In dieser Retrospektive vom 14. Mai bis zum 14. Juni in der GAF Hannover wird Giesels Œuvre zum ersten Mal in seiner thematischen und ästhetischen Vielfalt präsentiert und vor dem Hintergrund aktueller Diskurse analysiert.
Joachim Giesel, An der Leine freie Beine, Hannover, 1970
Was ist zu sehen in der Galerie für Fotografie in Hannover
Seit über fünfzig Jahren hält der hannoversche Fotograf Joachim Giesel (*1940 in Breslau) mit seinen Dokumentationen, Serien, Porträts und Werbeaufnahmen die politische, soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland fest. In ihren historischen Zäsuren und sozialen Transformationen. In ihrem Wohlstand und in ihrer Spießigkeit. In ihrer Schönheit und Diversität. Und im Mittelpunkt steht dabei stets der Mensch. Giesel begleitet Queen Elisabeth II. 1965 bei ihrem Besuch in Hannover, mischt sich 1967 unter die Trauergäste der Beerdigung von Benno Ohnesorg, ist 1974 bei dem legendären Fußballspiel zwischen der DDR und Brasilien im Niedersachsenstadion dabei, schafft eine Kanzlergalerie von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, fotografiert eine Serie mit psychisch kranken Menschen, inszeniert bestechende Porträts von Franz Beckenbauer bis Udo Jürgens, von Max Frisch bis Doris Dörrie, von Louis Armstrong bis Rudolf Augstein.
Bild hinter dem Bild
In der Tradition eines August Sanders stehend, geben seine Fotografien uns heute generationsübergreifend faszinierende Einblicke in die westdeutsche Gesellschaft zwischen Plattenbau und Einfamilienhaus, zwischen Fließbandarbeitern und Drag Queens, zwischen Schwanensee und FKK. Sie sind somit Zeitdokumente deutscher Geschichte. Indem Giesel nach dem „Bild hinter dem Bild“ sucht, faszinieren seine Menschenbilder zugleich durch ihre ästhetische Vielfalt, technische Brillanz und unverwechselbare Präsenz und machen den Fotografen zu einer bedeutenden Figur der deutschen Fotogeschichte nach 1945.
Wer ist der Fotograf Joachim Giesel
Giesel engagiert sich in verschiedenen Funktionen als Kurator, Lehrer, Publizist und Funktionär für die Verbreitung der Fotografie in der Bundesrepublik und nahm bisher an über 75 Ausstellungen im In- und Ausland teil. Im Jahr 1972 gründet er mit befreundeten Fotografinnen und Fotografen in Hannover die spectrum Photogalerie, eine der ersten Fotogalerien Europas, welche annähernd 100 Ausstellungen realisiert. Seit 2022 wird sein Werk im Joachim Giesel Archiv wissenschaftlich aufgearbeitet.
Programm
Öffentliche Führungen Donnerstags bis Sonntag, 11 und 18 Uhr (ohne Voranmeldung)
Meet the artist Jeden Samstag von 15 – 17 Uhr wird der Fotograf Joachim Giesel persönlich in der Ausstellung anwesend sein und freut sich auf Ihre Fragen.
Künstlergespräch Donnerstag, 4. Juni, 19 Uhr: Podiumsgespräch mit Joachim Giesel
Lange Nacht der Museen Freitag, 5. Juni, 18 – 23 Uhr: verlängerte Öffnungszeiten 18 Uhr: Führung durch die Ausstellung 19 Uhr: Führung im Dialog mit Joachim Giesel 20 Uhr: Meet and Greet mit dem Fotografen Joachim Giesel bei einem Getränk
Termine
14.05.2026 bis 14.06.2026 ab 12:00 bis 18:00 Uhr
donnerstags freitags samstags sonntags