In Installationen, Skulpturen und Zeichnungen setzt sich Min Yoon mit den Bedingungen künstlerischer Produktion vor dem Hintergrund seiner eigenen Herkunft auseinander. Der Titel „A Pronoun of B“ bildet dabei einen poetischen wie konzeptuellen Ausgangspunkt für Überlegungen zu Sprache, Identität und Raum – Themen, die nicht nur mit Yoons persönlicher Biografie in Resonanz stehen, sondern auch mit übergeordneten globalen Fragen von Migration, kultureller Hybridität und sozialer Zugehörigkeit.
Er verweist auf den etymologischen Ursprung des Buchstabens „B“, der aus der phönizischen Schrift hervorgegangen ist und „Haus“ beziehungsweise „Innenraum“ bedeutet. Daran anknüpfend untersucht Yoon in zwei raumgreifenden, ortsspezifischen Installationen die Komplexität des Begriffs „Zuhause“ – sowohl als privaten Rückzugsort als auch als kollektive, soziale Institution.
Zugleich führt er das Motiv des Vermessens als wiederkehrendes Element ein: die Vermessung von Raum, Zeit und sozialen Konstruktionen. Was bedeutet ein „Haus“ heute? Ist es ein Ort des Schutzes und der Zugehörigkeit, ein Behälter für Erinnerungen und Familie oder ein ökonomisches Gut? Und wie verschieben sich diese Bedeutungen im Kontext von Migration, Vertreibung und globalisiertem, urbanem Leben?
Im Ausstellungsraum wird seine Malereiserie „Decorated Banned Children Books“ präsentiert. Diese bezieht sich auf die Sammlung verbotener Kinderbücher des Künstlers aus Schulen in Südkorea und den USA und setzt sich mit den inhaltlichen und gesellschaftlichen Dimensionen von Zensur auseinander.
Min Yoon (geb. 1986, lebt in Wien, AU) studierte von 2011 bis 2018 an der Akademie der bildenden Künste Wien. Einzelausstellungen realisierte Yoon u. a. in der Kestner Gesellschaft (2026); der Galerie Francesca Pia, Zürich (2024); der Galerie Lars Friedrich, Berlin (2023), und im Neuer Essener Kunstverein (2021). Seine Arbeiten waren im Frühjahr 2026 in Gruppenausstellungen im Art Sonje Center, Seoul, sowie in der Kunsthalle Wien zu sehen – davor u. a. in der Secession, Wien (2024), und im Bundeskanzleramt, Wien (2023). Er ist in den internationalen, öffentlichen Sammlungen des Art Sonje Center, Seoul; mumok (Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien); und Wien Museum vertreten.