Gullyman

Wo die Musik spielt – und warum

Vor Hannovers Hauptbahnhof bleiben ab und an verwunderte Passanten vor einem Gulli stehen. Etwa hundert Meter vom Ernst-August-Denkmal entfernt, dort wo der Platz vor dem Bahnhof in die Bahnhofsstraße übergeht, erklingen Töne aus der Unterwelt Hannovers. 

Dj Gullyman am Ernst August Platz.

Die kleinste Disco der Welt

Auf Höhe der Straßenbahnschienen am Ernst-August-Platz erklingen in einer lauen Sommernacht rhythmische Salsaklänge, Mitte Dezember erwärmen melodische Weihnachtsgedichte das Herz. DJ Gullyman liefert passend zur Jahreszeit rund um die Uhr abwechslungsreiche Sounds. Der Gully sieht zwar aus wie ein Abfluss und hat auch Löcher. Allerdings nur, damit von unten Musik raus kommt. Wasser fließt bis auf Regentropfen nicht ein, weil der Gully nicht in einer Senke liegt, sondern leicht erhöht. Zwei CD-Player teilen sich Tag und Nacht die Arbeit, zwei Lautsprecherboxen bringen die Musik ans Tageslicht oder bereichern das turbulente Leben auf der vielbesuchten Einkaufsmeile in der City. 

Die Idee 

Ihren außergewöhnlichen und einzigartigen DJ verdanken die Hannoveraner dem Hamburger Architekten Timm Ohrt. Als federführender Architekt der Umgestaltung des Ernst-August-Platzes hatte Ohrt im Jahr 2000 die Idee, dem hektischen Stadtleben etwas entgegen zu setzen; eine spielerische Idee, ein Stück unerwartete Kunst im öffentlichen Raum, das auch von den Reaktionen der Passanten lebt. Seit der Jahrtausendwende dudelt nun Musik aus dem Untergrund – von 6 bis 21 Uhr Tagmusik, von 21 bis 6 Uhr Nachtmusik. Dass das im Tagesgetöse der Innenstadt nicht jedem auffällt, gehört zum Konzept. Es ist Kunst zum Entdecken.

Die Musik

Zu hören sind unter anderem Stücke regionaler Musiker, nationaler Newcomer und internationaler Interpreten. Von Jazz über Pop bis hin zum rockigen Musikstück ist alles vertreten. Wer wissen will, was gespielt wird, findet auf der Internetseite des DJ Gullyman  die aktuelle Playlist.