Hannover von unten

Der Luftschutzbunker unterm Hauptbahnhof

Tagtäglich strömen tausende Menschen über den großen Platz vor dem Hauptbahnhof. Sie eilen zu den Bahnsteigen oder spazieren zum Shopping in die Stadt, sie laufen kreuz und quer vorbei auf dem Weg nach Hause oder warten auf ihre Verabredung unter dem Reiterdenkmal vor dem Haupteingang. Nur die wenigsten wissen, dass sich direkt unter ihnen der größte Bahnhofsbunker Deutschlands befindet.

Hauptbahnhof Hannover

Für alle Fälle ein sicherer Platz

Auf dem westlichen Teil des Ernst-August-Platzes ist dieser gut getarnte Zugang zum ehemaligen Bunker zu finden.

Die 3.485 Quadratmeter große Bunkeranlage unter dem Ernst-August-Platz wurde in den Jahren 1939/40 im Auftrag der Deutschen Reichsbahn (DR) erbaut und bot im Falle eines Atomschlags ursprünglich Schutz für rund 5.000 Menschen. Der so genannte "Tiefbunker" mit Lager, Schlaf- und Technikräumen, einem Behandlungszimmer mit kleinem OP-Raum, Küche sowie Waschräumen und Toiletten erstreckt sich unter dem gesamten Bahnhofsvorplatz und war im zweiten Weltkrieg zunächst nur für Bahnreisende mit gültigem Fahrschein und Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn zugänglich. Während der schweren Luftangriffe auf Hannover im Herbst 1943 erhielten schließlich alle Bürger der Stadt Zutritt zum unterirdischen Schutzraum, der nach Kriegsende dann Platz für Flüchtlinge und wohnungslose Bewohner der in großen Teilen zerstörten Stadt Hannover bot.

Jahrzehnte später noch fanden Menschen in der weitläufigen Anlage unter der City eine sichere Unterkunft auf Zeit: so wurden dort nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 ehemalige DDR-Bürger für mehrere Wochen einquartiert; als zur WM 2006 nach dem Spiel zwischen Mexiko und Angola in Hannover 450 mexikanische Fußballfans ihren Zug verpassten, verbrachten sie die Nacht schlafend im Bunker statt wartend am Gleis; und im Jahr darauf beim Orkantief Kyrill 2007 wurden gestrandete Bahnreisende dort untergebracht. 

Erst geteilt, dann geschlossen

Schnell übersieht man dieses kleine Schild in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade, das den noch vorhandenen Schutzraum verrät ...

1978 musste der Tiefbunker unter dem Ernst-August-Platz für den Bau der unterirdischen Einkaufspassage Passerelle (seit 2002 in Niki-de-Saint-Phalle-Promenade umbenannt zu Ehren der gleichnamigen Schöpferin der Nanas am Ufer der Leine gegenüber der Altstadt) geteilt werden: der eine Teil befindet sich mit Blick auf den Hauptbahnhof rechts vom Reiterdenkmal und dient seitdem als Behelfsleitstelle der Deutschen Bahn, der andere Teil zur Linken von König Ernst August auf dem Ross wurde damals zu einem ABC-Schutzraum für die Bewohner Hannovers umgebaut und steht seit 2018 leer. Künftig werden beide Teile der Bunkeranlage komplett von der Deutschen Bahn übernommen und anderweitig genutzt – möglicherweise als Parkhaus für Fahrräder oder als Mietlager.

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