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Hannöversche Spezialitäten

Spargel

Im April geht ein glücklicher Seufzer durch Hannover und seine Region: endlich ist wieder Spargelzeit! Der Winter ist Schnee von gestern, die Natur blüht auf, Frühling liegt in der Luft. Es zieht uns wieder nach draußen zu Gartenfesten mit Freunden und Sonntagsausflügen mit der Familie. Und auf den Festtafeln darf eines nicht fehlen – Spargel, die beliebteste Delikatesse weit und breit. Welch Glück für alle Genießer, die in Hannover oder seiner Region zuhause oder zu Gast sind, denn im südlichen Niedersachsen, heißt es, wächst der beste Spargel im ganzen Land.

Spargel – kostbarer Bodenschatz und Luxus von der Stange

Die beiden Spargelmetropolen Burgdorf und Nienburg nördlich von Hannover verbindet die Bundesstraße B 188, die hierzulande auch als „Niedersächsische Spargelstraße“ bekannt ist. Entlang der Landstraße, die sich über sanfte Hügel durch saftige Wiesen, dichte Kornreihen und idyllische Bauerndörfer schlängelt, liegen die Schatzkammern der Region Hannover: Spargelfelder, soweit das Auge reicht. Kurz nach Sonnenaufgang stehen unermüdliche Erntehelfer schon auf den Äckern und stechen, was die sandigen, platt gespachtelten Erdwälle hergeben. Bis zum Johannistag am 24. Juni: dann endet die Spargelsaison, denn das empfindliche Liliengewächs muss sich bis zum nächsten Jahr erholen und Kraft schöpfen.

Spargel ist keineswegs eine landwirtschaftliche Entdeckung der Neuzeit, die aromatischen Stangen waren schon in der Antike bekannt. Hippokrates, auf den Mediziner ihren Eid schwören, schrieb dem Asparagus officinalis (so seine wissenschaftliche Bezeichnung) bereits 460 v. Chr. heilende Eigenschaften zu und war überzeugt, dass das phallische Gemüse die Libido erfrischt und bei den Männern „lustige Begierde“ weckt. Tatsächlich ist Spargel reich an Vitamin B und C, Mineralstoffen und Kaliumsalzen. Sein kräftiges Aroma verdankt er dem hohen Gehalt an Asparaginsäure – sie bringt die Körpersäfte in Schwung, indem sie für eine Entwässerung des Körpers sorgt und die Nierentätigkeit anregt. Außerdem sind die schlanken Stangen gut für die Figur: ein Kilo (ungesalzen und ohne Sauce) schlägt mit nur 170 kcal bzw. 730 kl zu Gewicht. Im Römischen Reich hingegen wurde Spargel eher als schmackhafte und kostbare Delikatesse geschätzt, die sich jedoch nur die wohlhabenden Bürger leisten konnten. Heute und hierzulande allerdings ist Spargel in aller Munde und erschwinglich, der Tagespreis für den delikaten Luxus von der Stange wird maßgeblich bestimmt vom Wetter: scheint viel wärmende Sonne auf die Felder, ist der Ertrag gut und das Angebot groß. Das senkt den Preis und hebt die Genießerstimmung.

Burgdorf stellt den Spargel zur Schau

Der noble Spargel hat wie kein anderes Gemüse die deutsche Tischkultur beeinflusst. Die Burgdorfer Spargelausstellung zeigt mit über 1.000 Exponaten aus fünf Jahrhunderten allerlei Kostbares und Kurioses aus feinem Porzellan, Fayence, Silber und anderen Materialien – von Saucieren und Servierern über Silberbesteck bis hin zu Tellern und Terrinen aus aller Welt: neben einem erlesenen Spargelservice aus den Vereinigten Staaten und der Spargelterrine „Schweinchen“ aus Japan ist auch eine prunkvolle Spargelzange aus Russland zu sehen sowie eine französische Spargelliege aus Porzellan in der Form des berühmten Kochbuch-Klassikers von Brillat-Savarin aus dem Jahre 1826.

