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Rats- und von- Soden- Kloster

Geschichtliches

Bereits vor mehr als 420 Jahren stellte Mauritius von Sode die Stiftungsurkunde aus.

RVSK detail © Landeshauptstadt Hannover

Detailaufnahme der Fassade des Rats- und von- Soden- Klosters

Im Jahr 1533 setzten sich in Hannover die Anhänger der Reformation durch. Der Sieg der Lutheraner hatte weit reichende Folgen. Zu diesen zählte, dass die Barfüßer-Mönche der Stadt im Wortsinne den Rücken zukehrten. Sie blieben der katholischen Lehre treu und verließen ihr Kloster am Leineufer. Das Bauwerk, nun als „Altes“ oder „Rats-Kloster“ bekannt, sollte aber auch in Zukunft religiösen und sozialen Zwecken dienen, namentlich „kümmerlichen Leuten“ und „armen, elenden Frauenspersonen“ Unterkunft gewähren. Ermöglicht wurde dies durch eine Stiftung der Schwestern Johanna und Catarina Romel. Nach den Familiennamen ihrer verstorbenen Ehemänner trug sie den Namen „Friesen-Semmernsches Legat“. Die Stiftungsmittel dienten ab etwa 1550 nicht nur zu Finanzierung der Unterbringung von zwölf alten Frauen, sondern auch zu anderen sozialen Zwecken.

Am 12. September 1587 stellte auch Mauritius von Sode eine Stiftungsurkunde aus. Er war Geistlicher, Sohn eines früheren Ratsherrn und stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Sein Wunsch war, dass man die Stiftungsmittel zur Einrichtung eines „Hospitals“ nutzen möge, das jeweils neun armen Männern und Frauen Unterkunft gewähren solle. Das Wohnstift, später als „Neues“ oder „Von-Soden-Kloster“ bezeichnet, entstand auf dem Gelände des Alten Klosters.

Allerdings war ein Einzug verarmten Bürgern und vorrangig Mitgliedern der Familie von Sode vorbehalten. Anders als heute besaß nur ein kleinerer Teil der Einwohnerschaft – namentlich die Hausbesitzer – das Bürgerrecht. Doch auch Angehörige einer solchen, gehobenen sozialen Schicht konnten hilfsbedürftig werden. Im Neuen Kloster erhielten die Insassen freie Wohnung und weitere Vergünstigungen wie eine monatliche Zuwendung. Im Gegenzug wurde ihr Besitz auf die Stiftung übertragen. Bereits 100 Jahre nach der Gründung lebten außer einem handwerklich geschickten Hofmeister als Aufsichtsperson fast nur noch verwitwete Frauen im Von-Soden-Kloster.

Die Leitung war fünf „Patronen“ übertragen. Unter ihnen befanden sich das jeweils älteste Mitglied der Stifterfamilie sowie Vertreter von Zünften und der Bürgerschaft. Die Zinsen des Stiftungsvermögens sicherten den Unterhalt des Hospitals bis – dieses Schicksal traf viele Legate in Deutschland – die Inflation der frühen 1920-er Jahre das Kapital entwertete. Eine Folge war, dass die Bewohnerinnen nun Miete zu zahlen hatten.

Von der Leine auf die Bult

1636 beendete Herzog Georg von Calenberg die Epoche städtischer Selbstständigkeit und machte Hannover zur Residenz. Er wählte das Alte Kloster als ersten Wohnsitz; später entstand hier das Leineschloss mit einer zur Schlosskirche umgewandelten Klosterkapelle. Die Stiftungsgebäude wurden als Doppelhaus am Leineufer nahe dem Beginenturm neu errichtet.

Über die Wohnverhältnisse in dem 1943 zerstörten Fachwerk-Komplex ist wenig bekannt. Die Hausordnungen waren streng; und Mitte des 19. Jahrhunderts stand in der Regel jeder Insassin wohl nur ein unbeheizter Raum von gut vier Quadratmetern Fläche zur Verfügung.

1890/91 entschloss sich die Stadt, beide Klöster und das Stift zum Heiligen Geist auf die damals abgelegene Bult zu verlegen – was nicht nur auf Begeisterung der Betroffenen stieß. Dennoch entstand 1893/95 ein Neubau, der mit dem neuen Heiliggeiststift ein eindrucksvolles Ensemble bildet. Obwohl seit 1912 auch das Von-Soden-Kloster städtisch verwaltet wurde und die Einrichtungen inzwischen als Wohnstifte für bedürftige Frauen gleiche Aufgaben wahrnahmen, blieb eine Vereinigung noch aus.

In beiden Stiftungen war ein Insasse zur Aufsichtsperson bestimmt: die „Lesefrau“ im Ratskloster und der Hofmeister, später die Hofmeisterin im Von-Soden-Kloster. Diese Positionen wurden ab 1928 in der Hand einer städtischen Kraft vereinigt, die mehr und mehr als Sozialbetreuerin fungierte. 1939 erließ man eine gemeinsam Verwaltungsordnung. Bei der umfangreichen Sanierung des Gebäudes in den Jahren um 1980 fiel dann auch die letzte, rein räumliche Trennwand.

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