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Prävention

Stadt weitet Straßensozialarbeit in die Stadtteile aus

Obdachlose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen haben nun auch außerhalb der Innenstadt feste Ansprechpersonen. Die Landeshauptstadt Hannover weitet ihre städtische Sozialarbeit auf weitere Stadtbezirke aus. Seit Juli 2026 verstärken vier neue Mitarbeitende das bislang sechsköpfige Team. Sie sind in den Stadtbezirken Nord, Linden-Limmer, Südstadt-Bult sowie Ahlem-Badenstedt-Davenstedt tätig.

Straßensozialarbeit

Das Team arbeitet vernetzt mit bestehenden sozialen Systemen wie beispielsweise sozialen Träger*innen, Stadtteilzentren oder auch den Kirchen. Der weitere flächendeckende Ausbau der städtischen Straßensozialarbeit in alle Stadtbezirke erfolgt vorbehaltlich der Beschlüsse in den politischen Gremien.

Oberbürgermeister Belit Onay:

„Die Menschen brauchen unsere Hilfe nicht nur in der Innenstadt, sondern im gesamten Stadtgebiet. Die Ausweitung der Straßensozialarbeit auf die Stadtteile, mit dem Ziel, perspektivisch für jeden der 13 Stadtbezirke eine feste Ansprechperson zu haben, ist ein Meilenstein auf dem Weg, Teilhabe für alle zu gewährleisten. Im nächsten Jahr werden wir in der Innenstadt zudem zwei wichtige soziale Versorgungsstationen, den Mecki 2.0 und die Herschelstraße fertigstellen. Diese drei Maßnahmen zusammen werden die soziale Arbeit in Hannover auf eine neue Stufe stellen und sich auch positiv auf das Miteinander sowie die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum auswirken. Sie sind ein weiterer Baustein unseres integrierten Sicherheitskonzeptes, das Sicherheit nicht nur als Frage von Polizei und Ordnung versteht, sondern die Ausweitung der sozialen Arbeit explizit einbezieht“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay aus diesem Anlass.

Rückmeldungen zu Bedarfen

Der 2024 gestartete stadtweite Beteiligungsprozess zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bis 2030 sowie vielfältige Rückmeldungen aus den Stadtteilen hatten den Bedarf klar identifiziert. „Nahezu in allen Stadtteilen leben Menschen in prekären Einkommens- oder Wohnverhältnissen. Für viele wird die Straße aufgrund von Wohnungslosigkeit, Einsamkeit oder fehlenden sozialen Kontakten zum zentralen Ort der Begegnung und gesellschaftlichen Teilhabe, teils sogar trotz vorhandenen Wohnraums. Straßensozialarbeit leistet hier einen wichtigen Beitrag, indem sie gesundheitlichen und sozialen Problemlagen entgegenwirkt und dazu beiträgt, Wohnungsverluste zu verhindern“, erläuterte Sozialdezernentin Sylvia Bruns.

Erste wichtige dezentrale Erfahrungen hat die Stadt 2025 mit der Einrichtung einer städtischen Stelle für Sozialarbeit im Stadtteil Vahrenheide gesammelt. Der Bedarf dafür ergibt sich insbesondere aus der dortigen großen Notschlafstelle.

Die Erfahrungen zeigen, dass schwierige soziale Lebenssituationen häufig auch zu Nutzungskonflikten im öffentlichen Raum führen können. Die Neuaufstellung und der Ausbau des städtischen Ordnungsdienstes mit den stadtweit eingesetzten Teams der Ordnungsbotschafter*innen sind in diesem Kontext ein wichtiger Baustein, um gemeinsam mit der Straßensozialarbeit Perspektiven für die Nutzung des öffentlichen Raums zu entwickeln. Gleichzeitig können die Ordnungsbotschafter*innen durch ihre umfassende Präsenz in der Stadt wertvolle Hinweise auf mögliche Hilfebedarfe geben.

Weiteres Vorgehen und Aufgaben

Der Ausbau der städtischen Straßensozialarbeit soll in zwei Stufen erfolgen. Zusätzlich zum sechsköpfigen Kernteam sollen zunächst die Stellen der vier bereits tätigen neuen Mitarbeitenden verstetigt werden. Perspektivisch sollen drei weitere Stellen hinzukommen, sodass insgesamt 13 Stellen zur Verfügung stehen. „Da Aufenthaltsorte, Szenetreffpunkte und Bedarfe wohnungs- und obdachloser Menschen einem ständigen Wandel unterliegen, werden die Mitarbeitenden in einem flexiblen System arbeiten. Nach wie vor gibt es einen räumlichen Schwerpunkt in der sozialen Arbeit in der Innenstadt, insbesondere rund um den Hauptbahnhof“, so Bruns weiter.

Die Mitarbeitenden arbeiten grundsätzlich vernetzt in den bestehenden Hilfesystemen der Stadtteile, beispielsweise mit Tagestreffs und dem Sozialpsychiatrischen Dienst. Sie sind sowohl zu festen Zeiten im Rahmen von Sprechstunden in der Leinstraße 14 erreichbar als auch aufsuchend im direkten Kontakt mit hilfsbedürftigen Menschen in den Stadtbezirken tätig. Perspektivisch sind Büroräume an festen Standorten in den Stadtbezirken geplant und befinden sich derzeit im Aufbau.

Die Aufgaben sind vielfältig und reichen von der Vermittlung in und der Begleitung zu Hilfs- und Unterstützungssystemen über die Begleitung zu Behörden, Beratungsstellen oder medizinischen Einrichtungen bis hin zur Beratung zu Unterbringungs- und Wohnangeboten. Darüber hinaus unterstützt die Straßensozialarbeit bei Antragstellungen und bei der Klärung von Leistungsansprüchen.

Besondere Zielgruppen

Ein besonderer Schwerpunkt liegt nach wie vor auf der Arbeit mit wohnungslosen Frauen. Sie sind im öffentlichen Raum häufig weniger sichtbar („verdeckte“ Wohnungslosigkeit) und daher schwieriger durch Beratungsangebote zu erreichen. Gewaltschutz und gewaltgeprägte Lebensumstände sind zentrale Themen der Sozialarbeit mit wohnungslosen Frauen. Die städtische Sozialarbeit trägt diesen sensiblen Rahmenbedingungen bereits Rechnung, indem sie weibliche Sozialarbeiterinnen einsetzt. Diese können gezielt auf die besonderen Bedarfe eingehen und im entsprechenden Netzwerk bedarfsgerecht agieren.

Auch die Lebenssituation und die spezifischen Bedarfe wohnungsloser Menschen, die sich als LSBTIQ+ oder FLINTA (Frauen*, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen) identifizieren, sollen künftig stärker in den Fokus der Straßensozialarbeit rücken.

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