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Medizinische Hochschule

MHH: Förderung für Forschungsprogramm

Drei Arbeitsgruppen der Medizinischen Hochschule, die sich im Rahmen des Forschungsnetzwerks NeoCyst mit der Erforschung schwerer zystischer Nierenerkrankungen bei Kindern beschäftigen, erhalten weitere Fördergelder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Erbliche zystische Nierenerkrankungen gehören zu den sogenannten Seltenen Erkrankungen, mit etwa 300 bis 400 betroffenen Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Gleichwohl sind sie eine der häufigsten Ursachen für chronisches Nierenversagen bei Kindern, das oft in eine Organtransplantation mündet. Weil es so viele verschiedene beteiligte Gene und Varianten dieser angeborenen Erkrankung gibt, stellt sie Ärzte vor große Herausforderungen.

Netzwerk NeoCyst

Das interdisziplinäre Netzwerk NeoCyst arbeitet daran, die Gendefekte und Signalwege besser zu verstehen und so die Patienten besser beraten und versorgen zu können. Koordinierungszentrum ist die Universitätsklinik Münster. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind die Arbeitsgruppen von Professor Dr. Lars Pape, stellvertretender Direktor der Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen, Klinikdirektor Professor Dr. Dieter Haffner und Dr. Wolfgang H. Ziegler, Leiter des Forschungslabors der Klinik, sowie dem Leiter der Hannover Unified Biobank (HUB), Professor Dr. Thomas Illig, und Dr. Norman Klopp, Leiter des Biobank Labor und Repository, an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Konsortium beteiligt.

Zweite Förderperiode

Für die gerade beginnende zweite Förderperiode haben sie nicht nur mehr als eine halbe Million Euro Fördergeld erhalten. Die Arbeitsgruppen von Professor Pape und Professor Illig bekommen darüber hinaus eine zusätzliche Aufstockung in Höhe von 800.000 Euro.

Anzahl betroffener Patienten gering

Die Aufklärung der komplexen Erkrankung ist schwierig. Weil die Anzahl der betroffenen Patienten so gering ist, sind hochqualitative Biomaterialien, die von jedem einzelnen Patienten gewonnen werden, für die medizinische Forschung auf dem Gebiet zystischer Nierenerkrankungen von besonderer Bedeutung. Die HUB ist dafür verantwortlich, dass die wertvollen Proben im gesamten Netzwerk standardisiert verarbeitet und schließlich nach Hannover transportiert und im HUB Repository gelagert werden.

Biobank-Informations-Management-System

Eine ebenso wichtige Aufgabe der HUB ist es, die Daten zu den Proben im gesamten Netzwerk strukturiert einzugeben und unter Einhaltung des Datenschutzes nach Hannover zu transferieren. Deswegen wurde ein neues Biobank-Informations-Management-System (BIMS) angeschafft und etabliert. Biobank-Leiter Professor Illig kann dieses BIMS nun durch die Zusatzförderung so erweitern, dass Netzwerkpartner auch außerhalb der MHH davon profitieren.

Krankheitsverläufe unterschiedlich

"Die Forschung ist unerlässlich, denn noch gibt es für erkrankte Kinder keine Behandlung, die direkt bei den Ursachen ansetzt", betont Professor Pape. Auch seien die Krankheitsverläufe selbst bei Betroffenen derselben Familie so unterschiedlich, dass eine individuelle Beratung und Prognose sehr schwierig ist.

Untersuchung der Störung des Nierenepithels an Patientenzellen

Die Arbeitsgruppe von Dr. Ziegler und Professor Haffner untersucht die Störung des Nierenepithels an Patientenzellen, die aus dem Urin von Kindern mit zystischen Nierenerkrankungen gewonnen werden. Kindernephrologe Pape will in seinem Projekt Eiweißverbindungen im Urin der Patienten finden, die als Biomarker für die seltenen zystischen Nierenerkrankungen dienen. Ziel ist, einen Test zu entwickeln, der den Verlauf der Nierenfunktion innerhalb der nächsten zwei Jahre vorhersagen kann.

Anschaffung eines leistungsstarken Massenspektrometer

"Mit dem zusätzlichen Fördergeld können wir jetzt einen leistungsstarken Massenspektrometer anschaffen und unser Projekt noch einmal auf ein anderes Niveau heben", freut sich Professor Pape. In ersten Analysen konnte die Arbeitsgruppe zeigen, dass bestimmte Biomarker charakteristisch für spezielle zystische Nierenerkrankungen sind. "Um einen Test oder Medikamente entwickeln zu können, müssen wir aber die exakte Struktur der Biomarker analysieren können", erklärt der Nephrologe. Das neue Massenspektrometer erlaubt den Wissenschaftlern künftig einen solchen Blick.

(Veröffentlicht am 20. November 2019)