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Eltern als sicherer Hafen

Die Welt in Mamas und Papas Gesicht erfahren und verstehen lernen

Wie Eltern ihre Kleinsten in Zeiten von Corona unterstützen können. 

Wenn der Alltag im Rhythmus ist, ist er sicher. Menschen – die Großen und auch schon die Kleinsten – wissen das. Denn Rhythmus, Struktur und Rituale geben Sicherheit und Orientierung. Besonders in Zeiten, in denen wir Eltern selbst verunsichert sind, brauchen die Kleinen Halt durch Vertrautes. In Zeiten von Homeoffice, Krippen- und Kita-Schließungen ist es wichtig, an vertrauten Ritualen und Abläufen festzuhalten – als Anker für Halt und Sicherheit!

Hierzu gehören in den meisten Familien feste gemeinsame Essens- und Zubettgehzeiten, ein Abendritual mit Geschichte und Kuscheln, ein beschränkter Medienkonsum etc.. Größere Kinder genießen Ausnahmen und Besonderheiten – sie können diese einordnen und manchmal sogar schon wertschätzen. Bei unseren Kleinsten würden solche Maßnahmen eher das Gegenteil bewirken und zu Verunsicherung und Irritation führen.

Die Kleinsten brauchen Schon- und Freiräume vom allumfassenden Thema Corona – und altersangemessene Erklärungen

Besonders jetzt, wo wir Eltern häufig mit den Geschehnissen in der Welt und unseren eigenen Themen, Ängsten, Sorgen und Hoffnungen beschäftigt sind, ist es wichtig, unsere Kleinen gut im Blick zu behalten. Wir sollten sie vor den Bildern in den Medien schützen, sie keine Nachrichten sehen oder hören lassen und auch wohl überlegen, in wie weit wir bei Gesprächen mit anderen Erwachsenen "offen sprechen". Hilfreich und wichtig ist eine altersangemessene kindgerechte Erklärung der aktuellen Umstände z.B. mithilfe von Geschichten (zum Beispiel Aufregung im Wunderwald) Auch unsere eigenen Gefühle sollten wir in Anwesenheit unserer Kinder so gut wie möglich regulieren, um die Kinder nicht zusätzlich zu irritieren und zu verunsichern.

Babys brauchen Bezugspersonen, die verfügbar sind, das heißt ansprechbare, präsente Eltern, die sich den Bedürfnissen des Säuglings annehmen, das Handy beiseitelegen und sich dem Kind widmen. Auch Krippen- und Kitakinder verlangen häufiger nach uns und brauchen mehr Aufmerksamkeit als die älteren Schulkinder. Hier kann es hilfreich sein, die Homeoffice-Tätigkeit zumindest teilweise in die Schlafenszeiten der Kinder zu legen, sofern möglich die innerfamiliären Betreuungszuständigkeiten klar aufzuteilen und sich fürs Homeoffice in einen anderen Raum zurückzuziehen (sofern der andere Elternteil die Betreuung übernimmt). Außerdem können kleine gemeinsame Auszeiten, zum Beispiel beim Buchbetrachten, Versteckspielen, Lego-Bauen eine willkommene Insel im herausfordernden Alltag sein. Für unsere Kleinsten sind solche Momente besonders wichtig, da sie hier Kraft und Nähe tanken können.

Gefühle regulieren

Je kleiner Kinder sind, desto mehr benötigen sie die Rückversicherung bei den wichtigsten Bezugspersonen. Dies geschieht, indem sie in unser Gesicht schauen und wahrnehmen, was in unserer Mimik und in unserer Gestik passiert. Und sie nehmen wahr, was wir sagen und tun. Wenn Kinder etwas erleben, das sie nicht verstehen, schauen sie uns an und gucken, wie wir in der Situation reagieren. Den Umgang mit Gefühlen müssen Kinder erst lernen. Dies tun sie mit unserer Unterstützung, indem sie sich an unseren Gefühlen und an unserem Verhalten orientieren.

Wir können unseren Kindern dabei helfen, sich selbst und die eigene Gefühlswelt besser kennen zu lernen, indem wir die Gefühle unserer Kinder aufmerksam wahrnehmen, sie benennen, sie aushalten, sie nicht persönlich nehmen, selbst ruhig bleiben und uns immer wieder vor Augen führen, dass auch Gefühlsregulation erst gelernt werden muss.

