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Unesco City of Music

Hannover stellt neue Musikstrategie vor

Als erste Stadt bundesweit hat die Landeshauptstadt eine umfassende Musikstrategie entwickelt. Sie soll die UNESCO City of Music in den kommenden Jahren stärken, vernetzen und zukunftsfähig weiterentwickeln. 

Gruppenfoto am Outdoor-Piano auf dem Opernplatz. Von links nach rechts: Rapper Spax, Oberbürgermeister Belit Onay, Friederike Ankele (Leiterin des städtischen Kulturbüros), Inga Samii (Fachbereichsleitung Kultur), Sina Hensel (Geschäftsführerin Musikland Niedersachsen), Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender sowie die Sängerin und Songwriterin Amapola.

Oberbürgermeister Belit Onay, Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender sowie Vertreter*innen der Musikszene haben am 8. Juni gemeinsam die neue Musikstrategie vorgestellt. Sie legt die Ziele für die Weiterentwicklung der UNESCO City of Music (UCOM) Hannover in den kommenden Jahren fest.

Die Strategie versteht Musik als zentrale Ressource der Stadtentwicklung. Künftig soll sie noch stärker zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur internationalen Vernetzung, zur Stärkung der Kreativwirtschaft und zur urbanen Lebensqualität beitragen. Im Mittelpunkt stehen fünf strategische Handlungsfelder: 

  • die Sicherung und Entwicklung von Infrastruktur und Räumen für Musik,
  • die Weiterentwicklung von Förderstrukturen und Rahmenbedingungen, 
  • die Stärkung von Nachwuchs- und Talentförderung, 
  • der Ausbau von Sichtbarkeit und 
  • internationaler Positionierung sowie die Förderung von Vernetzung und Kooperation.

Die Musikstrategie ist das Ergebnis eines breit angelegten Beteiligungsprozesses. Daran beteiligt waren Akteur*innen aus der Musikszene, Kulturinstitutionen, der Musikwirtschaft, der Verwaltung und der Politik. Das Papier benennt zentrale Herausforderungen, formuliert Leitlinien und beschreibt konkrete Maßnahmen für die Weiterentwicklung Hannovers als Musikstadt.

„Die Auszeichnung Hannovers als UNESCO City of Music ist für uns Ansporn, aber auch Verpflichtung und bringt viel Verantwortung für die Musikszene mit sich. Dieser Verantwortung tragen wir mit der Musikstrategie Rechnung. Mit ihr wollen wir die Szene für die Zukunft nachhaltig stärken. Musik prägt das Gesicht dieser Stadt, ihre Lebensqualität und ihre internationale Wahrnehmung und ist Motor für die Stadtentwicklung. Gerade auch die Vernetzung mit den mehr als 80 Citys of Music weltweit ist wichtig, um in herausfordernden Zeiten weltweit im Sinne der UNESCO- Verfassung für Solidarität und demokratische Werte einzustehen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Musik zu stärken. Mit der Musikstrategie investieren wir in diese kostbare Ressource durch Weiterentwicklung von Räumen, Förderung von Vernetzung und Stärkung musikalischer Bildung, gleichzeitig schließen wir Förderlücken, etwa im Bereich der Populärmusik“, umreißt Oberbürgermeister Belit Onay Intention und Schwerpunkte der Strategie.

Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender betont den Vernetzungsgedanken: „Diese Musikstrategie ist gemeinsam mit der Szene entstanden. Künstler*innen, Veranstalter*innen, Chöre, Ausbildungsinstitutionen, freie Szene und Musikwirtschaft haben ihre Perspektiven eingebracht. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie ist kein Papier über die Szene, sondern eine Strategie mit der und durch die Szene. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Mitwirkenden, die diese Strategie zu einem wichtigen Fundament für die kommenden Jahre entwickelt haben. Der Anfang ist gemacht, jetzt geht es an die Umsetzung. Ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf die Vernetzung junger Musiker*innen und Festivals.“

Förderung von Young Professionals: Auf dem Weg zur „Plattenfirma Hannover“

Zu den zentralen Projekten der Musikstrategie zählt der geplante Musik-Hub „Plattenfirma Hannover“. Die Initiative aus der Musikwirtschaft soll Akteur*innen aus Produktion, Ausbildung, Veranstaltungswesen und Vermarktung enger zusammenbringen, um die Förderung junger Talente in Hannover nachhaltig zu stärken.

„Hannover spielt von der Technik über die Musikproduktion, die Ausbildung und Veranstaltung bis zur Vermarktung und internationalen Vernetzung im Spitzenfeld der Musikwirtschaft. Ich freue mich sehr, dass es übergreifend ein großes Commitment gibt, Hand in Hand zu arbeiten, um junge Künstler*innen gemeinsam aufzubauen“, sagt Mousse T. vom Peppermint Pavillon.

Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender ergänzt: „Das Ziel ist, junge Talente gezielt auf ihrem Weg zu fördern und sie durch die Stationen ihrer Musiker*innenlaufbahn zu begleiten.“ Flankiert wird diese Maßnahme durch den Aufbau eines Mentoring-Programmes und die strukturelle Stärkung junger Musikfestivals.

Neue Förderungen für populäre Musik und kulturelle Vermittlung

Als weiteres Ergebnis des Beteiligungsprozesses soll ein neuer Fördertopf für populäre Musik eingerichtet werden. Antragsberechtigt sollen auch Clubs sein, um die Durchführung von Konzerten zu unterstützen. Ergänzend ist die Einrichtung eines weiteren Fördertopfs für spartenübergreifende kulturelle Vermittlungsarbeit vorgesehen. Zudem ist geplant, die Grundförderung und damit die mehrjährige Unterstützung bestehender Strukturen anzuheben.

