Wie selbstverständlich ist die Stadt, in der wir leben, und wie erleben wir die Orte, an denen wir uns täglich in der Stadt aufhalten? Und was wäre, wenn wir die Bedeutung dieser Orte aktiv verändern könnten? Mit diesen Fragen macht die iranische Künstlerin und Trägerin des Kunstpreises HANNES MALTE MAHLER – it is art® Farzane Vaziritabar (*1987 in Yazd, Iran) Hannover zum Ort ihrer künstlerischen Erkundung.
Das vielschichtige Projekt von Ausstellungen, Interventionen, Performances, Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Cartoons mit dem Titel COLORFUL THREADS setzt sich mit der politischen Dimension urbaner Räume auseinander. COLORFUL THREADS erstreckt sich über vier Ausstellungsorte im Stadtgebiet Hannover und insgesamt 36 Performances bzw. künstlerische Interventionen an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum.
Farzane Vaziritabars Ausgangspunkt für COLORFUL THREADS ist der bekannte Rote Faden in Hannover, eine touristische Leitlinie, die Gäste zu allen Sehenswürdigkeiten der Innenstadt führt. Davon inspiriert, verschränkt Farzane reale Plätze der Stadt in vielfältigen neuen Linien und macht zugleich imaginative und persönliche Bedeutungen sichtbar. Im Zentrum steht die Frage, wie urbane Narrative entstehen und welche Geschichten im öffentlichen Raum sichtbar oder unsichtbar bleiben. Farzane untersucht insbesondere die Rolle von Benennungen, Denkmälern und alltäglichen Orten als Träger kollektiver Erinnerung. Der öffentliche Raum ist für sie kein neutraler Hintergrund, sondern ein umkämpftes Terrain. Orte tragen Geschichten in sich, sie sind geprägt von Benennungen und Erinnerungspraktiken. Farzane greift in diese Ordnungen ein, verschiebt Bedeutungen und stößt Auseinandersetzungen über kulturelle Repräsentation an. Sie untersucht, wie Orte benannt, erinnert und genutzt werden und welche Stimmen dabei systematisch ausgeblendet bleiben. Fragen nach Geschlecht, Repräsentation und kultureller Zugehörigkeit sind dabei zentral.
Die Ausstellungen und Interventionen im öffentlichen Raum zeigen ein breites Spektrum an Formaten: Fotografien und Collagen, die urbane Details aus feministischer Perspektive neu rahmen, Videoarbeiten mit dokumentarischen und performativen Elementen, Klanginstallationen, die Stimmen und Geräusche der Stadt erfahrbar machen, sowie skulpturale Arbeiten, die architektonische Strukturen in den Raum übertragen. Interaktive Elemente laden Besuchende dazu ein, eigene Perspektiven einzubringen und bislang unbeachtete Orte sichtbar zu machen.
COLORFUL THREADS ist als offener Prozess angelegt, der sich im Verlauf der fünf Monate kontinuierlich weiterentwickelt. Vor allem in den Performances im öffentlichen Raum untersucht Farzane die Bewegung, Wahrnehmung und Aneignung von Stadt und verschiebt die Grenzen zwischen künstlerischer Intervention und urbanem Alltag. Das interessierte Publikum ebenso wie zufällige Passant*innen sind immer dazu eingeladen, sich spontan zu beteiligen und einzubringen. Eine ausführlichere Beschreibung von COLORFUL THREADS und von Farzanes künstlerischer Position ist dieser Presseinformation beigefügt. Die künstlerische Erkundung Hannovers umfasst unter anderem vier Ausstellungen und 36 Kunstaktionen, Performances und Interventionen im öffentlichen Raum.