Lennart Schilgen sieht „Verklärungsbedarf“. In seinem zweiten Programm dichtet und singt er gegen eine unzureichende Wirklichkeit an. Und entlarvt zwischen den Zeilen, wo sich die Welt und er selbst überall in die Tasche lügen. Möglich, dass ein paar unbequeme Wahrheiten auftauchen. Aber keine Angst: Selten war das Verlassen der gedanklichen Komfortzone so komfortabel! Es gibt Partylieder für Leute, die nicht gerne auf Partys gehen, und Trennungslieder für Leute, die sich nicht gerne trennen. Und Publikumsbeteilung für Leute, die sich nicht gerne an Dingen beteiligen.
Mit „Funken schlagender Sprachkunst“ (AZ) und hintergründiger, leichtfüßiger Komik erzählt er dabei vor allem von Dingen, an denen er scheitert: Entscheidungen treffen. Mädchen am Lagerfeuer beindrucken. Den Kapitalismus abschaffen. Dafür gelingt es ihm, dem Konzept „Typ mit Gitarre und Klavier“ ungehörte Facetten abzutrotzen. Musikalisch versiert spielt er mit Genretraditionen und springt lässig zwischen Stilen und Stimmungen hin und her: vom beatlesquen Pop zur stramm marschierenden Protesthymne, von der komisch-gruseligen Stalker-Ballade zur „Reinhard Mey-Parodie zum Niederknien“ (Mannheimer Morgen). Inzwischen hat ihm das schon etliche Kleinkunstpreise eingebracht, wie den Jurypreis des Prix Pantheon 2019, den Stuttgarter Besen 2018 und die Tuttlinger Krähe 2020. Natürlich weiß er, dass solche Preise nichts über die Qualität aussagen müssen. Aber wenn er sie selbst gewinnt, kann er erstaunlich gut darüber hinwegsehen.
Lennart Schilgen wurde 1988 in Berlin geboren, bekam frühzeitig Klavierunterricht und brachte sich später selber das Gitarrespielen bei. Bereits zu Schulzeiten begann er, mit eigenen Lieder aufzutreten, anfangs mit Band, seit 2012 auch als Solokünstler. Daneben ist er Sänger, Gitarrist und Pianist sowie hauptsächlicher Texter und Komponist der Rock'n'Roll-Kabarettgruppe Tonträger, mit der er seit 2014 durch Deutschland tourt und regelmäßig in der Bar jeder Vernunft in Berlin auftritt.