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Markthalle Hannover

Als die Markthallenhändler wieder Brot und Butter unter freiem Himmel verkauften

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts haben die Händler auf den Wochenmärkten in der Stadt noch ihre Waren kreuz und quer und bei jedem Wind und Wetter unter freiem Himmel verkauft. Mit dem Bau der ersten städtischen Markthalle in Hannover und ihrer Eröffnung am 18. Oktober 1892 sollten diese Unbequemlichkeiten und chaotischen Verhältnisse endlich ein Ende haben. Als im Juli 1943 das große Jugendstilgebäude bei einem Bombenangriff komplett zerstört wurde, standen die Markthallenhändler wieder ohne ein schützendes Dach über dem Kopf da.

Verkaufsbude aus Holz in Trümmern eines zerstörten großen Gebäudes © gemeinfrei (Quelle: NORDmedia GmbH)

Holzbude in den Trümmern der alten Markthalle.

Die Markthändler frieren in ihren Holzbuden

Erst ein über Jahrzehnt später, 1954, beschloss die Stadt Hannover den Bau einer neuen Markthalle. Eine Bürgerinitiative hatte sich dafür stark gemacht und 75.000 Unterschriften gesammelt. Der hannoversche Architekt Erwin Töllner plante nicht etwa eine moderne Version des prachtvollen Vorgängermodells, sein Entwurf war ein zweckmäßiges Gebäude, schlicht und gradlinig, an die vorherrschenden städtebaulichen Verhältnisse angepasst und schnell zu errichten. Besonders für Letzteres gab es dringliche Gründe.

"März 1955. Kalt ist es noch. Besonders für die Männer und Frauen, die auf eigene oder fremde Rechnung in der Markthalle Handel treiben. Wie Karoline Duhnsen, die in ihrer Lindhorster Bauerntracht seit der Jahreswende 1926/27 regelmäßig nach Hannover kommt, um am Stand von Schlachter Hardekopf Fleisch und Wurst zu verkaufen. Arbeiten von morgens um acht bis abends um sechs, zweimal pro Woche, aber dafür bekommt sie 100 DM und so einiges an „Deputat”. Das ist doppelt so viel wie vor dem Krieg. Die Markthalle – vorläufig ein Torso. Vor allem hat sie kein Dach und bei Regen läuft das Wasser bis in die unterirdischen Kühlräume. Die 70 Schlachter und 32 Bäcker, die Obst- und Gemüse-, Eier-, Butter- und Kolonialwarenhändler zittern in ihren Holzbuden, die dicht gedrängt in der Ruine stehen. Die hygienischen Zustände sind katastrophal. Aber damit wird es ja nun ein Ende haben. In ein paar Tagen sollen sie alle in ein festes Zelt umziehen, bis auf dem Gelände der alten, zerstörten Markthalle die neue errichtet ist." (Quelle: http://www.der-bauch-von-hannover.de/p_historie).

Weniger Platz für alle

Neun Monate später und nach nur 227 Arbeitstagen öffnet die "Neue Halle" am 14. Dezember 1955 endlich ihre Tore. Sie ist deutlich kleiner ausgefallen als ihr historischer Vorgänger, weil zeitgleich zum Bau die Karmarschstraße für den zunehmenden Automobilverkehr verbreitert werden musste. Statt wie einst auf rund 4.000 Quadratmetern tummeln sich die nach wie vor 243 Händler mit ihren Ständen und Tischen nun auf 2.230 Quadratmetern. Immerhin haben sie alle jetzt wieder ein Dach über dem Kopf, wenngleich flach und nicht mehr ganz so prachtvoll.