Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Veranstaltungen

August 2017
8.2017
M D M D F S S
31 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3
Heute | Wochenende | kostenlos | Suche

Top-Services

Ratgeber

Grabarten

Multikulturelle Bestattungen auf den Friedhöfen der Stadt Hannover

Auf Hannovers Friedhöfen gibt es eine muslimische Abteilung, eine yezidische Abteilung und eine buddhistische Urnengrababteilung.

Hannover ist eine weltoffene Stadt. Dies zeigt sich nicht nur bei den jährlich hier stattfindenden Messen CeBIT und Hannover Messe Industrie: Auch als Ausrichterstadt für die EXPO 2000 zeigte sich die Landeshauptstadt weltoffen und multikulturell. Multikulturell ist aber auch das Bestattungsangebot auf den Friedhöfen der Landeshauptstadt Hannover. So richtetet die Stadt Hannover schon vor Jahren eine muslimische Abteilung, eine yezidische Abteilung und eine buddhistische Urnengrababteilung ein.

Das yezidische Gräberfeld auf dem Stadtfriedhof Lahe

Die yezidische Religion wird hauptsächlich von Kurden aus der Türkei (Anatolien), Syrien und Irak ausgeübt. In Deutschland leben ca. 6.000 Yeziden, davon 3.000 in Niedersachsen. Der Großteil der niedersächsischen Yeziden lebt im Raum Hannover/Burgdorf/Celle. Aus diesem Gebiet wurde 1989 der Wunsch an die Stadt Hannover herangetragen, ein yezidisches Gräberfeld einzurichten.

Die Gräber, die den Charakter eines Reihengrabes haben, sind nach Südosten, der aufgehenden Sonne hin, ausgerichtet. Sie sind reihenweise angeordnet. In einer Reihe sind die Verstorbenen der 1. Kaste , die Scheichs beigesetzt, in der nächsten Reihe Pirs und in einer weiteren Reihe die Merits. Mittlerweile sind in allen Kasten mehrere Reihen belegt. Durch eine gemeinsame Grundgestaltung des Grabfeldes soll die kulturelle Identität und das Heimatgefühl gewahrt bleiben. In Anlehnung an die Grabsteinformen der Osttürkei sind drei Grabsteintypen vorgesehen. Für Männergräber sind Kopf- und Fußstein und für Frauengräber nur ein Kopfstein vorgesehen. Das einzelne Grab ist mit einer ebenerdigen Steinkante einzufassen. Für die Grabmale und die Steineinfassung ist wegen der Einheitlichkeit und des optischen Gesamteindruckes Thüster Kalkstein vorgeschrieben. Hier wurde auch Rücksicht genommen auf die finanzielle Lage der Yeziden in Deutschland, von der eine Mehrzahl Sozialhilfe bezieht. Die Grabstätte ist entsprechend der Friedhofssatzung zu bepflanzen. Hierzu sind die Angehörigen verpflichtet. Die Abteilung ist sehr geordnet. Da geeignete Räumlichkeiten fehlen, kann die rituelle Totenwaschung nicht auf dem Friedhof stattfinden. Durch die Anschaffung eines speziellen, hydraulischen Verbaugerätes ist es möglich, dass die Angehörigen selbst das Grab nach der Beisetzung schließen. Die Mitarbeiter des Friedhofes halten sich dann im Hintergrund und greifen bei Bedarf helfend ein. Für uns kaum vorstellbar ist die Sitte, am Grab Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. 200 bis 300 Trauergäste sind bei einer yezidischen Beisetzung durchaus normal. Die Landeshauptstadt Hannover hat unseren yezidischen Mitbürgern eine würdevolle Ruhestätte ermöglicht, die sie in ihrer Heimat wohl kaum finden, denn fast 90% der in Deutschland lebenden Yeziden sind Asylbewerber bzw. -berechtigte.

Die buddhistische Urnengrababteilung auf dem Stadtfriedhof Seelhorst

Eher per Zufall stieß die Stadt Hannover darauf, dass in der buddhistischen Pagode Hannovers Urnen aufbewahrt werden. Da dies nach geltendem Recht (Friedhofszwang) nicht zulässig ist, musste für eine Beisetzungsform gesorgt werden, die sowohl den Rechtsnormen entspricht, als auch die Ausübung der buddhistischen Religion ermöglicht. In Zusammenarbeit mit dem buddhistischen Abt der Pagode wurde alsbald ein Grabfeld auf dem Friedhof Seelhorst gefunden, in dem Urnenreihengräber und Urnenwahlgräber eingerichtet wurden. Mit einer besonderen Zeremonie wurden 1990 die Urnen aus der Pagode, die sich in unmittelbarer Nähe des Friedhofes befindet, zum Friedhof überführt und dort beigesetzt. Die Gräber werden von den Angehörigen satzungskonform gepflegt. Einige Gräber sind bei örtlichen Friedhofsgärtnereien in Pflege. Die Urnenreihengräber befinden sich in einem von der Friedhofsverwaltung vorbereiteten Band aus bodendeckenden Pflanzen (Cotoneaster). Zeugen einer fremden Kultur sind die vielen Früchte, die von den Angehörigen auf den Gräbern abgelegt werden und viele, viele Räucherstäbchen.

Anstelle christlicher Zeichen findet sich auf den Grabplatten das Abbild der Lotusblüte als verbindendes Zeichen des Buddhismus. Auch in dieser Abteilung steht die Friedhofssatzung der Landeshauptstadt Hannover über den vielen einzelnen Absprachen, die mit dem Abt getroffen wurden. Aber auch hier ist das Bemühen der Stadt Hannover, eine würdevolle Ruhestätte zu ermöglichen, unübersehbar. So wird der buddhistischen Gemeinde auch nach erfolgter Einäscherung noch ermöglicht, in ihrer Pagode eine Urnenfeier vorzunehmen.Die Verwaltung hat die Genehmigung erteilt, innerhalb des Gräberquartiers einen Altar zu errichten.