HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Elektromobilität

Mit dem E-Auto durch den Winter

Spezialisten erläutern Hintergründe und geben Tipps, um auch bei Minusgraden mit dem E-Auto gut unterwegs zu sein.

Mensch in Winterkleidung beim Laden eines E-Autos © Quelle: ERGO Group

Im Winter sinkt die Akku-Reichweite bei E-Autos

Kalte Temperaturen verlangen Autos einiges an zusätzlicher Energie ab. Bei Verbrennungsmotoren steigt so der Kraftstoffverbrauch, bei E-Autos sinkt die Akku-Reichweite. Denn Innenraum-, Heck- und Frontscheiben-, Sitz- sowie eventuell Akku-Heizung verbrauchen Strom. Auch beim Laden und während der Fahrt gibt es in der kalten Jahreszeit Besonderheiten. Frank Mauelshagen, Kfz-Experte der ERGO Versicherung, erklärt die Hintergründe und gibt Tipps, um auch bei Minusgraden mit dem E-Auto gut unterwegs zu sein.

Energieräuber Kälte

Die Energie, die E-Autos produzieren, setzen sie bis zu 90 Prozent in mechanische Energie um. "Was sich effizient anhört, kann im Winter ein Nachteil sein. Denn während Verbrennungsmotoren die Abwärme in der kalten Jahreszeit zum Heizen nutzen, bezieht das E-Auto diese Energie direkt vom Akku", erklärt Frank Mauelshagen. Abhängig von der Außen- und der gewünschten Innentemperatur verbraucht die Heizung bis zu 5 Kilowatt. Gerade bei Autos mit geringer Akkukapazität macht das einiges aus. Außerdem laufen chemische Reaktionen, also der Ionentransport, im Akku aufgrund der Kälte langsamer ab. Das führt ebenfalls zu einer schnelleren Entladung. Verfügt das E-Auto über eine Akku-Heizung, benötigt auch diese Energie. Wer im Winter mit seinem E-Auto längere Strecken unterwegs ist, dem empfiehlt Mauelshagen, etwa ein Drittel der gesamten Reichweite für das Heizen und für unvorhersehbare Ereignisse einzuplanen.

Tipps, um den Akku zu schonen

Bei Kälte ist es besonders wichtig, den Akku zu schonen. Der Kfz-Experte empfiehlt beispielsweise, das Auto in einer Garage abzustellen. Denn dadurch kühlt der Akku weniger aus. Die Innenraumheizung lieber auf eine nicht so hohe Temperatur einstellen und dafür die Sitzheizung einschalten. "Die Sitzheizung braucht weniger Energie. Zudem geht ihre Wärme direkt auf den Körper über", weiß der Kfz-Experte. Im Vorteil sind übrigens E-Autos mit Wärmepumpe. Damit kann die Energie des Akkus effizienter für das Heizen des Innenraums genutzt werden. Wer keine Unterstellmöglichkeit für sein E-Auto und deshalb morgens vereiste Scheiben hat, sollte sie komplett freikratzen. Dadurch lässt sich die Energie sparen, die sonst die Heckscheibenheizung benötigen würde. Darüber hinaus rät der Experte, bereits beim Laden des E-Autos mithilfe der Vorheizfunktion den Innenraum zu wärmen. Das hat den Vorteil, dass die dafür benötigte Energie vom Stromnetz und nicht vom Akku kommt. Sind die Temperaturen besonders niedrig, ist es sinnvoll, den Akku nach einer Fahrt gleich wieder zu laden. So kühlt er nicht aus und seine Kapazität bleibt länger erhalten. Wichtig: "E-Autofahrer sollten keinesfalls an der Sicherheit sparen, um die Reichweite zu erhöhen. Das heißt: Niemals ohne Licht oder mit vereisten oder beschlagenen Scheiben fahren", so Mauelshagen.

Sicher unterwegs

E-Autofahrer sollten bei winterlichen Straßenverhältnissen besonders vorsichtig Gas geben. "Elektroautos können bereits im unteren Geschwindigkeitsbereich stark beschleunigen und drehen daher leicht durch. Falls möglich, ist es ratsam, auf den Eco-Betrieb umzuschalten. Beim Anfahren und Beschleunigen verringert sich dadurch die Kraft", so der Tipp des Kfz-Experten. Das sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern verringert auch den Energieverbrauch. Für das Laden gilt außerdem: Mehr Zeit einplanen, denn das Laden dauert im Winter in der Regel länger.

(Veröffentlicht: 28. Oktober 2019)