Der Burgdorfer Friedrich-Karl Wiesener hat all diese Preziosen mit großer Passion über viele Jahre zusammengetragen und seine einzigartige Privatsammlung 1997 seiner Heimatstadt überlassen. Seit 2005 wird die Burgdorfer Spargelsammlung, die auch einen unterhaltsamen kulturgeschichtlichen Rück- und Rundblick auf das exklusive Stangengemüse in Kunst und Literatur, in Medizin und Pharmazie bietet, als Dauerausstellung im Niedersächsischen Spargelmuseum Nienburg in der Leinstraße 4 (www.museum-nienburg.de) präsentiert.

Nienburg adelt den Spargel

In Nienburg, der „neuen Burg“ und einstigem Sitz der Grafen von Hoya, kommen jedes Jahr im Mai zum „Nienburger Spargelfest“ die Genießer aus Stadt und Land zusammen, schlemmen und feiern bis spät in die Nacht an zahlreichen Tafeln bei Musik und Tanz und küren nach alter Tradition eine neue Spargelkönigin – die charmante Botschafterin für ein wahrlich majästetisches Gemüse.

Spargel-Service

Reine Geschmackssache: die Spargel-Farbe

Weißer Spargel: dicke, gerade Stangen mit geschlossenen Köpfen, die im Erdreich wachsen. Edelbitteres Aroma, zart und mild im Geschmack
Grüner Spargel: wächst oberirdisch und hat einen herzhaften Geschmack. Kann auch ungeschält gekocht werden
Lila Spargel: die ersten Sonnenstrahlen liefern ein wenig Farbe zur vornehmen Blässe geben den noblen Stangen eine würzige Note

Tipps & Tricks

Die oberste Regel beim Spargelkauf lautet: je frischer, desto besser. Frischer Spargel hat einen geschlossenen Kopf, die strammen Stangen quietschen leicht beim Aneinanderreiben und die Schnittstellen sind saftig. Ein untrüglicher Indikator für Frische ist die “Nagelprobe”: wenn man frisch gestochenen Spargel mit dem Fingernagel an den Schnittenden eindrückt, tropft wässriger Saft heraus. Bleiben die Schnittenden trocken, ist vom Kauf abzuraten. Im Kühlschrank hält sich ungeschälter Spargel im feuchten Küchentuch ca. vier Tage, tiefgefroren im Kühlfach sogar vier bis sechs Monate.

Beim Garen der edlen Stangen (portionsweise gebündelt und stehend im leicht gesalzenem Wasserbad 20 bis 30 Minuten dämpfen) sollte man sparsam mit Wasser umgehen! Wasser spült die wertvollen Aromastoffe und Vitamine aus. Wer mehrere Tage hintereinander Spargel kocht, sollte den Sud aufbewahren und die nächste Portion darin garen. Nach drei Durchgängen bietet die Brühe den Fond für eine tolle Spargelsuppe.

Spargelverkauf direkt ab Feld

Frisch vom Acker kommt der Spargel an zahlreichen Straßenständen zwischen Burgdorf und Nienburg, an der B 65 zwischen Hannover und Nienburg und an der B3 zwischen Hannover und Celle.

Rezepttipp von Ekkehard Reimann vom Restaurant „Clichy“ in Hannover

Gebratener Spargel mit Bandnudeln (für 4 Personen)
600 Gramm geschälter Spargel (entspr. Etwa 1 Kilo ungeschältem Spargel)
1dl feines Olivenöl
20 Gramm Butter
Salz, Muskat, Petersilie, 1 Prise Zucker
100 Gramm geriebener Parmesan
4 Portionen Bandnudeln

Zubereitung:

Spargel schräg in 4 mm lange Scheiben schneiden
Das Olivenöl und etwas Butter in einer großen Pfanne erhitzen
Den Spargel hinzufügen und ca. 3 Minuten gar braten (er muss noch knackig sein!) und mit Salz, Muskat und Zucker abschmecken
Den frisch geriebenen Parmesan darüber streuen und mit den gekochten Nudeln schnell vermengen und mit Petersilie auf dem Teller garnieren
Dazu passt ein junger deutscher Riesling von der Mosel oder ein badischer Weißburgunder

Guten Appetit!