Neue Mobilität

nemoH

  

Der autonome Shuttle in der Region Hannover

Im europäischen Konsortialprojekt zur Planung von autonomen Verkehren PAV werden die Einsatzmöglichkeiten von autonomen Fahrzeugen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die daraus resultierenden Anforderungen an eine kommunale Aufgabenträgerin untersucht.

Als Projektpartnerin besteht für die Region Hannover in diesem Zusammenhang das Hauptziel im Aufbau und Betrieb eines Pilotvorhabens zum mehrwöchigen Einsatz eines automatisierten Busses im regelmäßig verkehrenden ÖPNV. Der automatisierte Bus soll das Fahrtenangebot auf einer bestehenden Linie außerhalb der Hauptverkehrszeiten ergänzen. Im Projekt sollen sicherheitsrelevante, technische und sozialgesellschaftliche Fragestellungen tiefergehend analysiert werden. Darüber hinaus verspricht man sich durch das Vorhaben Lerneffekte für zukünftige Projekte mit autonomen Fahrzeugen im ÖPNV.

Weitere Standorte für den Einsatz autonom fahrenden Kleinbussen im PAV Projekt finden sich in Almere (Niederlande), Varberg (Schweden) und in Inverness (Schottland). An allen Standorten wird der Einsatz automatisierter Fahrzeuge wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Untersuchung der Akzeptanz von neuen Technologien. Hierzu werden umfangreiche Befragungen an den Standorten der Pilotvorhaben durchgeführt. Darüber hinaus werden begleitende Workshops durchgeführt und Erfahrungen im Rahmen der Begleitforschung dokumentiert.

Gefördert durch

 

Das Fahrzeug

Das für das Pilotvorhaben ausgewählte Fahrzeug EZ10 der französischen Firma EasyMile erfüllt alle Anforderungen an das vollautomatisierte Fahren. Dies entspricht der Automatisierungsstufe 4 nach dem Verband der Automobilindustrie (VDA*). Demnach ist im Rahmen eines fest definierten Anwendungsfalls kein/e Fahrer/in erforderlich. Das System kann alle dort auftretenden Situationen eigenständig und vollautomatisch bewältigen. Aufgrund der geltenden Zulassung muss das Fahrzeug dennoch dauerhaft von einer Begleitperson überwacht werden, welche im Notfall eingreifen kann. Aus diesem Grund handelt es sich bei unserem Projekt um ein „hochautomatisiertes“ Pilotvorhaben der Stufe 3.  Das Begleitpersonal der regiobus wurde im Vorfeld entsprechend für die Überwachung und Steuerung des Fahrzeugs geschult und ausgebildet.

Der automatisiert fahrende Kleinbus wird rein elektrisch angetrieben und erreicht in dem Pilotvorhaben in Garbsen eine Geschwindigkeit von 15 km/h. Die Kapazität des Akkus ist für den täglichen Betrieb ausreichend, sodass eine Aufladung während der Betriebszeiten nicht notwendig ist. Das Fahrzeug verfügt über insgesamt 6 Sitzplätze, ein Transport im Stehen ist nicht gestattet. Eine barrierefreie Nutzung wird über eine elektrisch ausfahrbare Rampe gewährleistet.

Das Fahrzeug wurde vom TÜV begutachtet und von der zuständigen Zulassungsbehörde für den Einsatz im Straßenverkehr genehmigt.

*Verband der Automobilindustrie. (2015). Automatisierung – Von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren (VDA, Hrsg.). Berlin

Strecke und Betrieb

Der automatisierte Bus wird auf der Route der Linie 404 in Garbsen ergänzend zum Einsatz kommen. Der Betrieb erfolgt durch die regiobus Hannover GmbH. Die Linie 404 stellt derzeit die Verbindung von der Stadtbahnlinie 4 zum Maschinenbaucampus der Leibniz Universität Hannover her. Der Start- und Endpunkt befindet sich an der Stadtbahn-haltestelle „Schönebecker Allee“, an der eine eigene Busspur die Möglichkeit für ein sicheres Halten bis zur nächsten Fahrt ermöglicht. Die ca. 2 km lange Strecke führt von dort aus zur Bushaltestelle „Garbsen-Mitte / An der Universität“ und anschließend wieder zurück. Die Fahrzeit für einen Umlauf des automatisiert fahrenden Busses verlängert sich im Vergleich zur Linie 404 aufgrund der geringeren Fahrgeschwindigkeit entsprechend. 

