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TiHo & MHH

Gebündeltes Wissen zu Tierversuchsalternativen

TiHo und MHH erstellen digitale Lehr- und Lernmaterialien zum Thema Tierschutz und Alternativen zu Tierversuchen und machen sie für andere Lehrende freizugänglich – dies teilten die beiden Hochschulen am 15. September mit.

Mann vor Computer mit einer weiteren Apparatur © MHH / Karin Kaiser

Forscher (Symbolfoto)

Gute Lehre basiert auf guten Lehrmaterialen – sie zu erstellen ist zeitintensiv und aufwendig. Da an unterschiedlichen Hochschulen häufig dieselben Lerninhalte vermitteln werden, bietet es sich an, Lehrmaterialen zu bündeln und anderen Lehrenden zur Verfügung zu stellen. Das ist über die Open Educational Resources, OER, möglich. OER sind freie digitale Lehr- und Lernmaterialien mit einer offenen Lizenz, die anschließend von anderen Lehrenden genutzt und auch angepasst werden dürfen. An der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) werden nun genau solche Lehrinhalte zum Thema Tierschutz und Tierversuchsalternativen erstellt. Professor Dr. Bernhard Hiebl aus dem Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der TiHo leitet gemeinsam mit Dr. Marcel Mertz aus dem Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin der MHH das Projekt "Alternativen zum Tierversuch: Grundlagen, Beispiele und ethische Abwägung". Gefördert wird dieses Projekt mit knapp 180.000 Euro vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK).

Thema des Tandemprojekts von TiHo und MHH

Tierschutz ist für alle Tiermedizinstudierende ein Pflichtfach, auch in der Humanmedizin steht es im Lehrplan. Das dazugehörige Themengebiet der Alternativen zum Tierversuch bekommt bisher wenig Aufmerksamkeit. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die experimentell mit Tieren arbeiten, müssen sich auf dem Gebiet der Alternativmethoden fortbilden und sind dazu angehalten, wenn möglich, eine Alternativmethode dem Tierversuch vorzuziehen. Aber häufig bilden die Studierenden und Nachwuchsforschenden keine Verbindung zwischen den erlernten Methoden und der ethischen Reflexion und Abwägung. Deshalb ist es wichtig, freizugängliche Lehrmaterialen zu den Themen Tierschutz und Tierversuchsalternativen, die auch auf die ethischen Aspekte eingehen, zu erstellen. "Die im Projekt erstellten Materialien sind vor allem für Lehrende der Human-, Tier-, Zahnmedizin und Naturwissenschaften sowie Philosophie und Ethik gedacht", so Hiebl. TiHo-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben sich diesem Thema schon vor längerer Zeit gewidmet und die digitale Schulungsplattform für Alternativen zum Tierversuch, 3R-SMART, ins Leben gerufen. Die Plattform www.3r-smart.de enthält kurze Anleitungsvideos zu bereits entwickelten Alternativen zu Tierversuchen. "Auch an der MHH wird das Thema Tierversuchsalternativen aktuell im Rahmen des Forschungsverbundes R2N – 'Replace' und 'Reduce' aus Niedersachsen (www.r2n.eu), das ebenfalls vom MWK gefördert wird, intensiv beforscht. Nun wollen wir die Kompetenzen beider Arbeitsgruppen zusammenführen", so Mertz.

Inhalt der Open Educational Resources (OER)

Für die Studierenden sollen Schulungsvideos mit integrierten Wissensabfragen erstellt werden, die sie dazu befähigen, die Lerninhalte anzuwenden und auf neue Problemstellungen zu übertragen. Gleichzeitig sollen sie sie für das Thema begeistern und sie anregen, sich selbst damit auseinanderzusetzen. Geplant sind Videos zu den Grundlagen des 3R-Konzepts – Reduce, Refine, Replace – und der Tierversuchsethik. In einem weiteren Lernblock sollen sich die Studierenden mit der Situation und den Richtlinien zu Tierversuchen außerhalb der EU beschäftigen. Das dritte Lernangebot soll den Studierenden helfen, abzuwägen, ob tatsächlich ein Tierversuch nötig ist oder eine Alternativmethode verwendet werden kann. Die Studierenden fördern so ihre Fähigkeit zur ethischen Entscheidungsfindung. Zusätzlich zu den Videos zu diesen Themen, werden auch die bereits erstellten Videos zu Alternativmethoden der TiHo und der MHH in die OER integriert. So lernen die Studierenden die methodischen Anforderungen dieser Alternativen kennen.

(Veröffentlicht am 15. September 2020)