Auch die Förderung der Deutschen Rockmusikstiftung soll bedarfsgerecht verstetigt werden. Mit Blick auf „Emil – Deutsches Zentrum für Musiktechnik“ sollen insbesondere Innovationen an der Schnittstelle von Musik und Künstlicher Intelligenz unterstützt werden. Ziel ist es, Hannover im Geiste Emil Berliners als innovativen und technologischen Impulsgeber im Musikbereich weiter zu stärken.

Musikorte weiterentwickeln

Hannover ist auch UNESCO City of Music wegen der hervorragenden musikalischen Bildungslandschaft – sowohl in der Breiten-, als auch in der Spitzenförderung, mit Institutionen wie zum Beispiel der HMTMH mit dem IFF (Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter). Auch die städtische Musikschule, in der wöchentlich rund 7.400 Schüler*innen unterrichtet werden und die jährlich rund 45.000 Menschen in den verschiedenen Unterrichts- und Veranstaltungsformaten nutzen, ist ein bedeutsamer Player der musikalischen Bildungslandschaft. 

Ein zentral gelegener und angemessen ausgestatteter Standort mit ausreichenden Kapazitäten ist Voraussetzung für die Sicherung und Weiterentwicklung dieser Arbeit. Strategisches Ziel ist die Entwicklung eines eigenständigen „Hauses der Musikschule“, das als zentraler Ort der musikalischen Bildung und gleichzeitig als offener „Dritter Ort“ fungiert und neue Möglichkeiten für Kooperationen, Musikvermittlungsveranstaltungen/-konzerte und innovative Formate eröffnet. Der Prozess wird mit einer Machbarkeitsstudie gestartet, die verschiedene Varianten durchspielen soll, um dieses Ziel zu erreichen.

Als größter klassischer Konzertsaal der Europäischen Union ist der Kuppelsaal ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal. Große Konzertveranstalter wie die Deutsche Klassik im Klassikbereich oder Hannover Concerts im Bereich Rock und Pop bringen regelmäßig internationale Konzerte nach Hannover und sind damit ein wichtiger Faktor für den Standort Hannover. Eine Maßnahme der Musikstrategie beabsichtigt daher, den Kuppelsaal als international wettbewerbsfähigen Konzertort auszubauen mit Verbesserungen im Backstagebereich und eine höhere Aufenthaltsqualität für Musiker*innen und Besucher*innen. Hierfür sollen Drittmittel eingeworben werden.

Zur wichtigen Frage, wie Räume für die Musik sichtbarer und damit zugänglicher gemacht werden können, wird ein interdisziplinärer „Think Tank“ eingerichtet, der nach der Sommerpause starten wird.

Sichtbarkeit der UNESCO City of Music – Titel stärken

Der im Jubiläumsjahr erfolgreich etablierte Musik Kiosk soll weiter ausgebaut werden, um die Musikstadt Hannover für eine breite Öffentlichkeit erlebbar zu machen und nachhaltig zu stärken.

„Hier wollen wir den Schwung aus dem Jubiläumsjahr nutzen und gemeinsam einen Weg finden, wie wir die Arbeit in der Innenstadt fortführen können“, so Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender.

Künftig soll der Titel für die gesamte Stadtgesellschaft sichtbarer werden. Hier ist ein enger Schulterschluss mit der Hannover Marketing- und Tourismus-GmbH (HMTG) geplant, die hierzu schon erste Motive vermarktet. Aktuell wurde zum Beispiel eine Entlüftungssäule am Kröpcke plakatiert, die den Titel dauerhaft im Herzen der City präsentiert.

Im Rahmen des Kleinen Fests im Großen Garten wird die internationale Musikstadt Hannover schon jetzt niederschwellig sichtbar: Eine UCOM-Bühne auf dem Kleinen Fest präsentiert Konzerte mit Musiker*innen aus Hannover und anderen UCOM-Citys – auch in der Sommerlounge auf dem Andreas-Hermes-Platz, auf dem Maschseefest sowie bei der Fête de la Musique wird die große Vielfalt der UCOM im öffentlichen Raum erlebbar.

Hannover als Musik-Ökosystem

Besonders hervorgehoben wurde die Idee Hannovers als „Musik-Ökosystem“. Dazu sagt Sina Hensel, Geschäftsleitung Musikland Niedersachsen: „Die Musikstrategie macht sichtbar, was Hannover bereits auszeichnet: ein starkes, vielfältiges Musikökosystem. Entscheidend ist nun, durch konkrete Maßnahmen bestehende Verbindungen zu stärken und neue zu ermöglichen – zwischen Künstler*innen, Ausbildung, Musikwirtschaft und Politik. So entsteht ein nachhaltiges Umfeld, in dem musikalische Entwicklung nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern strategisch gestaltet und international anschlussfähig weiterentwickelt wird.“

Die Strategie versteht die Musikstadt nicht als Summe einzelner Institutionen, sondern als eng vernetztes Zusammenspiel von Szene, Bildung, Publikum, Produktion, Clubs, Festivals, Technologie, Wirtschaft und internationalem Austausch.

Die Musikstrategie knüpft an den Kulturentwicklungsplan der Landeshauptstadt Hannover an und bietet einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für Politik, Verwaltung und Musikszene.

„City of Music –

Wichtig, weil es mehr als nur cool ist –

Vernetzung – Gemeinschaft – über Grenzen hinaus –

Echte Musik grenzt niemanden aus“ (SPAX)

Die Strategie steht unter dem Beschlussvorbehalt der politischen Gremien – die Beschlussdrucksache steht am 19. Juni  2026 im Kulturausschuss auf der Tagesordnung.

Weitere Informationen: hannover.de/cityofmusic

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