meisterlichen Band 'Nimbus' (2020) hat Poschmann nun ihre Dichtkunst noch weiter verfeinert – mit Gedichten über die globalen Verheerungen der Natur, über flirrende Farbeindrücke, Phantasie-Reisen nach Sibirien und 'Stadtschamanen'. In neun zyklisch angelegten Kapiteln, die mit freirhythmischen und auch klassischen Formen arbeiten, findet die Dichterin eine ungeheuer bildstarke Sprache für naturgeschichtliche Urszenen. Im Zentrum steht dabei ein Sonettenkranz über 'Die Große Nordische Expedition', der an eine abenteuerliche Reise des Sibirienforschers Johann Georg Gmelin angelehnt ist. 'Nimbus' präsentiert Gedichte, die vom irreversiblen zerstörerischen Eingriff des Menschen in die Natur erzählen und zugleich der noch nicht verschwundenen Magie der einzelnen Naturphänomene zu sinnlicher Präsenz verhelfen. Die im Titelgedicht aufgerufene 'schwarze Wolke' ist nicht nur ein wetterkundliches Zeichen, sondern verweist auch auf die spirituelle Bedeutung von 'Nimbus' als Aura oder Gloriole. Marion Poschmanns fabelhaftes Gedichtbuch enthält filigran konstruierte, von Natur- und Kunsterfahrung getragene Texte, die uns die Welt vor Augen stellen, als sähen wir sie zum ersten Mal."

Über Marion Poschmann

Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Lyrik und Prosa wurde sie mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Klopstock-Preis 2018 für ihren Roman "Die Kieferninseln" (2017), der auch auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und auf jener des Man Booker International Prize 2019 stand. Anfang 2020 erschien ihr neuer Gedichtband "Nimbus".

Über den "Hölty-Preis"

Die literarische Bedeutung seines Namensgebers Hölty steht für die enge Verbindung des Preises mit Stadt und Region. Ludwig Christoph Heinrich Hölty (geboren am 21. Dezember 1748 im Kloster Mariensee bei Hannover, gestorben am 1. September 1776 in Hannover) ist von seinem künstlerischen Rang her einer der bedeutendsten deutschen Lyriker. Die Bedeutung beruht vor allem auf der Formenvielfalt, Eigenständigkeit und Stimmungs-Eindringlichkeit seiner etwa 140 Gedichte. Hölty ist neben den Brüdern Schlegel, Karl Philipp Moritz, Carl Sternheim und Kurt Schwitters der wichtigste mit der Stadt und der Region verbundene Dichter. Er verbrachte seine Kindheit und Schulzeit im Dorf Mariensee und die letzten Lebensjahre in Hannover, wo er, erst 28-jährig, 1776 starb. Die bedeutende Auszeichnung wird an eine*n lebende*n deutschsprachige*n Lyriker*in für ein lyrisches Gesamtwerk oder eine einzelne Veröffentlichung vergeben.

Die bisherigen Hölty-Preisträger*innen

  • Thomas Rosenlöcher (2008)
  • Paulus Böhmer (2010)
  • Christian Lehnert (2012)
  • Silke Scheuermann (2014)
  • Christoph Meckel (2016)
  • Norbert Hummelt (2018)