Punk-Protagonist*innen aus England und Deutschland sprechen am 23. September in Hannover im Pavillon darüber, wie der radikale Sound des Punks die Kultur- und Musikwelt revolutionierte.
Bassist and Sänger der Post-Punk-Band „The Membranes“: John David Robb
Pioniere der Punk- und Post-Punk-Bewegung live in Hannover
1976 veränderte Punk die Welt. Atomare Aufrüstung und Kalter Krieg waren die weltpolitischen Koordinaten, es knirschte an allen Ecken und Enden. Die große ökonomische Unzufriedenheit in Großbritannien und fehlende Perspektiven für die Jugend, Arbeiter*innen und Studierende wurden zu einer explosiven Mischung. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der nächste große Knall kommt.
Es bildeten sich erste Subkultur-Szenen mit einem aufrüttelnden Mix aus Protest und Provokation als Grundlage. Punk wurde zum Zeichen des Widerstands. Alte Zöpfe wurden abgeschnitten, die Haare fortan bunt, schräg und stachelig getragen. Es brauchte neue Musik, neue Lieder, neue Botschaften, modern, weltverändernd, aufrüttelnd. Es war der perfekte Zeitpunkt für einen radikal neuen Sound.
Vorhang auf für 1977 – Punk explodierte endgültig, war in aller Munde. Die Jugend tanzte zum Herzschlag der besten Musik, wegweisende Debütalben erschienen.
Er organisierte 1983 ein geheimes Konzert der Toten Hosen in Ost-Berlin: Mark Reeder
A life without Punk - ein englisch-deutsch moderierter Punk-Abend
50 Jahre später touren die Punk-Kenner John Robb und Mark Reeder durch deutsche Städte und widmen sich rückblickend unter dem Motto „A life without Punk“ den prägendsten Jahren des Phänomens Punk. Hannover galt Ende der 1970er und in den 1980er Jahren als eine der wichtigsten Punk-Metropolen in Deutschlands und darf auf der Besucherliste natürlich nicht fehlen.
Am 23. September 2026 darf sich die Landeshauptstadt Niedersachsens neben John Robb und Mark Reeder auf weitere besondere Punk-Gäste wie Gundrun Gut, Alexander Hacke und Pauline Murray freuen und eine Pop-up-Foto-Ausstellung von Sabine Schwabroh und Projektionen von Christian Baumjohann genießen. Vor Ort ist auch das unkommerzielle Musikarchiv zur Punk-Ära, „Archiv B“, vertreten.
John Robb ist seit den späten 1970er-Jahren fest in der britischen Punk- und Alternativszene verwurzelt. Im Jahr 1977 gründete er in Blackpool die einflussreiche Post-Punk-Band „The Membranes“. Als Bassist und Sänger ist er bis heute dort aktiv. Außerdem ist er der Frontmann der Punk-Rock-Band „Goldblade“. Er ist Gründer und Betreiber des bekannten Musikportals und Magazins „Louder Than War“ und hat mehrere Bücher zur Musikgeschichte verfasst. Als Moderator arbeitet er regelmäßig fürs Radio und Fernsehen.
Wer ist Mark Reeder?
Mark Reeder wurde 1985 in Manchester geboren und ist eine prägende Figur der West-Berliner Subkultur. Er trug die Impulse der entstehenden Punk- und Post-Punk-Bewegung in Manchester nach Berlin. In den 1970er Jahren arbeitete er im Virgin Records Shop in Manchester, wo - im Gegensatz zu anderen Plattenläden - boykottierte Punk-Musik erhältlich war. Zusammen mit dem späteren Simply-Red-Sänger Mick Hucknall gründete er 1977 die Punk- bzw. Post-Punk-Band „The Frantic Elevators“. 1978 zog er nach Deutschland, wo er u. a. als offizieller Promoter der Kultband „Joy Division“ tätig war. Er war tief in der Berliner Underground-Szene verwurzelt und schmuggelte verbotene Punk-Platten nach Ost-Berlin. 1990 gründete er in Ost-Berlin das richtungsweisende Trance- und Techno-Label MFS. Er förderte die Weltkarriere des DJs Paul van Dyk und arbeitete als Remixer für Weltstars wie „Depeche Mode“, „New Order“ und die „Pet Shop Boys“.