Hölty-Preis geht an Jayne-Ann Igel - Hannover.de

Lyrikpreis

Hölty-Preis geht an Jayne-Ann Igel

Der Hölty-Preis 2026, Deutschlands höchstdotierter Lyrikpreis, geht an die Autorin Jayne-Ann Igel. Die in Leipzig geborene und heute in Dresden lebende Schriftstellerin wird mit der renommierten Auszeichnung der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover geehrt.

Preisträgerin Jayne-Ann Igel

Mit 20.000 Euro Preisgeld, gestiftet von der Sparkasse Hannover, ist der Hölty-Preis für Lyrik der höchstdotierte Lyrikpreis im deutschsprachigen Raum. Er wird seit 2008 alle zwei Jahre von der Landeshauptstadt Hannover und der Sparkasse Hannover verliehen. Die Preisverleihung findet am 2. Dezember 2026 im Sprengel Museum Hannover statt.

Die diesjährige Preisträgerin Jayne-Ann Igel wurde 1954 in Leipzig geboren. Nach einer Ausbildung für wissenschaftliche Bibliotheken arbeitete sie zunächst in der Deutschen Bücherei Leipzig und im Buchhandel. Von 1978 bis 1982 studierte sie Theologie, schloss das Studium jedoch nicht ab. Bis Ende der 1980er-Jahre war sie im Gesundheitswesen tätig, seitdem arbeitet sie als freischaffende Autorin.

Ihr literarischer Weg begann im Untergrund der späten DDR mit selbstverlegten Grafik-Gedicht-Mappen und Zeitschriften. Seit den 1990er-Jahren prägt sie die deutschsprachige Lyrik zudem als Lektorin und Herausgeberin.

Zuletzt erschien ihr Gedichtband wolken hinterm rollo (Gutleut Verlag, 2024).

Aus der Jurybegründung:

„… Ihr sich über vier Jahrzehnte erstreckendes Werk überzeugte die Jury 2026 durch ein poetisches Sprechen, das seine Schärfe gerade aus der Zurücknahme gewinnt und in der deutschsprachigen Lyrik einen unverwechselbaren Ort behauptet. Der Büchner-Preisträger Wolfgang Hilbig beschrieb ihre Dichtung als ‚lautlos geflüstert‘.

Herkunft, Landschaft und Geschichte werden nicht erzählt, sondern in einer fließenden Syntax ausgelotet, in der das Ich fluide und vergänglich bleibt. Igels Gedichte verharren nicht beim Beschriebenen, sondern befragen selbst Vokale und Konsonanten – das Material, aus dem sie bestehen. Das Buchstabieren wird zu einem Sich-Verlieren ins Ferne. ‚das leben ist explosiv, explosiver als ein gedrungener vers oder die sprachlosigkeit von konsonanten‘, schreibt sie mit lakonischem Witz.

Mit nachdrücklicher Beharrlichkeit und ruhigen, entschleunigten Suchbewegungen tastet Jayne-Ann Igel immer wieder die Konturen einer menschlichen Existenz ab, die ihre Sprache nicht als gegeben hinnimmt, sondern sie sich erst durch genaue Beobachtung und Nachsinnen erschafft. So entsteht eine Dichtung der Schwellen und Übergänge: hochsensibel, melancholisch und von analytischer Genauigkeit.

Mit dem Hölty-Preis wird ein Lebenswerk gewürdigt, das Sprache nie für selbstverständlich hält und ihr gerade dadurch neue Räume eröffnet.“

Die Jurymitglieder

  • Kathrin Dittmer, Leitung Literaturhaus Hannover
  • Dr. Maren Jäger, Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin
  • Cornelia Jentzsch, Literaturkritikerin
  • Alexandru Buluz, Lyriker, Literaturkritiker, Übersetzer und Hölty-Preisträger 2024
  • Ernest Wichner, Autor, Literaturkritiker, Übersetzer und Herausgeber

Die bisherigen Hölty-Preisträger*innen:

  • Thomas Rosenlöcher (2008)
  • Paulus Böhmer (2010)
  • Christian Lehnert (2012)
  • Silke Scheuermann (2014)
  • Christoph Meckel (2016)
  • Norbert Hummelt (2018)
  • Marion Poschmann (2020)
  • Ulrich Koch (2022)
  • Alexandru Bulucz (2024)

Zum „Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover“

Die literarische Bedeutung des Namensgebers Hölty unterstreicht die enge Verbindung des Preises mit der Stadt und der Region Hannover. Ludwig Christoph Heinrich Hölty (21. Dezember 1748 bis 1. September 1776) wurde im Kloster Mariensee bei Hannover geboren und starb im Alter von nur 28 Jahren in Hannover. Aufgrund seines künstlerischen Rangs zählt er zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern.

Seine Bedeutung beruht vor allem auf der Formenvielfalt, Eigenständigkeit und atmosphärischen Eindringlichkeit seiner rund 140 Gedichte. Neben den Brüdern Schlegel, Karl Philipp Moritz, Carl Sternheim und Kurt Schwitters gilt Hölty als einer der wichtigsten Dichter, die mit Hannover und der Region verbunden sind. Er verbrachte seine Kindheit und Schulzeit in Mariensee und seine letzten Lebensjahre in Hannover.

Die bedeutende Auszeichnung wird an eine*n lebende*n deutschsprachige*n Lyriker*in für ein lyrisches Gesamtwerk oder eine einzelne Veröffentlichung vergeben.

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