Neue Stadttafel für den Alten jüdischen Friedhof enthüllt

Erinnerungskultur

Neue Stadttafel für den Alten jüdischen Friedhof enthüllt

Oberbürgermeister Belit Onay hat am Mittwoch, dem 22. April, gemeinsam mit Michael Fürst, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, eine Stadttafel für den Alten jüdischen Friedhof enthüllt.

Alter Jüdischer Friedhof in der Nordstadt

Die Tafel an der äußeren Friedhofsmauer erinnert an die über 475-jährige Geschichte des Friedhofs, der bis in die Gegenwart erhalten ist, und wurde in Kooperation mit dem ZeitZentrum Zivilcourage erarbeitet. Heute befindet sich der Friedhof mit der Adresse Am Judenkirchhof im Eigentum des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen.

Oberbürgermeister Belit Onay betonte bei der Enthüllung: „Die Stadttafel beschreibt wesentliche Aspekte der jüdischen Geschichte und Kultur in unserer Stadt. Dies ist von hoher Bedeutung, weil Judentum in Deutschland häufig nur aus dem Blickwinkel der Verfolgung und Vernichtung während der Zeit des Nationalsozialismus wahrgenommen wird. Jüdinnen und Juden waren aber nicht nur Opfer, sie sind eine Gruppe mit einer jahrhundertelangen Geschichte in Deutschland und sie haben damit auch damit unsere Stadt geprägt.“

Stadttafel Alter jüdischer Friedhof

Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, ergänzte: „Ein Hügel mitten in Hannover – Ausgrenzung auf der einen Seite, aber eine Selbstverständlichkeit für jüdisches Leben auf der anderen Seite.“

Der Alte jüdische Friedhof in der Nordstadt wurde 1550 eingerichtet. Über drei Jahrhunderte lang fanden hier Beerdigungen statt, die letzte Mitte des 19. Jahrhunderts. Wie viele Grabstellen sich insgesamt auf dem Friedhof befinden, lässt sich nicht genau abschätzen. Eine Zahl von über 700 erhaltenen Grabsteinen gibt jedoch eine grobe Orientierung; der älteste stammt aus dem Jahr 1654. Die auffällige Form des Geländes entstand, weil aus Platzgründen Begräbnisse in mehreren Schichten stattfanden, wobei alte Grabsteine auf die neue Erdschicht versetzt wurden, um das Gedenken zu wahren.

Der Alte jüdische Friedhof ist auch ein bedeutendes Kulturdenkmal: Er ist der älteste noch erhaltene jüdische Beerdigungsplatz im norddeutschen Raum. Bekannte Persönlichkeiten sind hier beigesetzt, darunter Landrabbiner und Rabbiner sowie der Mathematiker und Astronom Rafael Levi, der 1779 verstorben ist, sowie der Hofmedicus Dr. Marcus Jacob Marx, verstorben 1789. Auch zahlreiche Vorfahren von Heinrich Heine wurden auf diesem Friedhof beigesetzt, darunter sein Großvater Heimann Heine, verstorben 1780.

Zur Geschichte der Stadttafeln

Die Stadttafeln in Hannover gehen auf eine Initiative des ehemaligen Stadtbaurats Rudolf Hillebrecht zurück: Die ersten Tafeln wurden bereits in den 1960er- und 1980er-Jahren angebracht. Sie sollen die Einwohner*innen und Besucher*innen der Landeshauptstadt an den jeweiligen Orten über besondere Sehenswürdigkeiten, wichtige Persönlichkeiten und bedeutende Ereignisse der hannoverschen Stadtgeschichte informieren. Seit einigen Jahren werden die alten Stadttafeln sukzessive ausgetauscht und durch neue ersetzt, darunter die Stadttafel „Alter jüdischer Friedhof“.

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