Es werden zwei Kreisverkehre, von denen einer zum Wenden genutzt wird, und eine ampelgesteuerte Kreuzung passiert. Für den Zeitraum des Pilotvorhabens wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke aus Gründen der Verkehrssicherheit in allen Bereichen der Strecke auf 30 km/h reduziert. Zusätzlich weisen an allen Zufahrten zur Strecke Tafeln und Schilder auf den Betrieb des automatisierten Fahrzeugs hin. Entlang der Strecke wurde bei Bedarf die Fahrbahnmarkierung erneuert.

Für den Fall eines unerwarteten Ausfalls des automatisierten Busses steht der reguläre Linienbus während der gesamten Betriebszeit in unmittelbarer Nähe zur Verfügung. Ein dauerhafter Betrieb der Linie 404 ist somit sichergestellt.

Zeitraum und Betriebszeiten

Der automatisierte Bus soll außerhalb der Hauptverkehrszeiten als Ergänzung zum bestehenden Linienbusverkehr eingesetzt werden. Er wird in den Schwachlastzeiten verkehren und die Linie 404 ergänzen.

Der Betriebsbeginn mit Fahrgästen ist für den 29. August 2022 geplant. Der Betriebszeitraum erstreckt sich über 2,5 Monate, sodass der Betrieb des automatisierten Fahrzeugs zum 7. November 2022 voraussichtlich enden wird.

Tarif

Die Kosten für eine Fahrt mit dem automatisierten Bus entsprechen denen für eine normale Fahrt mit der Linie 404. Alle Abos und Monatskarten gelten in gleicher Weise auch für die Nutzung des automatisierten Busses. Der Tarif bleibt somit der Gleiche, ein Aufschlag wird nicht erhoben.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum autonomen Shuttle gibt es auf www.gvh.de/nemoh und www.regiobus.de/nemoh.

Planning for Autonomous Vehicles

Online-Befragung: Sind automatisierte Fahrzeuge eine Option?

Erfahrungen mit nemoH werden wissenschaftlich ausgewertet.

lesen

FAQ

Für was steht die Abkürzung „PAV“ und worum geht es dabei?

PAV steht für Planning for Autonomous Vehicles (deutsch: Planung von autonomen Verkehren). Es beschreibt ein europäisches Konsortialprojekt in dem die Einsatzmöglichkeiten von automatisierten Fahrzeugen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und die daraus resultierenden Anforderungen an einen kommunalen Aufgabenträger, wie z.B. die regiobus oder die ÜSTRA untersucht werden.

Was bedeutet der Begriff „nemoH“?

nemoH steht für „Neue Mobilität Hannover“ oder „New Mobility Hannover“.

Was sind die Projektziele?

Für die Region Hannover besteht das Hauptziel im Aufbau und Betrieb eines Pilotvorhabens zum mehrwöchigen Einsatz eines automatisierten Kleinbusses im regelmäßig verkehrenden ÖPNV. Der automatisierte Kleinbus soll das Fahrtenangebot auf einer bestehenden Linie außerhalb der Hauptverkehrszeiten ergänzen. Im Projekt sollen sicherheitsrelevante, technische und sozialgesellschaftliche Fragestellungen tiefergehend analysiert werden. Darüber hinaus verspricht man sich durch das Vorhaben Lerneffekte für zukünftige Projekte mit autonomen Fahrzeugen im ÖPNV.

Wer sind die Projektpartner*innen und Unterstützer*innen?

