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Forschungspreis

MHH-Wissenschaftler ausgezeichnet

Gentherapie: Wissenschaftler der MHH haben einen neuen Behandlungsansatz für Menschen mit der seltenen Lungenerkrankung pulmonale Alveolarproteinose (PAP) entwickelt – dafür hat Eva Luise Köhler, Frau des Altbundespräsidenten Horst Köhler, die Wissenschaftler mit dem nach ihr benannten Eva-Luise-Köhler-Forschungspreis ausgezeichnet.

Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert. Bei der Verleihung des Preises an das vierköpfige Forscherteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter Leitung von Professorin Dr. Gesine Hansen und Professor Dr. Thomas Moritz war auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr anwesend. Eine 16-köpfige Jury wählte den neuen Ansatz zur gentherapeutischen Behandlung der pulmonalen Alveolarproteinoseunter aus insgesamt 32 Projekten aus. Der Wunsch, eine heilende Therapie zu entwickeln, entstand bei den Ärzten durch die lebensbedrohliche Situation einer zweijährigen Patientin, die an PAP erkrankt ist.

Was ist die pulmonale Alveolarproteinose?

Bei der erblichen pulmonalen Alveolarproteinose (PAP) handelt es sich um eine seltene Lungenerkrankung, bei der sich in den Lungenbläschen fett- und eiweißreiches Material sammelt. Viele Betroffene ersticken bereits im Kindesalter – denn laut MHH gibt es bisher keine wirksame Therapie.

Neuer Therapieansatz

Das interdisziplinäre Forscherteam entwickelte eine neuartige Gentherapie-Methode, bei der eine gesunde Kopie des Gens nicht in Blut-Stammzellen, sondern in reife Immunzellen eingeführt wird. Diese korrigierten Zellen wollen die Forscher dann direkt in die Lungen der Patienten verpflanzen. "Im Mausmodell konnten wir zeigen, dass diese Methode ohne wesentliche Nebenwirkungen zu einer deutlichen und lang anhaltenden Verbesserung der Alveolarproteinose führt", sagt Dr. Christine Happle vom Forscherteam. Mit dem neuen Therapieansatz verbinden sich große Hoffnungen: So könnte er etwa das Risiko, durch eine Gentherapie an einer Leukämie zu erkranken, deutlich senken. Die Methode soll nun in klinischen Studien gestestet werden.

Eva-Luise-Köhler-Forschungspreis für Seltene Erkrankungen

Beim Eva-Luise-Köhler-Forschungspreis, der zum sechsten Mal vergeben wurde, handelt es sich um eine Initiative der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung für Menschen mit Seltenen Erkrankungen in Kooperation mit der ACHSE, der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen. In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen mit einer der über 6000 Seltenen Erkrankungen. "Unzählige Menschen warten und hoffen auf Forschungsergebnisse und Therapien für ihre seltene Erkrankung. Mit dem Preis zeichnen wir dieses Mal ein Projekt aus, das bei der Erforschung einer seltenen Erkrankung und der Entwicklung von Therapiemöglichkeiten außergewöhnliche Schritte geht und Grenzen durchbrechen will. Es setzt damit auch den Grundstein zur Therapie-Entwicklung anderer genetisch bedingter seltener und nicht seltener Erkrankungen", sagte Eva Luise Köhler in ihrer Laudatio.

Die Preisträger

Professorin Dr. med. Gesine Hansen ist die Direktorin der Klinik für pädiatrische Pulmonologie, Allergologie und Neonatologie und Geschäftsführende Direktorin am Zentrum für Kinderheilkunde der MHH. Zudem gehört Hansen dem Deutschen Zentrum für Lungenerkrankungen (DZL) an.

Professor Dr. med. Thomas Moritz ist Leiter der REBIRTH-Arbeitsgruppe Reprogrammierung (REBIRTH: Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie), die als eine Kooperation zwischen dem Friedrich-Löffler-Institut in Mariensee und dem Institut für Experimentelle Hämatologie der MHH betrieben wird.

Die beiden weiteren Preisträger, Dr. med. Christine Happle und Dr. rer. nat. Nico Lachmann, haben die MHH und die Hannover Biomedical Research School (HBRS) für ihre Ausbildung ausgewählt. Dr. Happle kombiniert ihre Forschung mit einer Facharztweiterbildung zur Kinderärztin, Dr. Lachmann ist nach einem Forschungsaufenthalt an der Yale University in den USA dort eingestiegen.