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Erinnerungskultur

11 neue Stolpersteine in Hannover

Am 30. Juni 2026 wurden elf Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus an sieben Orten im Stadtgebiet Hannover verlegt.

Blumen von Angehörigen für die Stolpersteine der Familie Flieder

Seit 2007 erinnern die kleinen Messingtafeln im Stadtgebiet an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet wurden. In diesem Jahr kamen elf neue Stolpersteine an sieben Orten hinzu. Damit sind in Hannover inzwischen 517 Stolpersteine verlegt.

Die vom ZeitZentrum Zivilcourage der Landeshauptstadt organisierte Selbstverlegung erfolgte diesmal nicht durch den Künstler Gunter Demnig, sondern durch den Fachbereich Tiefbau. Zahlreiche Bürger*innen sowie Schulklassen begleiteten die Verlegungen vor Ort. Auch Angehörige der erinnerten Personen waren anwesend und beteiligten sich am gemeinsamen Gedenken. Einige von ihnen hielten kurze Reden und gaben den Verlegungen damit einen besonders persönlichen Rahmen.

Angehörige der Familie Blumfeld

Die neuen Stolpersteine erinnern an jüdische Hannoveraner*innen und ihre Familien, deren Leben durch Ausgrenzung, Entrechtung, Deportation und Mord zerstört wurde. Mit der Verlegung wurden ihre Namen und Lebensgeschichten an ihre früheren Wohnorte zurückgebracht und im öffentlichen Raum sichtbar gemacht.

Eine Auswahl der Biografien

Die folgenden Kurzbiografien geben einen Einblick in die Lebensgeschichten einzelner Personen und Familien, für die am 30. Juni Stolpersteine verlegt wurden. Die vollständigen Informationsblätter mit den Biografien zu den neuen Stolpersteinen sind auf der Webseite www.stolpersteine-hannover.de zu finden.

Familie Flieder

An der Marktstraße/Ecke Senior-Blumenberg-Gang wurden vier Stolpersteine für die Familie Flieder verlegt. Abraham Flieder lebte seit 1917 in Hannover; gemeinsam mit seiner Ehefrau Ruchla, geb. Hoffer, und den Kindern wohnte die Familie ab 1918 in der Marktstraße 38. Abraham Flieder und sein Sohn Isaak wurden im Oktober 1938 im Rahmen der sogenannten „Polenaktion“ verhaftet und nach Zbąszyń abgeschoben. Abraham starb dort 1939 infolge von Krankheit und Mangel. Ruchla und ihr Sohn Chin wurden 1939 nach Polen deportiert; ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Isaak Flieder gelangte später nach Belgien, wurde von dort 1942 über das Sammellager Mechelen nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Tochter Ida konnte 1938 fliehen und überlebte. Weitere Informationen zur Familiengeschichte, insbesondere zur Familie Dehn und zur Geschichte der sogenannten „Dunera Boys“, finden sich auch auf www.dunera.de

Hendrik Prins

In der Stolzestraße 52 erinnert ein Stolperstein an den Musiker Hendrik Prins. Prins wurde 1881 in Den Haag geboren, studierte Violine und kam 1921 nach Hannover, wo er Konzertmeister im Orchester der Städtischen Bühnen wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft schrittweise entrechtet, 1935 zwangsweise pensioniert und später auch am privaten Musikunterricht gehindert. 1943 wurde Hendrik Prins von der Gestapo verhaftet, über das Polizeigefängnis Hannover und das Arbeitslager Liebenau in das KZ Sachsenhausen und schließlich nach Auschwitz deportiert. Dort starb er am 29. Juni 1943.

Stolperstein für Hendrik Prins, Stolzestraße 52

Verlegte Stolpersteine

Die elf Stolpersteine wurden an folgenden Orten verlegt:

Stadtbezirk Mitte

Goethestraße 19, 30169 Hannover
2 Stolpersteine für Dina und Julius Blumenfeld

Marktstraße / Ecke Senior-Blumenberg-Gang, 30159 Hannover
4 Stolpersteine für Familie Flieder

Stadtbezirk Döhren-Wülfel

Waldhausenstraße 5, 30519 Hannover
1 Stolperstein für Hedwig Mahlstedt, geb. Bodenheim

Stadtbezirk Südstadt-Bult

Stolzestraße 52, 30171 Hannover
1 Stolperstein für Hendrik Prins

Krausenstraße 39, 30171 Hannover
1 Stolperstein für Elfriede Grotefendt, geb. Gutmann

Stadtbezirk Mitte

Ludwig-Barnay-Straße 11, 30175 Hannover
1 Stolperstein für Julius Gumpel

Eichendorffstraße 5, 30175 Hannover
1 Stolperstein für Elisabeth „Lilli“ Rothschild

Die Anwesenheit von Angehörigen, Bürger*innen und Schulklassen machte die Verlegung zu einem eindrücklichen Zeichen lebendiger Erinnerungskultur in Hannover. Die persönlichen Worte der Angehörigen erinnerten daran, dass hinter jedem Stolperstein ein individuelles Leben, eine Familie und eine Geschichte stehen. Die nun 517 Stolpersteine im Stadtgebiet laden dazu ein, im Alltag innezuhalten und sich mit den Biografien der Menschen auseinanderzusetzen, die einst Teil der hannoverschen Stadtgesellschaft waren.

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