40 Jahre Gleichstellungsarbeit in Hannover - Hannover.de
Jubiläum
40 Jahre Gleichstellungsarbeit in Hannover
Vor 40 Jahren setzte die Landeshauptstadt Hannover ein deutliches Zeichen für Gleichberechtigung: Mit der Gründung des damaligen Frauenbüros gehörte Hannover zu den Vorreiterinnen in Niedersachsen und Deutschland. Das heutige Referat für Frauen und Gleichstellung blickt auf vier Jahrzehnte erfolgreicher Gleichstellungspolitik zurück.
Der offizielle Festakt auf dem Andreas-Hermes-Platz.
Am 2. Juni 1986 nahm das damalige „Referat für Gleichstellungsfragen – Frauenbüro“ seine Arbeit auf. Mit Dr. Ursula Müller wurde erstmals eine Frauenbeauftragte für die Landeshauptstadt Hannover berufen. Zu diesem Zeitpunkt verfügten nur wenige Städte in Deutschland über vergleichbare Einrichtungen, in Niedersachsen war Hannover sogar Vorreiterin.
In den ersten Jahren stand vor allem die Sichtbarmachung bestehender Benachteiligungen von Frauen im Mittelpunkt. In den Neunzigerjahren rückten die Entwicklung von Richtlinien und Regelungen zur Frauenförderung sowie die Verankerung von Gleichstellung in Verwaltung und Politik stärker in den Fokus.
Gleichstellung als Querschnittsaufgabe
Unter der Gleichstellungsbeauftragten Dr. Brigitte Vollmer-Schubert wurde das sogenannte Gender Mainstreaming maßgeblich vorangetrieben. Ziel war es, Gleichstellung als Aufgabe aller Verwaltungsbereiche zu etablieren und entsprechende Maßnahmen dauerhaft in den Strukturen der Stadtverwaltung zu verankern.
Das Logo zu 40 Jahre Referat für Frauen und Gleichstellung.
Heute werden in der Landeshauptstadt Hannover zahlreiche Instrumente und Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung dezernatsübergreifend angewandt.
Friederike Kämpfe setzte von 2013 bis 2023 wichtige Impulse für die strukturelle Verankerung von Gleichstellungsarbeit und engagierte sich insbesondere gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Bundesweite Aufmerksamkeit erhielt die Einführung einer geschlechtergerechten Verwaltungssprache.
Die heutige Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt entwickelt die bestehenden Instrumente und Netzwerke weiter und bringt dabei auch Erfahrungen aus bundesweiten Kooperationen ein.
Jubiläum im Neuen Rathaus
Bei einer Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen würdigte Oberbürgermeister Belit Onay die Arbeit der bisherigen und heutigen Gleichstellungsbeauftragten: „Die Gleichstellungsbeauftragten kämpften und kämpfen für nichts weniger als die Durchsetzung der Gleichstellung der Hälfte der Bevölkerung. Der Grundsatz ‚Männer und Frauen sind gleichberechtigt‘ steht zwar seit 1949 im Grundgesetz, ist aber immer noch lange nicht umgesetzt. In den vergangenen 40 Jahren gingen von den hannoverschen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten viele Impulse aus, um auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken.“ Er betonte weiter: „Sie haben dabei auch niedersachsen- und bundesweit Akzente gesetzt. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das ‚Hannoversche InterventionsProgramm‘ gegen (Männer)Gewalt in der Familie.“ Es sei aber falsch anzunehmen, in Gleichstellungsfragen sei alles erreicht und Gleichstellungsbeauftragte seien heute nicht mehr erforderlich. „Nur mit kontinuierlicher Arbeit schaffen wir es, die Rechte für Frauen und Gleichstellung zu sichern“, so Onay.
Auch die aktuelle Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt machte deutlich, dass Gleichstellungsarbeit weiterhin unverzichtbar bleibt: „Gleichstellungsarbeit ist demokratische Infrastruktur und sollte als solche geschützt werden. Denn leider erleben wir zunehmend antifeministische Angriffe, die den Nutzen und die Daseinsberechtigung von Gleichstellungsbeauftragten in Frage stellen. Schwierig ist daran, dass diese Form von Antifeminismus recht wirkmächtig ist. Besonders gefährlich werden diese zersetzenden Positionen vor allem dann, wenn sie nicht mehr nur von Rechtsaußen kommen, sondern wenn ihre Deutungsmuster übernommen werden. Ja, wir haben schon viel erreicht – auch dank der hervorragenden Arbeit meiner Vorgängerinnen. Aber nein: Es reicht leider noch nicht.“
Hannovers Gleichstellungsbeauftragte Luisa Arndt.
Wichtige Projekte der vergangenen Jahrzehnte
Das Referat für Frauen und Gleichstellung hat in den vergangenen 40 Jahren zahlreiche Projekte angestoßen und begleitet. Dazu gehören unter anderem das Hannoversche InterventionsProgramm (HAIP) gegen Gewalt in der Familie, das Frauen*NachtTaxi in Kooperation mit der ÜSTRA, der Stadt-Hannover-Preis zur Förderung von Unternehmerinnen, die Einführung von Gleichstellungsplänen als Instrument der Personalentwicklung sowie die geschlechtergerechte Verwaltungssprache.
Mit diesen und vielen weiteren Maßnahmen hat das Referat die Gleichstellungspolitik in Hannover nachhaltig geprägt und wichtige Impulse weit über die Stadtgrenzen hinaus gesetzt.