Ergebnispräsentation
Gestaltungswettbewerb Holocaust-Mahnmal für Sinti und Roma
Der internationale Wettbewerb für ein Mahnmal zum Gedenken an die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma ist abgeschlossen. Am 5. November präsentierte der Förderverein Sinti und Roma Holocaust-Mahnmal Hannover e.V. den ausgewählten Entwurf.
Vorstellung des ausgewählten Entwurfs für das Holocaust-Mahnmal für Sinti und Roma in Hannover am 5. November durch die Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas (l.) und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma (r.).
An der Vorstellung nahmen Oberbürgermeister Belit Onay, Regionspräsidentin Eva Bender, Michael Fürst, Präsident des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, sowie Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, teil.
Das Mahnmal mit dem Titel „Die Stimme der Abwesenden“ von Małgorzata Mirga-Tas wird in Sichtweite zum Mahnmal für die jüdischen Opfer der Shoa seinen Platz finden. Es entsteht damit ein einzigartiger Erinnerungsort im Herzen Hannovers, an dem zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen den beiden Völkermorden aus rassischen Gründen deutlich wird.
Zum internationalen Gestaltungswettbewerb waren Künstler*innen aus Polen, der Slowakei, Albanien, Bosnien-Herzegowina und Holland eingeladen. Er fand mit Unterstützung des Stadtbezirksrats Mitte, der Region Hannover und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur statt. Wie das jüdische Mahnmal soll das Mahnmal über Spenden, Sponsoren und Stiftungen finanziert werden. Erste Spenden, darunter von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover sind bereits eingegangen.
Oberbürgermeister Belit Onay: „Der ausgewählte Entwurf für ein Mahnmal zum Völkermord an den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus ist ein erinnerungskultureller Meilenstein. Zusätzlich zu den in Hannover bereits bestehenden Orten zum Gedenken an dieses Verbrechen, etwa im Altwarmbüchener Moor, wird das neue Mahnmal künftig die Erinnerung im Herzen der Stadt wachhalten, unmittelbar neben dem Holocaust-Mahnmal auf dem Opernplatz. Die Sinti und Roma waren lange eine vergessene Opfergruppe, nun wird ihr Leiden an dieser zentralen Stelle gewürdigt. Das Mahnmal ist gleichzeitig ein Zeichen gegen die nach 1945 anhaltende Diskriminierung dieser Minderheit. Ich wünsche dem Projekt eine breite Unterstützung aus der Stadtgesellschaft, um eine Realisierung des jetzt ausgewählten Mahnmalentwurfs zu ermöglichen.“
Regionspräsidentin Eva Bender: „Der Völkermord an den Sinti und Roma gehört zu den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte. Das Leid der Opfer wurde viel zu lange aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet. Es gibt bereits wichtige Orte – wie die Gedenkstätte Ahlem –, die an die nationalsozialistische Verfolgung erinnern und historische Aufklärungsarbeit leisten. Mit dem neuen Mahnmal schaffen wir einen weiteren würdigen und sichtbaren Ort der Erinnerung. Das Mahnmal setzt zugleich ein deutliches Zeichen für unsere gesellschaftliche Verantwortung. Die Region Hannover unterstützt dieses Vorhaben aus voller Überzeugung. Denn die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte darf nicht beim Gedenken stehen bleiben. Sie verpflichtet uns auch, heute wachsam zu sein, Haltung zu zeigen und Ausgrenzung und Diskriminierung geschlossen entgegenzutreten.“