Der Betrieb wird von der regiobus Hannover GmbH durchgeführt. Die Bereitstellung, Wartung und Einrichtung von Fahrzeug und Strecke werden von der EasyMile GmbH und Pendel Mobility zur Verfügung gestellt bzw. unterstützt. Projektmanagementleistungen erbringt die steuern lenken bauen Projektsteuerung Region Hannover GmbH. Die Unterstützung, Prüfung und Gutachtenerstellung im Hinblick auf die Erlangung einer Betriebserlaubnis, Zulassung und Ausnahmegenehmigung für den automatisierten Betrieb erfolgte durch die TÜV Nord AG. Inhaltliche und juristisch wurde das Projekt durch die Organisation iTUBS der Technischen Universität Braunschweig und BBG und Partner unterstützt.

Was kostet das Projekt?

Das Budget des Pilotprojekts beträgt etwa 430.000 € und wird zu 50 % über das PAV Projekt durch Interreg North Sea Region finanziert. 

Wo findet der Betrieb statt?

Der automatisierte Kleinbus wird auf der Route der Linie 404 in Garbsen ergänzend zum Einsatz kommen. Die Linie 404 stellt derzeit die Verbindung von der Stadtbahnlinie 4 zum Maschinenbaucampus der Leibniz Universität Hannover her. Der Start- und Endpunkt befindet sich an der Stadtbahnhaltestelle „Schönebecker Allee“.

Wie und warum wurde die Strecke ausgewählt?

Hauptargument für die Strecke der Linie 404 war vor allem die kurze Streckenlänge (ca. 2 km), die für die dort eingesetzten Busfahrer*innen auf Dauer sehr belastend ist. Der automatisierte Kleinbus kann somit als Entlastung außerhalb der Hauptverkehrszeiten dienen. Außerdem ist die Strecke anbaufrei und verkehrlich gut für die Erprobung eines hochautomatisierten Kleinbusses geeignet. Ferner war die Funktion der Linie als Zubringer von der Stadtbahnhaltestelle zum Maschinenbaucampus und umgekehrt ein Auswahlkriterium für die Strecke. Diese „First- und Last-Mile“ Fahrten eignen sich besonders für den Einsatz von automatisierten Kleinbussen, da sie weitere Alternativen und Möglichkeiten für diese kurzen Wege aufzeigen.

Ist der Betrieb des hochautomatisierten Kleinbusses im Straßenverkehr sicher?

Die Gewährleistung eines sicheren Betriebs des automatisierten Kleinbusses ist die Grundvoraussetzung für die Zulassung bzw. die Inbetriebnahme. Hier ist eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Das eingesetzte Fahrzeug verfügt über Kameras und Lidarsensoren. Lidar steht für „Light detection and ranging“. Das Lidar-System ist eine Art Scanner. Das Erkennen von Hindernissen in einem vorgegebenen Gefahrenbereich ist somit garantiert. Zudem fahren die Fahrzeuge passiv und reagieren bei jeder potenziellen Gefahrensituation sehr vorsichtig. Im Fahrzeug befindet sich immer eine Begleitperson, die die Funktion einer Fahrzeugführerin bzw. eines Fahrzeugführers übernimmt und im Ausnahmefall auch steuernd während der Fahrt eingreifen kann.

Weiterhin wird für den Zeitraum des Pilotvorhabens die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke aus Gründen der Verkehrssicherheit in allen Bereichen auf 30 km/h reduziert. Zusätzlich werden an allen Zufahrten zur Strecke Schilder und Tafeln auf den Betrieb des automatisierten Fahrzeugs hinweisen. Entlang der Strecke wurden vor der Inbetriebnahme die Fahrbahnmarkierungen erneuert.

Von wem wurde die Genehmigung für den Betrieb erteilt?

Die Betriebsgenehmigung wurde durch die örtliche Zulassungsbehörde erteilt. Die technische Begutachtung und Abnahme des Fahrzeugs erfolgte durch den TÜV Nord.

Ist der Kleinbus barrierefrei?

Ja, selbstverständlich ist der Kleinbus ist barrierefrei. Eine elektrisch ausfahrbare Rampe ermöglicht einen stufenfreien Zugang zu dem Fahrzeug.

Wie schnell fährt der automatisierte Kleinbus?

Der automatisierte Kleinbus wird mit einer Geschwindigkeit von maximal ca. 15 km/h fahren.

Warum fährt der Bus nicht schneller?

