Bekannte Persönlichkeiten Hannovers sprechen über ein Werk Arendts und stellen aktuelle Bezüge her. Zum Auftakt diskutiert Düzen Tekkal, Menschenrechtsaktivistin und Journalistin, am 19. Mai in der Stadtbibliothek mit dem Moderator Sebastian Friedrich über die „Aporien der Menschenrechte“ aus Arendts Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.
Menschenrechte stehen weltweit unter Druck, Menschenrechtsverletzungen sind weltweit an der Tagesordnung. Vor 75 Jahren erschien Arendts Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, in dem sie sich mit den totalitären Systemen des Nationalsozialismus und des Stalinismus befasst. In diesem Zusammenhang setzt sich Arendt kritisch mit dem Verständnis der Menschenrechte, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 zum Ausdruck kommt, auseinander- Sie beanstandet, dass Menschenrechte z. B. Geflüchtete und Staatenlose nicht ausreichend vor Entrechtung und Verfolgung schützen. In dem Kapitel „Die Aporien der Menschenrechte“ betonte sie, dass das fundamentale Menschenrecht das „Recht, Rechte zu haben“ ist, und hebt das Recht auf Zugehörigkeit, dem Zugang zu einer politischen Gemeinschaft hervor. Wie aktuell sind Arendts Überlegungen angesichts weltweiter Menschenrechtsverletzungen – und wie können Menschenrechte im 21. Jahrhundert wirksam geschützt werden?
Referentin
Düzen Tekkal ist Autorin, Journalistin, Filmemacherin und Menschenrechtsaktivistin. Gemeinsam mit ihren Schwestern gründete sie die Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help e.V. Die Organisation setzt sowohl Entwicklungs- und Bildungsprogramme im Irak, in Syrien und in Deutschland, als auch internationale Sensibilisierungs- und Aufklärungsinitiativen sowie politische Arbeit u. a. zur Freiheitsbewegung im Iran um. In ihrem Buch und der gleichnamigen Bildungsbewegung GermanDream setzt sie sich für ein wertebasiertes Deutschland und gegen Extremismus und Menschenfeindlichkeit ein.
Düzen Tekkal
Düzen Tekkal ist Jesidin, Kurdin und Deutsche. Für ihr Engagement wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Moderator
Sebastian Friedrich ist Journalist, Kurator und Autor. Nach einem Studium der Sozialarbeit/ Sozialpädagogik an der Evangelischen Hochschule Berlin war er 2017-2019 Programmvolontär beim NDR. Er erstellt Beiträge für das ARD-Magazin Panorama, die Radiosender NDR Kultur, NDR Info, Deutschlandfunk Kultur und die Wochenzeitung Der Freitag. Seine Themengebiete sind die Neuen Rechten, Rassismus und Nationalismus sowie die Entwicklung des neoliberalen Kapitalismus.