Michael Fürst: „Es war ein langer Weg und ich freue mich, dass meine langjährigen Bemühungen auch der Verfolgung und Ermordung der deutschen Sinti und der Roma zu gedenken, schließlich doch noch mit der Auswahl des Denkmals durch eine internationale Jury Erfolg gehabt haben. Das Leiden und der Völkermord an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten ist in Deutschland Jahrzehnte verdrängt worden. Sinti und Roma waren die ‚Zigeuner‘, die hier stets fremd waren. Die Anerkennung der Ermordung als Völkermord war der erste Schritt, um dieser Verfolgung und Ermordung gerecht zu werden. Stets fehlte aber immer noch ein Zeichen im öffentlichen Raum, ein ‚Finger in der Wunde‘, der auch der heutigen Jugend immer wieder in Erinnerung rufen soll, was Deutsche den Sinti und Roma angetan haben. Die ermordeten Menschen können wir nicht zurückholen, aber wir müssen ihnen stets gedenken, so wie wir es auch mit den jüdischen Ermordeten tun.“
Romani Rose: „Erinnern heißt, Menschlichkeit zu bewahren und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Das Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma ist daher nicht nur ein Zeichen des Erinnerns, sondern auch ein Zeichen dafür, Verantwortung sichtbar anzunehmen. Gerade deshalb hat dieses Vorhaben Bedeutung weit über Hannover hinaus.“
Michael Buckup, Vorsitzender des Fördervereins: „Ich freue mich, dass wir auf dem Weg zum Mahnmal diese wichtige Etappe erreicht haben. Die Idee von Regardo Rose, der heute leider nicht dabei sein kann, wird nun Wirklichkeit. Das gemeinsame Schicksal der Juden wie der Sinti aus Hannover und Niedersachsen wird im Herzen der Stadt unübersehbar. Die breite Unterstützung bisher und hoffentlich auch bei der Realisierung ist ein starkes Zeichen, dass Mehrheitsgesellschaft und Minderheit zusammenstehen und sich nicht durch Hass und Diskriminierung spalten lassen. Wir schaffen einen Erinnerungsort, der für die Achtung der Würde aller Menschen steht.
Małgorzata Mirga-Tas, Künstlerin: „Ich bin der gesamten Jury sehr dankbar, dass sie mein Projekt ausgewählt hat; außerdem gratuliere ich den anderen Künstlern zu ihren überzeugenden Entwürfen – ich schätze jeden einzelnen von ihnen und bin froh, dass ich die Gelegenheit hatte, gemeinsam mit einer solchen Gruppe an dem Wettbewerb teilzunehmen. Ich fragte mich, ob es mir gelingen würde, ein Denkmal zu schaffen, das den Stimmen und Seelen derer, die nicht vergessen werden dürfen – jener, deren Geschichten es verdienen, gehört zu werden –, eine symbolische Gestalt verleiht. Ich suchte nach einer Möglichkeit, dies durch einen Entwurf auszudrücken, der schlicht und doch poetisch, subtil und dochtiefgründig wäre, der Symbolik und Feingefühl vereint und zugleich die tiefe Ernsthaftigkeit des Themas würdigt sowie an einen zutiefst traumatischen Moment in der Geschichte der Sinti und Roma erinnert. Die Geschichte erinnert daran, wie gefährlich Rassismus, systematische Ausgrenzung und Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechtsverletzungen werden. Deshalb braucht es einen Ort der Erinnerung, der nicht nur an historische Ereignisse erinnert, sondern auch ihre menschliche Dimension spürbar macht – den Verlust, die Stille und die Gegenwart derer, die nicht mehr da sind.“
Hintergrund
Das Projekt für ein Mahnmal zur Erinnerung an den Völkermord an den Sinti und Roma aus Hannover und Niedersachsen wurde vor zwei Jahren begonnen. Seitdem hat es breite Unterstützung aus der Politik von allen demokratischen Parteien im Bundestag, Landtag, Stadtrat und der Regionsversammlung bekommen, ebenso von Kirchen, Gewerkschaften und vielen Persönlichkeiten aus der Zivilgesellschaft.
Der Standort Opernplatz/Rathenauplatz wurde von den niedersächsischen Sinti-Organisationen und dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden befürwortet, weil er zum ersten Mal den Zusammenhang beider Völkermorde verdeutlicht. Mit Blick auf die internationale Bedeutung des Projekts wurden international renommierte Künstler*innen zum Gestaltungswettbewerb eingeladen. Der Wettbewerb wurde mit Mitteln des Stadtbezirksrates Mitte unterstützt.
Hinweis
Alle Beiträge des Internationalen Gestaltungswettbewerbs werden ab dem 10. November 2026 im ZeitZentrum Zivilcourage, Theodor-Lessing-Platz 1A, ausgestellt.
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