Gerade jetzt werden Kinder mit vielen Frustrationen konfrontiert. Sie können ihre Anspannung, ihre Enttäuschung, ihre Irritation, Wut usw. häufig noch nicht so angemessen äußern, wie wir Eltern es uns manchmal vielleicht wünschen würden. Manchmal führen Kleinigkeiten zur Eskalation, welche eigentlich Stellvertreter für all die angesammelten Gefühle und Frustrationen des bisherigen Tages sind. Und je weiter der Tag voranschreitet, desto größer wird die Gemengelage aller Gefühle. Dies ist auch für uns Eltern häufig eine Herausforderung.

Für unsere Kinder ist es aktuell verunsichernd, wenn sie auf einmal Dinge nicht mehr dürfen, die vorher ganz alltäglich waren. Da sie ein anderes Zeitgefühl als wir Erwachsenen haben, sie viel mehr im Hier und Jetzt leben, müssen sie jeden Tag aufs Neue verstehen, dass es auch heute wieder nicht in die Kita / zur Oma / in den Zoo etc. geht. Jeden Tag werden sie also wieder mit frustrierenden Versagungen konfrontiert, deren Grund sie nicht wirklich begreifen können.

Diese Herausforderungen, Gefühle zu regulieren, in Kombination mit unseren eigenen elterlichen Belastungen führen dazu, dass viele Kinder anstrengender, fordernder, anhänglicher, weinerlicher etc. werden. Sie brauchen viel Rückversicherung bei uns Eltern. Einige zeigen so genannte Anpassungszeichen; sie schlafen schlechter ein und durch, verlangen wieder nach dem Nuckel, nässen ein oder zeigen andere kleine Entwicklungsrückschritte.

Kinder zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie widerstandsfähig und belastbar sind. Sie sind anpassungsfähiger und naiver als wir Erwachsenen; sie können sich die Sorgen, die uns Eltern momentan umtreiben, noch nicht wirklich vorstellen. Das kann in dieser Situation auch manchmal von Vorteil sein.

Das allerwichtigste für unsere Kinder sind und bleiben ihre Eltern! Und diese sind in der aktuellen Situation so präsent und greifbar, wie eventuell selten zuvor. Der von uns Erwachsenen häufig als schmerzlich erlebte Verzicht auf so Vieles ist für unsere Kleinsten somit deutlich weniger dramatisch, als wir uns manches Mal vorstellen, denn: Sie haben ihren sicheren Hafen – uns Eltern!

Was können wir Eltern tun?

Wichtig ist, dass wir unsere Kinder gerade jetzt gut auffangen. Dies kann manchmal ein Balanceakt sein, da wir Eltern durchaus mit eigenen Belastungen konfrontiert sind. Eine hilfreiche Herangehensweise könnte es sein, unsere eigenen Gefühle zu benennen, wenn wir es gerade einmal nicht schaffen, sie angemessen zu regulieren. Dass wir authentisch sind und dann einräumen, uns gerade Sorgen zu machen, traurig zu sein oder ähnliches. Größtenteils sollten wir jedoch als Unterstützer unserer Kleinen handeln, wenn diese in emotionale Schieflagen geraten.

Kinder reagieren unterschiedlich auf diese momentanen Herausforderungen der Corona-Krise - manche mehr und manche weniger. Wichtig ist, dass wir sie mit ihren Gefühlen akzeptieren, ihnen helfen, diese zu regulieren. Den Kindergartenkindern können wir schon Gesprächsangebote machen, sie immer mal wieder nebenbei fragen, was sie denken, was sie beschäftigt. Und ihnen die Situation altersangemessen und kindgerecht verständlich machen.

Was wir für uns selbst tun können, ist eine gute Selbstfürsorge, ein liebevoller und umsichtiger Umgang mit uns selbst und unseren Liebsten.

Partnerschaftskonflikte und Meinungsverschiedenheiten in Erziehungsfragen, die gerade auftreten, wenn beide Eltern gemeinsam viel Zeit zuhause mit den Kindern verbringen, sollten nicht vor den Kindern ausdiskutiert werden. Sofern möglich wäre es hilfreich, diese auf die Schlafenszeiten der Kinder zu "vertagen". Und wenn die Klärung nicht so einfach ist, ist es hilfreich, professionelle Hilfe und Unterstützung in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel in einer Familien- und Erziehungsberatungsstelle.

Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf

Telefon +49 511 61621590 | FEB.Burgdorf@region-hannover.de

Familien- und Erziehungsberatungsstelle Neustadt

Telefon +49 511 61626300 | FEB.Neustadt@region-hannover.de

Familien- und Erziehungsberatungsstelle Ronnenberg

Tel. 0511 616 23630, FEB.Ronnenberg@region-hannover.de

(Veröffentlicht am 7. Mai 2020. Text: Sonja Walkling)