Visionär

"City Roofwalks" verbinden begrünte Dächer in der Innenstadt

Unterwegs auf grünen Dächern:  In der City von Hannover soll ein besonderes Programm zur Dachbegrünung umgesetzt werden – mit üppig bepflanzten Dachgärten und Fassadenbegrünungen ("hängende Gärten"). So soll – beginnend mit einem Pilotprojekt – eine durch City-Roofwalks (Brücken von Dach zu Dach) verbundene ökologisch wirksame und erlebbare neue Dachlandschaft entstehen. Hintergrund sind die im Rahmen des Klimawandels erforderlichen Anpassungsmaßnahmen zur Hitze- und Starkregenvorsorge, die Steigerung der klimatischen und ästhetischen Aufenthaltsqualität der City und die Ermöglichung ganz neuer Aufenthaltsqualitäten mit Blick über die Stadt Hannover. 

Blick über Galeria Kaufhof entlang der Schmiedestraße.

Hannovers Innenstadt ist von Gebäuden aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahren geprägt. Diese Gebäude sind fast ausschließlich mit Flachdächern ausgestattet, die sich im Sommer aufheizen und keinen Regen zurückhalten. Die ökologischen Verbesserungen durch neue Gärten sollen auch ästhetisch ansprechend und nutzbar für viele Menschen sein. Damit nicht nur einzelne Dächer erlebbar sind, sollen über und vor Gebäuden und Straßen angelegte "Roofwalks" als Dachverbindungen die neuangelegten Dachgärten miteinander verbinden und einen Spaziergang über der Innenstadt ermöglichen.

Die Vision

Auf dem Kaufhof Bahnhofstraße wird ein Gemüsegarten mit Salat und Tomaten direkt vor den Augen der Gäste beerntet. Daraus werden kleine Köstlichkeiten im Dachgartenbistro zubereitet. Auf dem ehemaligen Karstadt-Gebäude in der Georgstraße lädt ein Kaffeegarten zum Verweilen ein, mit direktem Zugang zu den darunterliegenden Verkaufsräumen. Eine Lounge auf dem Kaufhof an der Schmiedestraße wird der angesagte Ort für Cocktails im Angesicht der Marktkirche - die Zutaten für den "Hannover Rooftop Garden Gin" wachsen in Sichtweite. Aber auch viele andere nichtkommerzielle Orte, vorzugsweise auf städtischen Gebäuden oder Gebäuden städtischer Töchter, wie die Dächer der Parkhäuser, eignen sich für Hannovers höchsten Spielplatz, Sportangebote wie Beachvolleyball oder einfach nur für Liegestühle in einer Gräserlandschaft, um damit ganz neue Erlebnisse und Blickwinkel auf die Stadt zu ermöglichen. Neben den bereits vorhandenen gesicherten und bewachten Aufgängen über die Parkhäuser dienen gläserne Aufzüge als Zugang auf die Dächer. Eventuell geht es auf einer Riesenrutsche wieder hinunter. Ein ungewöhnliches Beleuchtungskonzept macht die Dachlandschaft auch nachts zu einem Erlebnis.

Das Pilotprojekt 

Als Pilotprojekt soll das oberste Parkdeck des Parkhauses Schmiedestraße aufgewertet werden. Es befindet sich im Eigentum der städtischen Tochtergesellschaft hanova GmbH und umfasst circa 3.300 Quadratmeter Fläche. Auf dem Dach sollen, neben extensiver und intensiver Begrünung, auch Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten und Ruhezonen entstehen. Außerdem soll durch Auskragungen des ehemaligen Parkdecks bereits die Verbindung zu den Nachbardächern angedeutet und eine Rundumsicht auf zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Stadt ermöglicht werden. Diese erste Maßnahme soll eine Initialzündung für die weitere Begrünung und Vernetzung benachbarter Gebäude über Brücken und Stege sein. Derzeit erfolgen Voruntersuchungen zur Ermittlung erforderlicher Umbaumaßnahmen am Gebäude in enger Abstimmung mit hanova.

 

Das Parkhaus Schmiedestraße (vorher).

Das Parkhaus Schmiedestraße als grüne Oase in luftigen Höhen.

Das Parkhaus Schmiedestraße.

Erfahrungen und Projekte, die dem Projekt "Roofwalks" zugute kommen

  • Hannovers Anpassungsstrategie zum Klimawandel beinhaltet auch das Thema Dachbegrünung. Die städtischen Dachflächen bieten Potenzial zur Verbesserung des Innenstadtklimas, zum Rückhalt von Regenwasser und als Lebensraum für viele Lebewesen. 
  • Gartenkultur hat in der Region Hannover eine lange Tradition mit gut vernetzten Akteur*innen. Die Idee der "Roofwalks" greift das Thema Gartenkultur auf und entwickelt es weiter. 
  • "Roofwalks" bieten die Chance, Impulse für den Einzelhandel in der Innenstadt zu geben, die Aufenthaltsqualität in der City zu steigern und ein Alleinstellungsmerkmal für den Städtetourismus zu schaffen.

Ein Leuchtturmprojekt für Hannover

Bei Nutzung aller Synergien wird der "City-Roofwalk" ein Leuchtturmprojekt, das zusätzlich die touristischen Angebote bereichert. Aber nicht nur für Besucher*innen – auch für die Umweltbildung werden Programme mit Führungen zu den verknüpften Teilthemen erstellt. Als Highlight kann die Einbeziehung der bildenden und performativen Kunst, mit speziell für die Orte entwickelten Kunstwerken und Veranstaltungen, eine ganz neue Adresse für die Kulturinteressierten der Stadt und ihre Gäste herausbilden.

"City-Roofwalk" kann ein Vorbild für andere (kriegszerstörte) Städte in Deutschland und Europa mit großen Stadterweiterungen in den Sechziger- und Siebzigerjahren sein.