Die mechanische Höchstgeschwindigkeit des EZ10 beträgt 45 km/h, jedoch wird die Betriebsgeschwindigkeit im autonomen Modus mit der eingebetteten EasyMile-Software während des Fahrzeugbetriebs je nach Softwarefunktionen und Standortkonfiguration auf 15km/h begrenzt. Dies dient dazu, ein Höchstmaß an Sicherheit während des Betriebs zu gewährleisten.

Welches Fahrzeug wird eingesetzt?

Das eingesetzte Fahrzeug ist ein EZ10 der zweiten Generation des Herstellers EasyMile. Obwohl das Fahrzeug grundsätzlich alle Anforderungen an das vollautomatisierte, fahrerlose Fahren erfüllt, wird in Garbsen ständig ein/e Begleitfarher/in ab Bord sein, um im Notfall und bei unvorhergesehen Hindernissen (e.g. falsch geparkte Autos, Baustellen) die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Dies entspricht der Automatisierungsstufe 3 “hochautomatisiert“ nach dem Verband der Automobilindustrie (VDA).

Was ist der Unterschied zwischen dem autonomen und dem (hoch)automatisierten Fahren?

Beim (hoch-)automatisierten Fahren übernimmt das Fahrzeug nur für ausgewählte Situationen die Steuerung und die Fahrtüberwachung. Beim vollautomatisierten oder autonomen Fahren übernimmt das Fahrzeug die gesamte Steuerung und die Fahrtüberwachung in allen Situationen. Die oder der Begleitfahrer*in wird zum Fahrgast.

Wer ist der Betreiber des automatisierten Kleinbusses?

Betreiber des automatisierten Kleinbusses ist die regiobus Hannover GmbH.

Ist der automatisierte Kleinbus in eine Leitstelle eingebunden?

Ja, der automatisierte Kleinbus ist in der Leitstelle der regiobus Hannover GmbH eingebunden.

Wie sind die Fahrzeiten? – Wann fährt der Kleinbus? – Woher weiß ich wann der Kleinbus kommt?

Der automatisierte Kleinbus soll außerhalb der Hauptverkehrszeiten als Ergänzung zum bestehenden Linienbusverkehr eingesetzt werden.

Der Betriebsbeginn ist für den 29. August 2022 geplant. Der Betriebszeitraum erstreckt sich über 2,5 Monate, sodass der Betrieb des automatisierten Fahrzeugs zum 7. November 2022 voraussichtlich wieder eingestellt wird.

Muss ich eine Fahrt anmelden?

Der Kleinbus verkehrt nach einem festen Fahrplan. Eine Fahrt muss nicht angemeldet werden. Sofern ausreichend Platz in dem Fahrzeug vorhanden ist, kann die Mitfahrt erfolgen.

Brauche ich eine Fahrkarte und was kostet eine Fahrt?

Ja, eine Fahrkarte ist erforderlich. Diese muss vor der Fahrt erworben werden. Die Kosten für eine Fahrt mit dem automatisierten Kleinbus entsprechen denen für eine normale Fahrt mit der Linie 404. Alle Abos, Monatskarten oder sonstige Ermäßigungen gelten in gleicher Weise auch für die Nutzung des automatisierten Kleinbusses. Der Tarif bleibt somit der gleiche, ein Aufschlag wird nicht erhoben. à Link zu regioBus, Verweis auf App

Bremst der Kleinbus bei Hindernissen? – Weicht der Kleinbus Hindernissen aus?

Mit Hilfe der eingebauten LiDAR-Sensoren und Kameras bremst das Fahrzeug bei plötzlichen Hindernissen automatisch ab. Im Laufe des Projektes wird stets nur ausgewichen, wenn die Begleitperson das Fahrzeug manuell bedient.

Wie viele Personen können in dem Kleinbus mitfahren?

Der Kleinbus bietet Platz für 6 Fahrgäste. Eine Mitnahme im Stehen ist nicht gestattet.

Was machen die Sicherheitsfahrenden?

Das Begleitpersonal ist während der Fahrt für die Überwachung des Systems verantwortlich. Im Falle eines Hindernisses muss das Fahrzeug von dem/der Sicherheitsfahrer*in manuell bedient und gesteuert werden.